Mein Freund, der Port

Heute möchte ich euch jemanden vorstellen. Eine Erfindung, die mir anfangs große Angst gemacht und Ekel bereitet hat. Der Port.
Vielleicht geht es euch wie mir noch vor 12 Wochen. Ein was? Ich will es euch erklären. Zart besaitete Seelen, die mit solch implantierten Dingelchen nicht umgehen können, empfehle ich, jetzt nicht auf „Weiterlesen“ zu klicken. Hier folgen keine Spladderbilder, aber meinen Mann schaudert es bei sowas ja immer nur schon aus Erzählungen.


Eine Chemotherapie ist im Grunde ja nichts anderes als gespritztes Gift, das einem durch die Adern läuft. Würde Flüssigkeit neben eine Vene laufen, würde die Haut dort sofort absterben, schwarz werden und es müsste Haut implantiert werden. So erzählte man es mir zumindest, und ohne die widerliche Google-Bildersuche zu starten glaube ich das einfach mal ungesehen. Oder man wollte mir nur richtig Angst einjagen 😉

Da bei mir eine Blutabnahme schon immer schwierig war (in der Armbeuge ist nix zu finden und die beste Stelle war bisher immer der linke Handrücken), wurde mir direkt nach der Diagnose zeitgleich die Setzung eines Ports empfohlen. Durch die Entfernung von zehn Lymphknoten, von denen vier ja leider auch befallen waren, werde ich mein Leben lang am rechten Arm zu Lymphödemen neigen. Daher darf das Blut im rechten Arm auch nicht mehr gestaut werden, also keine Blutabnahme oder Blutdruckmessung.

Man zeigte mir also im Brustzentrum dieses Ding und allein der Gedanke daran widerte mich schon an:

port

So ein Knopf wurde mir also unter dem Schlüsselbein implantiert, zeitgleich während der Tumor-OP. Das war ein Vorteil, da ich so nur eine Vollnarkose brauchte (wobei es Menschen geben soll, die sich das Ding unter örtlicher Betäubung im- bzw. explantieren lassen – never!). Der Port ist gut unter der Haut zu ertasten und je nach Sitzposition auch als Beule unter der Haut zu sehen. Der kleine Schlauch führt direkt in die größte  Vene, die zum Herzen führt (grusel grusel).

So sieht das bei mir aus:

2016-09-28-08-15-30

Der rote Strich ist noch die Narbe, wird hoffentlich noch etwas heller im Laufe der Zeit, und der kleine Punkt in der Mitte ist die Einstichstelle von gestern. Man sieht so einen Knubbel unter der Haut. Und auch heute entgleitet mir nur bei dem Gedanken daran ein kräftiges „Büüüüääääääähhh, eklig eklig eklig!“ Ich hatte ja früher allerhand Piercings, aber so Sachen, die unter die Haut kommen, sind mir suspekt.

Mit so einem Teil wird der Port nun angestochen, wenn ich die Chemo oder Blut entnommen bekomme:

portnadel

Ja, diese Nadel sieht nicht nur dick aus, sie ist es auch. Und das muss ausgerechnet mir passieren, dem Blutabnahme-Angst-hab-Typ. Zumindest kann man sich, um den Stichschmerz etwas zu lindern, eine betäubende Salbe (Emla) aus der Apotheke kaufen, und etwa eine Stunde vor Stich ein Pflaster mit Salbe auf den Port kleben.

Aus meinen ganzen OP-Unterlagen geht hervor, dass der Port unter Vollnarkose auf Funktion getestet wurde. Ja, schön. Aber ich will nicht bei Bewusstsein sein, wenn die die Nadel in mich rammen, aaah! Aber dann kam der Tag, an dem wir Porti anzapfen mussten. Puh, ich und mein Kopfkino hatten schon einen dramatischen Film abgedreht (*Blut, Bluuut, Bluuuuut, tot…* Sofern jemand dieses Zitat aus „Zoomania“ am Anfang kennt) und dementsprechend ängstlich nahm ich im Labor Platz. Aber Caro, die Labortussi, beruhigte mich schnell und erklärte mir, wie sie vorgeht. Ich solle tief einatmen, ausatmen, wieder tief einatmen und während des zweiten tiefen Einatmens würde sie stechen. Hm, okay, also los. Uh, wie, das war es schon? Na, hey, easy-peasy, alles halb so wild! So eine dicke Fresse habe ich danach immer, aber fragt nicht vorher… Nebenbei erfuhr ich noch, dass ich künftig bitte wie eine Prinzessin zu winken habe. Sie hätte mal eine Patientin gehabt, die weit mit den Armen

Jedenfalls fange ich langsam an, mich an Porti zu gewöhnen. Er ist gut zu mir, lässt meine Gefäße heile und ich denke, er könnte ein guter Freund werden. Auch wenn er mich immer noch ein klein wenig anekelt. Aber er wird mir das sicher verzeihen. Und auch wenn man so nicht über einen Freund sprechen sollte, so freue ich mich dennoch auf den Tag, an dem Porti mich wieder verlassen darf.

Porti und Chemonica2016-09-28-08-16-10-1

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

2 Kommentare zu „Mein Freund, der Port

  1. Moni (ich hoffe ich darf deinen Namen abkürzen) du bist so toll. Du bringst für viele mehr Licht ins dunkle Schattenreich von Herrn Krebs. Keinen, den ich kenne, hätte den Mut und die Taffheit, neben Chemo und Angst noch zu erklären, wie eine Chemo so läuft und was das mit Portugal auf sich hat.
    Ich bete jeden Tag, dass du nicht unter so Nebenwirkungen leiden musst und natürlich diesen sche… Krebs besiegst!
    LG Franzi

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