Zwo Minuten agieren, halben Tag couchen

Guten Morgen, liebe Leser!

Ich hoffe, ihr hattet ein richtig – hier passenden Begriff auswählen – (tolles, gemütliches, kuscheliges, langweiliges, monströses […]) Wochenende!

Ich bin am Wochenende fast eskaliert: Ich habe meine Wollecke aufgeräumt. Tjaha, wer mal bei uns daheim war, wird wissen wovon ich rede. Es war wirklich das pure Chaos. Und nun:2016-11-07 07.09.09.jpg
Sogar Ordnung bei meinen Stricknadeln. Isses nicht schööön?
Und nein, das sind nicht alle, die ich habe. Die ganzen Metalldinger fliegen in meinem Hobbyregal herum, ich kriege Blasen an meinen zarten Fingerchen, wenn ich damit nadele.

Oh, ihr seid noch nicht gelangweilt genug von meinem Wochenende? Klasse, ich hab noch ein Foto für euch:

2016-11-07 09.01.02.jpg

Ihr denkt jetzt sicher: „Schön. Und wo hat sie jetzt aufgeräumt?“ Das frage ich mich irgendwie selber, ordentlich sieht anders aus. Wobei ich euch das Vorher-Foto wissentlich vorenthalte, sonst klappt es euch den Kiefer direkt nach unten. Aber wie ihr oben auf dem Regal sehen könnt, reicht mein Platz einfach nicht aus. Mein Mann hat sogar der Anschaffung eines weiteren Regals zugestimmt (muss ich letztlich doch sterben? Öhm…), das wir obendrauf legen können (4×2 Kallax), aber erstens ist die Anschaffung echt kostenintensiv (für die miese Qualität, sind wir mal ehrlich), rechnet man die Boxen, Deckel und Verschlussclips mit, zweitens muss das Ganze ja echt kindersicher befestigt werden, nicht dass mein Sohn eines Tages auf die Idee kommt, den Mount Wollberg zu erklimmen. Und so verwerfe ich den Plan einfach mal gaaanz nach hinten und stricke erst einmal meinen stash (Vorrat) weg, dann reichen die vorhandenen Kisten irgendwann auch mal aus. Ich bitte auch zu betonen, dass sich in manchen Kisten auch Stoffe, Nähzubehör, Bügelperlen und diverse Farbtöpfchen befinden. Meine Wollsucht ist also gar nicht soooohoo groß! Andere haben viel mehr, echte Zimmer voller Wolle, wirklich *heftig nick*

Ansonsten war das Wochenende sehr anstrengend, weil ich kaum was tun konnte außer liegen. Man glaubt gar nicht, wie sehr das nerven kann! Man möchte so gern und kann nicht. Und sobald man etwas kann, soll man nicht (Neutropenie, das heißt ab diesem Zeitpunkt gehen die weißen Blutkörperchen rapide zurück und das Immunsystem ist sozusagen nicht mehr vorhanden, dies tritt etwa ab Tag 7 – 10 nach Chemo ein, darum muss ich ab Tag 5 Antibiotika nehmen, um überhaupt irgendeinen Schutz gegen Viren und Bakterien zu haben). Mich einfach mal wieder ins Auto setzen und einkaufen, DAS ist ein Luxus, der sicher 90 % von euch täglich ankotzt. Hat es mich selbst oft. So ganz alltäglicher Kram. Aber wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt: Wenn ihr das nächste Mal etwas macht, das euch total nervt, an der Kasse in der Schlange stehen oder so, dann lächelt kurz, denkt an mich ollen Kahlkopp und sagt euch – hey, andere können das gerade gar nicht tun. Moah, das klingt jetzt fatal kitschig, oder? Aber freuen würde ich mich dennoch. Denn so blöde Krebs ist, man lernt die kleinsten Dinge des Lebens so zu schätzen. Das habe ich vorher auch, oh ja, aber anscheinend nicht genug, sonst wäre die Sehnsucht jetzt nicht so groß.
Jörn hat gestern seinen einzig freien Tag der Woche genutzt und ist mit Romy ins Schwimmbad, während ich daheim bleiben musste und Mittagessen kochte (Gulasch, Klöße und Möhrchen, mhhhh!). Das letzte Mal schwimmen waren wir, als Mick noch nicht mal unterwegs war. Die Zeit ist so gerannt – wohin nur? Auf jeden Fall hatte sie so viel Spaß und ich freue mich darauf, eines Tages wieder mit zu können. Aber ich muss geduldig sein. ARGH! Aber apropos ins Auto setzen – mein Auto steht gerade ohne Autobatterie herum, die hat sich nämlich gedacht, auch mal zu eskalieren: und entlud sich. Tja, letzte Autofahrt meinerseits ist auch schon wieder eine Weile her.

So, genug eskaliert für heute. Jetzt werde ich meinen geschundenen Körper unter die Dusche zerren, Mick schläft friedlich und um 10:00 Uhr holt mich das Taxi zur Blutbildkontrolle ab. Vielleicht melde ich mich nachher noch einmal. Sofern ich da draußen im Regen nicht mit Mick abgluckse. Der begleitet mich heute 🙂

Bis bald – eure Chemonica!

 

 

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

4 Kommentare zu „Zwo Minuten agieren, halben Tag couchen

  1. Dein Strickzeug sieht suuuuhuuper-ordentlich aus😊! Auch wenn ich als Mit-Junkie weiß, daß das nur 8 Wochen anhält😉. Und ich hab mir ein Beispiel genommen und meine rumstehenden Wollkartons endlich auch in meine Boxen geräumt. Naja. Gestopft. Versucht zu stopfen. Ich hoffe, die Dinger platzen nicht. Aber egal, ich hab dich zum Vorbild und Absporn genommen und aufgeräumt. 😃Du hast also eine ziemlich gute Tat vollbracht von deinem Sofa. Ich drück dir die Daumen, daß du durch deine kritischen Tage diesmal gut durchkommst, daß das Fieber dich in Ruhe lässt. Liebe Grüße!

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  2. Toll, Deine Strick- und Nähecke, ich finde, das sieht echt ordendlich aus! Respekt! Du hast noch etwas Gutes vollbracht: Du hast mich angestiftet. Nein, nicht zum Aufräumen (das sollte ich vielleicht tun, aber das schiebe ich nur weiter vor mich her), sondern zum Stricken. Jawoll, ich mit meinen beiden linken Händen. Ich kann es zwar (noch) nicht, aber wozu gibt es Anleitungen, youtub* oder wasauchimmer – der Wille ist da und vielleicht tut es mir gut!! Ich danke Dir schonmal für die INspiration und vielleicht präsentiere ich bald schon meinen ersten Strickversuch. Wer weiss…

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  3. Aaaah das Bild von deinem Wollregal muss ich meinem Mann zeigen. Da kann ich ja noch ein paar Mal einkaufen 😀
    Liebe Monica, deine Blog-Beiträge sind einfach klasse. Dass du es in deiner Sch…Situation noch fertig bringst, uns hier zum Lachen zu bringen und uns im ganz alltäglichen Stress etwas Mut und Gelassenheit zu bringen. Hut ab, und mach weiter so! Alles Liebe!

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