Jammermodus: ||aktiviert||

Guten Morgen, liebe Leser!

Ich hoffe doch mal, ihr hattet ein schönes Wochenende und einen guten Start in die kommende, vorweihnachtlich angehauchte Woche (erwähnte ich schon, dass ich dieses Jahr so überhaupt keine Lust auf Weihnachten habe? Ich hoffe etwas Stimmung kommt noch auf, allein der Kinder zuliebe…).

Mein Wochenende war schläfrig, begleitet von diversen doofen Nebenwirkungen und eigentlich vergeht die Zeit aktuell so: auf der Couch liegen, dösen, hochschrecken, aufs Handy gucken, nach der Uhrzeit gucken, wieder wegdösen… Irgendwann kommt dann intervallartig die Übelkeit, und irgendwann habe ich eine kurze Phase von wenigen Minuten, wo ich mir vornehme was zu stricken oder im Haushalt zu tun. Und wenig später finde ich mich auf der Couch wieder. Es neeheervt! Ich habe zu nichts Kraft, bin ungeduldig, schnell genervt und reizbar.

Am Freitagabend bemerkte Jörn dann, dass Mick Fieber hat. Argh, mein armer Babybär! Wir vermuteten die Zähnchen, denn er sabbert seit Tagen wie ein Weltmeister und greift sich ins Mündchen. Er war ungewöhnlich weinerlich und ließ sich schließlich gar nicht mehr ablegen. Also verbrachte ich meine Nacht auf der Couch im Sitzen mit meinem kleinen, schwer atmenden Babybären im Arm, ich starrte ihn gefühlte Stunden an, streichelte seine kleine Wange und genoss seinen Babygeruch. Irgendwann ließ er sich auch eine leichte Bauchlage gefallen und ich konnte mich zumindest leicht hinlegen und wir schliefen noch mal dicht aneinander gekuschelt eine Runde. Am nächsten Morgen war das Fieber schon gut gesunken und abends war er dann komplett fieberfrei und lachte und gluckste auch schon wieder.

Krise überstanden. Dachte ich. Sonntagnacht, ich war gerade eingeschlafen, riss Jörn die Wohnzimmertür auf und ich erschrak fürchterlich. Kennt ihr das, wenn einem dann so schlecht wird, weil man sich so erschrocken hat? Danke Jörn, seufz. Er war reingekommen, um mir zu sagen, dass Romy 40,1 Fieber hat. Wie bitte??? Es war doch alles in Ordnung?! Abends hatte ich noch ganz kurz den Gedanken „ob sie krank wird?“, weil sie so still mit ihren Duplosteinen spielte. Aber ich verbot mir diesen Gedanken, ich sehe ja wirklich schon Gespenster, seit ich diese Angst vor Ansteckung habe. Romy lag wohl relativ quer im Bett und Jörn wollte sie nachts richtig hinlegen, da bemerkte er, wie sie glühte.
Als er in der Tür stand und mit mir redete, hörte ich Romy plötzlich reden „Papi, ich war mit meinen ganzen Haargummis baden!“ – sie fantasierte. So ein Mist! Jörn gab ihr Fiebersaft und etwas zu trinken und sie redete wohl noch ewig auf ihn ein. Wenig später sank das Fieber und Jörn war ihr wohl zu fürsorglich, denn sie fuhr ihn wohl irgendwann mit einem „Mann Papi, schlaf jetzt“ an, als er ihr noch mal über die Stirn strich 😀

Nun habe ich hier einen Babybären, der fröhlich glucksend in seinem Schaukelstühlchen liegt und mit seinem Spielzeug kämpft, und eine Romymaus, die gerade ein Bild malt und immer noch leicht fiebert. Jörn hat sich kindkrank schreiben lassen (an dieser Stelle: danke, danke, danke, mein zu 99,9 % weltbester Ehemann!), denn alleine mit zwei Kindern, wovon eines kränkelt, ist eine echte Herausforderung für mich geworden. Ist das nicht traurig? Seine Kinder versorgen können ist das Normalste und Einfachste auf der Welt – eigentlich. Und ich kämpfe gegen diese schlimme Kraftlosigkeit und intervallartige Übelkeit. Im ersten Moment geht es mir gut, ich stricke, im nächsten Moment lege ich mich hin und atme diese Übelkeit weg. Dann möchte ich was im Haushalt tun, bin voller Elan, und nach zwei Minuten merke ich, dass ich es nicht schaffe, keine Kraft, oder mir wird schwindelig, und ich muss wieder meinen Stammplatz auf der Couch einnehmen.

Gestern war ich zur Blutbildkontrolle. Pünktlich von (m)einem Taxifahrer Hajo in der Praxis abgeliefert, ging es auch schon direkt ins Labor, vorbei an Abdeckplanen und Kreissägen – die Praxis hat offiziell nämlich diese Woche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Nur für die Chemopatienten und Blutbildkontrollen ist notfallmäßig geöffnet.
Karo zapfte Porti an, und der weigerte sich nun zum dritten Mal, ordentlich Blut abzuliefern. Sie spülte nochmals mit Kochsalzlösung und dann gab er endlich was. Sie erklärte mir, ich solle künftig nun immer Bescheid sagen, dass man vorher gut spült. Der Schlauch klebe wohl an einem Gefäß und man müsse dann vorher gut spülen, damit sich der Schlauch lockert, sonst könne es sein, dass er etwas abgeklemmt ist und dann gibt Porti halt kein Blut. Brrr, lalalalalaaa, allein der Gedanke, dass da ein kleiner Schlauch an meinem Gefäß klebt, büüüääääähhhhh! Normalerweise bin ich nicht so empfindlich, aber mit Porti hab ich ja so meinen leichten Ekel – bis heute. Ja,  verzeih mir, mein kleiner Freund, ich versuche ja auch, dich nicht als Ekelfaktor zu betrachten. Aber wenn du dann so Sachen machst, wie dich an mein Gefäß festzukuscheln, neee, da läuft es mir kalt den Rücken runter, fiiieeeep.

Der Blutbildautomat ratterte fröhlich und spuckte den Leukowert 2,6 aus. Karo merkte an, dass sie im Sinkflug seien, aber ich war mit dem Wert wieder ganz glücklich, ich hab ja schon Schlimmeres durchlebt. Na ja, ich soll mich melden, wenn ich Fieber bekomme, und Donnerstag soll ich erneut zur Kontrolle. Zu Befehl!

Ich ging wieder nach oben, da ich noch ein neues Rezept für mein (ekelhaftes) Antibiotikum brauche. Bis einschließlich Freitagabend muss ich es nehmen, aber meine Tabletten reichen bis Freitagmorgen. Ein Tablettchen zu wenig. Ich gab Bescheid und Mariola sah mich an „hm, eine einzige fehlt?“, ging an deren Medikamenten-Goodie-Schublade und gab mir eine einzelne Cefuroxim-Tablette. „Dann brauchen wir kein neues Rezept ausstellen“. Ich dachte „okay, ihr spart nun auch schon an Medikamenten“, aber dann sah Mariola ihre Kollegin Anna an und meinte „du, L…steinchen“ (mein Spitzname in der Praxis 😀 ) braucht in der kommenden Chemorunde ja kein Cefuroxim mehr, ne?“, Anna: „nee“ – was? Ich muss dann kein Cefuroxim mehr nehmen? Na dann lasst das Rezept auch schön bleiben, ich nehme das einzelne Pillchen mit, juchuuuh! Das war die schönste Nachricht des Tages. Mir wird vom Cefuroxim ja immer ziemlich gurkig (zu dem ohnehin schon vorhandenen Gurk), aber das AB scheint ja zumindest so zu wirken, dass ich kein Fieber bekomme, und da will ich nicht „grundlos“ wechseln. Wer weiß, wie ich ein anderes Antibiotikum vertragen würde.

So, nun werde ich ein, zwei Runden stricken, Mick ist gerade eingeschlafen, der Mann kauft Lebensmittel ein und Romy spielt etwas mit ihren Bausteinen. Und ich habe ihr zum Mittag Pfannkuchen versprochen, also Backen zusammenkneifen und ab in die Küche. Wenn nur bitte jemand mal den Gammelgurk und die Bauchschmerzen abschalten könnte, danke.

Bis bald, meine Lieben!
Eure Chemonica, mit der irgendwie so gar nix mehr los ist, gääähn.

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

Ein Kommentar zu „Jammermodus: ||aktiviert||

  1. Hallo liebes,
    Ich denk nach wie vor oft an dich. Du bist so tapfer und viel zu streng mit dir selbst.
    Du klingst trotz allem so motiviert, ich würde mir vermutlich die decke über den Kopf ziehen und mich bemitleiden.
    Du bist eine tolle Mama und starke Frau. Ich hoffe die weihnachtsstimmung zieht noch ein und von MD-Viren (und allen anderen) bleibt ihr verschont.
    Viele Grüße Svenja von den Julis 🙂

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