Chemo 3

Hallo meine lieben Leser!

Da es mir – aktuell – ganz gut geht (okay, könnte besser gehen, aber sicherlich auch wesentlich schlechter), melde ich mich jetzt kurz zu Wort. Ja, ich versuche es, hihi.

Die letzte Nacht schlief ich, wie immer, ziemlich schlecht. Es ist so eine Unruhe, Aufregung, Nervosität, Kopfkino. Wie werden die Nebenwirkungen sein? Mit wem sitzt du im Therapieraum? Nicht, dass da jemandem schlecht wird? Wird das Taxi pünktlich sein? Verschläfst du auch sicher nicht? Hoffentlich wird dir nicht schlecht? Und eine große Frage für heute war: Darfst du heute überhaupt hoch zur Therapie?
Warum? Weil mein Husten immer noch echt böse klingt teilweise. Mein rechtes Ohr ist immer noch ziemlich zu, ab und an gab es gestern und heute ein kurzes „Knack“ und es war – leider nur kurzfristig – frei. Aber ich muss mich wohl einfach in Geduld üben. Boah wie ich das hasse…

Kinder kennen ja (leider!) keine Zeitumstellung und so hatte Mick um 5:45 Uhr Fläschchenhunger und Romy tapste um kurz nach sechs Uhr morgens zu mir ins Wohnzimmer. Ich schaltete meinen Handywecker, der mich um 6:20 Uhr aus dem Land der idiotischen Chemoträume holen sollte, aus.
Anschließend nahm ich meine Armada an Tabletten ein, ging duschen, zog Romy an und schon war es kurz vor halb acht und ich ging, bepackt mit meinem Körbchen, gefüllt mit Strickzeug, Schlüssel, Portemonnaie, MP3-Player und Medikamentenbeutel, vor die Tür und wartete aufs Taxi.

Hajo, der Taxifahrer, holte mich um kurz nach halb acht ab und wir kamen zügig zur Praxis Dr. Lorenz. Dort traf ich gleich auf Frau Dr. Kreiss-Sender, die mich gleich mit in ihr Behandlungszimmer nahm. Sie meinte, ich sähe echt noch nicht gut aus (na vielen Dank auch, so mit Mundschutz und Mütze sieht man auch nicht unbedingt aus wie frisch aus dem Urlaub, pfäh!). Na ja, sie horchte meine Lunge ab, in der es auch immer noch ordentlich rasselt. Aber ich fühle mich nur noch leicht krank, kein Vergleich zu letzter Woche. Sie war echt in der Zwickmühle, konnte es verstehen, dass ich gerne zur Therapie wollte, aber erklärte mir auch, dass es schlimmstenfalls im Krankenhaus enden kann – fügte aber hinzu, dass es das zumindest theoretisch immer könne. Sie beschloss, sich meine Blutwerte anzusehen und wollte danach entscheiden, ob Therapie oder nicht. Also ab ins Labor, Porti anzapfen. Und siehe da: Die Blutwerte waren allesamt in Ordnung – ich durfte hoch, juchuuuh! Ja, richtig, ich bejubele hier gerade eine Chemotherapie. Krank, oder? Ja, tatsächlich, haha. Aber ich will ja irgendwann auch mal fertig werden und die letzte Therapie war immerhin schon am 04.10., also gefühlte Ewigkeiten her.

So war ich relativ früh oben und kurze Zeit später kam auch schon die Apothekerin mit der Kühlbox mit meinen Cocktails drin. Es ging also los. Im Therapieraum saßen heute drei sehr nette Damen, alle Mitte/Ende Fünfzig aufwärts. Und alle sehr redselig, sehr angenehm, weil man den ganzen Mist um sich herum echt mal vergisst, wenn andere von ihren Enkeln berichten oder dem Alltag, ihren Erfahrungen mit Tüchern, Perücken, dem Brustzentrum in Braunschweig oder, oder, oder. Und so verging die Zeit heute echt wie im Flug, solche Chemotage sind mir die liebsten.

Man rief meinen Taxifahrer an, der kurz darauf auch schon angeflogen kam, und er brachte mich, wie immer, gut und sicher nach Hause. Und seitdem sitz-liege ich hier auf der Couch. Hundemüde, aber den Kopf voller Gedanken, mir ist etwas gammelgurkig (schlimmer als in Runde 1, besser als in Runde 2), und ich habe einen so ekelhaften metallischen Geschmack im Mund. Hunger habe ich irgendwie, mag aber nichts essen. Ich gehe jetzt duschen (sechs Stunden nach Therapieende „Pflicht“, um sich den Mist von der Haut zu spülen, den man noch so ausdünstet) und anschließend nehme ich meine abendliche Tablettenladung.

Romy und Papa essen jetzt Abendbrot und wir gucken „Findet Nemo“. Und bald wird Romy ins Bett gehen und ich werde auf der Couch schlafen. Und hoffen, dass es mir morgen besser geht, denn Jörn hat morgen Spätschicht, also muss ich ab Mittag wieder einigermaßen fit sein. Schwierig, aber kriege ich schon hin. Muss ich ja. Aber was einen nicht umbringt… 😉

So, das war es wirklich schon von mir. Überrascht? Ich auch. Aber sonst weiß ich irgendwie gar nichts zu berichten. Und ich hoffe (nebenwirkungstechnisch), dass das so bleibt. Wobei das wiederum echt kontraproduktiv für diesen Blog wäre.

Bis bald und passt auf euch auf!

Eure Chemonica

P.S.: Heute wäre ich echt der perfekte Halloween-Schreck. Aber ich unterstütze diesen Wahn nicht und öffne die Tür daher auch nicht (man bläut den Kindern das ganze Jahr ein, nix von Fremden zu nehmen und plötzlich sollen sie Süßes abgreifen? Äh, nein.).

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

Ein Kommentar zu „Chemo 3

  1. Liebe Monika!
    Hoffentlich geht es dir heute dann immer noch einigermaßen gut!
    Ich gucke hier regelmäßig rein und wünsche dir und deiner Familie, dass ihr so bald wie möglich wieder ein normales Leben habt!
    Fühl dich gedrückt!
    LG Helga

    Gefällt 1 Person

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