Vanillepudding

Hallo liebe Leser!

Ich will mich doch mal kurz melden. Ich bin zwar irgendwie immer zu müde für den Laptop, aber ich kann und will euch ja nicht im Unklaren lassen.

Heute stand die Blutbildkontrolle auf dem Programm, an dem Ergebnis hängt die Entscheidung, ob die nächste Runde Chemotherapie stattfinden kann oder nicht.

Um halb elf holte mich Hayo (wir duzen uns seit heute) ab. Mit an Bord war heute auch meine Tochter Romy, die sich aussuchen durfte, ob sie in den Kindergarten oder mit Mami zum Arzt möchte. Da sie in letzter Zeit viele Fragen zum Arzt stellte und mir schon im Krankenhaus die Psychoonkologin dazu riet, Romy ruhig einmal mitzunehmen, damit sie sieht, dass das alles gar nicht schlimm ist, die Leute nett sind und dass sie nichts verpasst, wenn sie einmal nicht mit dabei ist, nahm ich sie also mit. Sie war auch – wie immer – ein großartiges Mädchen, benahm sich echt bilderbuchhaft, sagte anständig „danke“, als man sie mit Traubenzucker, Spritzen und Apotheken-Zeitschriften beschenkte und ich könnte sie echt dauerknutschen. Gut, sie ist meine Tochter, schlimm wenn dem nicht so wäre.

Sie kam auch mit ins Labor und stand direkt neben mir, als Porti angezapft wurde. Erst guckte sie etwas irritiert und ich dachte, gleich weint sie. Aber ich sagte ihr dann, dass mir das kaum wehgetan hat und alles gut sei und sie nahm meine Hand und bekam im Anschluss eine Spritze geschenkt – und damit war die Welt für sie wieder in Ordnung. Das Blutbild sah wohl ganz gut aus, aber die Leukozyten seien erhöht (daran merkt man, dass ich echt noch Laie bin, ich dachte bis dato das sei gut?!), ich solle noch mal zu Frau Doktor rein. Nun gut.

Romy und ich nahmen im Gang Platz und warteten geduldig. Wir warteten wirklich lange und Frau Dr. Kreiss-Sender sprach mich irgendwann an (Wahnsinn, dass diese Frau mich immer erkennt, auch wenn ich Mütze und Mundschutz trage), ob ich auf sie oder Dr. Lorenz warten würde. „Öh, man sagte mir, ich solle zu Frau Doktor – also warte ich wohl auf Sie!“ – „Oh, wirklich? Kleinen Moment“ und nach wenigen Sekunden kam sie mit ihrem Stethoskop aus ihrem Sprechzimmer und bat mich ins Zimmer von Dr. Lorenz, der heute anscheinend nicht im Haus ist. Sie sah sich kurz meine Blutwerte an und erklärte mir, dass eine gewisse Anzahl Leukozyten gut sein, die brauchen wir ja. Aber sobald die Werte erhöht sind, und man einen Infekt sieht/hört, wisse man nicht, wie hoch der Wert „im Original“ sei, also ohne Infekt. Das Risiko, dass der Wert in Wirklichkeit also zu niedrig für eine Chemo sein könnte, sei also erhöht. Sie horchte mich ab und kam schnell zu dem Entschluss, dass ich morgen keine Chemotherapie erhalte, ich rassele wirklich sehr. Sie verschrieb mir Antibiotika, das ich nun zehn Tage nehmen muss, sowie Hustensaft und ich solle viel trinken und inhalieren. Und am Montag, 31.10., versuchen wir dann die Chemo Runde 3 endlich in Angriff zu nehmen.

Mein Herz sagte „juchuh, nun hast du noch einige Tage und kannst gesund werden“, mein Verstand aber schrie „oh nein, nicht schon wieder verschieben, ich werde ja nie fertig! Und Jörn hat für morgen schon Urlaub genommen!“ Tja, nun ist es auch so – Jörn hat für morgen Urlaub, den wir nun gar nicht „brauchen“, wird aber nun Probleme kriegen, für den 31.10. jemanden zu finden, der für ihn einspringen kann. Sonst hat er Nachtschicht, das heißt ich wäre ab Mittag mit den Kindern alleine (bzw. Romy käme ja erst nachmittags aus dem Kindergarten). Aber dass das echt extrem anstrengend, wenn gar fast unschaffbar ist, muss ich nicht erwähnen, denke ich. Zumal man ja leider nie genau vorhersagen kann, wie schlecht und dreckig es einem wirklich gehen wird. Umso schlimmer, dass es eben immer nur am Chemotag ist, an dem Jörn frei nimmt/nehmen kann/will. Also habe ich im Hinterkopf immer dieses „okay, heute Chemo und morgen MUSST du wieder fit sein!“, das ist sehr anstrengend und belastend. Aber was ist an so einer Therapie schon nicht belastend, ein Spaziergang ist das alles ohnehin nicht.
So, liebe Leute, ich lege mich jetzt noch etwas auf die Couch, meine Kopfschmerzen halten mich auf Trab, ich bin – tadaaa – wahnsinnig müde und möchte am liebsten 20 Stunden durchschlafen. Aber Husten, Schnodder und Kinder lassen mich nicht, und meine Gedanken lassen mich irgendwie auch nie zur Ruhe kommen.

Ihr müsst euch also leider noch ein wenig gedulden, bis ich wieder über Chemo-Nebenwirkungen jammern kann. Bis dahin jammere ich über Vanillepudding. Wenn ihr versteht, was ich meine *schnäuz* Iiirgghhhh…

Bis bald – eure Chemonica!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „Vanillepudding

  1. Da könnten die Krankenkassen echt mal was unternehmen, was Partnertage angeht… Das man sich dann noch um Kinderbetreuung Gedanken machen muss kanns ja wohl echt nicht sein.

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