Mimimimi – Und ich so: „Was?“

Guten Tag, liebe Leser!

Ich hoffe, ihr hattet alle ein grandioses Wochenende! Meines kann man so beschreiben: hell, dunkel, hell, dunkel, Montag.

Meine Stimmung war leider komplett auf dem Nullpunkt. Krank sein, Krebs haben, ist echt anstrengender als man meint. Steht man morgens voller Elan auf, muss man drei Minuten später einhalten und sich schnell hinsetzen, da einem übel wird oder man merkt, wie es vor den Augen anfängt zu flackern. Dazu Schweißausbrüche, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und diese nicht enden wollende Müdigkeit. Ich vegetiere also irgendwie nur noch auf der Couch, trinke meinen Tee, zappe durchs unglaublich öde TV-Programm (mal ehrlich, dafür soll man bald noch mehr bezahlen? Reicht GEZ nicht schon?) oder stricke zwei, drei Reihen. Aber selbst in meinem größten Hobby fühle ich mich eingeschränkt. Etwas neues anzunadeln überlege ich mir etliche Male, da ich das Gefühl habe, als wohne in meinem Kopf nur noch ein kleines, gammeliges Möhrchen. Egal in welchem Kontext: Man erzählt mir was, ich versuche zu folgen. Das Ergebnis – immer dasselbe: „Was?“ „Wie bitte?“
Teilweise habe ich akutische Störungen, verstehe also einfach nicht alles vom Gehör her, oder ich kann komplexeren Zusammenhängen nur schwer folgen. So neue Stricksachen anzufangen kann dann echt deprimieren. Also habe ich am Wochenende lediglich ein Paar Handschuhe fertig und einen weiteren Handschuh für Romy gestrickt, eine Mütze für mich und einen Pulli für Romy begonnen. Alles nix hochkompliziertes, man braucht ja Erfolgserlebnisse!

Etwas, das mich leider auch sehr beschäftigt, sind die dummen Haare. Ich hatte ja kurz nach Diagnosestellung zum Langhaarschneider gegriffen und lebte bis dato mit meinen drei bis fünf Millimetern pflegeleichter Kurzhaarfrisur, das ist auch kein Problem für mich. Seit einigen Tagen nun aber fallen diese lieb gewonnenen Stoppeln in Massen aus, und leider belastet einen das doch enorm. Und das ärgert mich, denn ich wollte nicht, dass es mich stört. Es ist auch nicht der Umstand selbst, dass das Haar ausfällt. Ich weiß, dass es wiederkommt und hoffentlich schöner als vorher. Aber wo man hinsieht: Stoppeln, Stoppeln, Stoppeln. Man geht duschen und die Haare wollen und wollen nicht vom Körper, man reibt und wischt, hat die Hände voller Haare, und sie kleben weiterhin überall. Zeitweise tut die Kopfhaut auch weh und man fühlt sich durch diese klebenden Zotteln irgendwie immer unrein. Wenn erst einmal alle ausgefallen sind, geht es mir hoffentlich besser. Leider stört es mich auch sehr, dass man dauernd Wimpern- und Augenbrauenhärchen findet. Ohne Haupthaar is‘ ja schon fies, aber ohne Wimpern und Augenbrauen sieht man echt mal elend aus. Ich bin nun auch nicht der Typ, der sich mal eben Augenbrauen malt. Da sehe ich sicher aus wie einst Daniela Katzenberger und hätte einen dauer-erstaunten Gesichtsausdruck. Wobei das ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, wenn ich so an diverse Smileys denke… Oder ich würde nicht daran denken und mir mal eben lustig im Gesicht rumwurschteln und meine Augenbraue wäre dann auf der Stirn verwischt. Nein, da muss ich mir was überlegen. Dicke Sonnenbrille zulegen? Sturmhaube? Mal sehen.
Fakt ist: krank sein kotzt mich derbe an! Und überall vermutet man Ansteckungsquellen. Entpuppte sich Jörns Sommergrippe nachträglich als Mund-Hand-Fuß, so hoffe ich weiterhin, dass Romy und Mick davon verschont bleiben – und ich bitte auch, wenn möglich. Romy hustet wie ein alter Schlosshund, ist aber sonst fit, aber ich meide dadurch aktuell echt den Körperkontakt und das tut mir soooo leid, denn ich fehle ihr auch merklich: „Mami, bringst du mich heute ins Bett und wir kuscheln noch?“, dann liegt man da, hält sein tapferes, tolles, liebes Mädchen im Arm, die einem beim Einschlafen noch zuflüstert, dass man die beste Mami auf der ganzen Welt ist (wenn sie wüsste, dass ich das gar nicht bin) und kaum ist sie eingeschlafen, hustet sie einem mehrmals direkt ins Gesicht und bei mir macht sich Panik breit. Sieben bis zehn Tage nach Chemo ist das Immunsystem nämlich komplett unten und die Abwehrkräfte sind weg. Und jeder Infekt ist ein Risiko, ein Umstand, der mich ins Krankenhaus befördern kann. Aber was soll ich machen? Meine Tochter nicht mehr knuddeln? Sie nicht mehr in den Kindergarten schicken? Nein, es soll alles so normal wie möglich weiterlaufen. Ich kann echt nur vermehrt Hände waschen und ab und an desinfizieren, Küsse auf den Mund meiden und hoffen, dass Magen-Darm (dank meiner Emetophobie ja mein persönliches Horrorszenario schlechthin), Grippe & Co. diesen Herbst/Winter bitte weitestgehend an uns vorüberziehen. Bitte, liebes Schicksal, wir haben doch aktuell echt genug zu tun, oder?

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Ich werde doch wohl nicht krank? Haha

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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