(Neben-)Wirkungen

Hallo meine lieben Leser!

Naaa, habt ihr eure olle Chemonica schon vermisst? Nee, die Ruhe war mal ganz angenehm, was?

Eine Woche liegt wieder hinter mir und noch eine Woche bis Chemo-Runde 6. Wie könnte man die vergangene Woche kurz zusammenfassen? Hell, dunkel, hell, dunkel… diverse Nebenwirkungen, mentale Tiefs, Tränen… Aber ich will mich nicht beschweren, diese Runde ist, zumindest nebenwirkungstechnisch gesehen, eher eine der leicht verkraftbareren. Nur psychisch geht diese Zeit langsam an die Substanz. Dazu wird es langsam weihnachtlich, na ja, es sollte zumindest, aber Stimmung mag bei mir nicht aufkommen. Muss aber – Romy zuliebe. Aber die Phasen, wo man am liebsten nur weinen möchte, nehmen zu und werden länger. Vielleicht auch dem Wetter geschuldet? Ich weiß es nicht.

Mir fehlt zu so ziemlich allem momentan die Kraft und wenn die Kraft da ist, fehlt die Lust. So muss ich mich immer noch zum stricken überwinden, ich stricke meiner ehemaligen Chefin einen „Auftrags-Schal“, die dazugehörige Mütze liegt hier zumindest schon fertig. Aber Aufträge killen echt das Hobby. Ich mag lieber was anderes nadeln, wenn es mir mal gut geht. Aber sich zu überwinden, einen schnöden Schal weiterzumachen, wenn man stattdessen einen kleinen Feuerwehr-Pullover fürs Söhnchen machen könnte, gäääähn…

Gestern dann hatte ich wirklich starke, intervallartige Schmerzen im Becken und Unterleib, die in die Beine zogen. Ich möchte es fast etwas mit Wehen vergleichen, nur kam leider kein weiteres Baby zum Vorschein. Nur Schmerzen. Ich hatte dann mal wieder Google befragt (jaa, ich weiß, soll ich nicht, ihr Besserwisser!), weil ich Samstag noch die Nieren beschuldigte – ich trinke ja immer recht wenig. Aber Sonntag zogen die Schmerzen dann südlicher, Freitag schon hatte ich dauernd ein Stechen im ehemaligen Tumorbereich, ein so mieses Gefühl, ich bekam teilweise richtig Panik und Schweißausbrüche und den Gedanken, ob der Tumor wieder da sein könnte. Paranoia-Chemonica…

Heute hält es sich in Grenzen mit den Schmerzen. Also klar, sie sind da, aber ich nehme zur Nacht eine Ibuprofen und dann geht das schon wieder. Heute sticht es wieder im Becken/Unterleib/Beine und im rechten Oberarm, also in der operierten Seite. Vielleicht wachsen da auch wieder ein paar weitere Nerven zusammen, denn ganz vollständig ist das Berührungsempfinden bis heute leider nicht. Man sagte mir aber ja schon, dass es sein könnte, dass das nie wieder zurückkehrt. Nun denn, ich warte mal ab. Wäre ja das kleinste Übel, wenn ich von dem ganzen Mist nur einen halb tauben Oberarm beibehalte, nech?

Heute war Blutbildkontrolle und so hüpfte ich mit Romy, die mich begleiten wollte, um 9:45 Uhr zum Taxi. Na ja, theoretisch. Denn als um zehn vor Zehn immer noch kein Marius o. ä. sichtbar war und ich ihn gerade telefonisch drangsalieren wollte, warf ich noch einmal einen prüfenden Blick in meine Kalender-App – um festzustellen, dass ich um 11:00 Uhr Labortermin habe und das Taxi somit um 10:30 Uhr kommt. Haha, witzig ich bin. Nicht. Also erklärte ich Romy meinen Fehler und wir gingen wieder rein. Da fiel ihr letztlich auf, dass sie nun doch lieber daheim bleiben mag und Omi möge doch bitte zum spielen runter kommen. Gnampf, na gut Kind, bin ich eben alleine tapfer, püh.

Also nahm ich um kurz vor halb elf einen neuen Anlauf, allein (an dieser Stelle bitte wieder mal etwas Mitleid, nech?), und siehe da – Taxi kam. Wir kamen so gut durch, dass ich um 10:34 Uhr auf die Uhr sah, und da stand ich bereits schon in der Praxis. Diese war irre voll (aaaahhhh, ich habe beginnende Neutropenie, geht weg mit all euren Viren und Bakterien, schließt mich in einen separaten Raum, kreiiiisch!) und ich nahm also auf dem letzten freien Stuhl im Wartezimmer platz. Nach gefühlten hunderten Hustern meiner Mitmenschen wurde ich endlich aufgerufen. Und diesmal ließen wir Porti in Frieden ruhen, er hat ja seinen Dienst quittiert. Heute hatten wir beim ersten Anlauf in der linken Armbeuge Glück und kurze Zeit später ratterte der Blutbildautomat los. Wenige Augenblicke später: „Also die Werte sind alle top!“ Ich: „Ja? Wieso, was sagen die Leukozyten?“ – „8,5“ Wie bitte? Achtkommafünf? So hohe Leukozyten hatte ich noch nie, wow! Zu hohe Leukozyten sind ja auch nicht gut, sofern man denn einen Infekt hat. Mir ist aber keiner bekannt, also freue ich mich jetzt mal ganz leise über diesen Wert. Sie meinte auch, dass es wahrscheinlich ist, dass dieser Wert Freitag etwas niedriger sein wird. Joa nun, keine Sorge Lady, ich hab ja genuch, wa? *abwink*

Zum Schluss ging ich erneut zur Anmeldung, da ich noch ein neues Rezept brauchte. Hatte man mir am Chemo-Montag ja mein Antibiotikum mitgegeben, fiel mir – leider wie immer zu spät – zuhause auf, dass die Packungsgröße nicht ausreicht. Ich muss von Tag 5 bis 12 je 2×1 Tbl. täglich nehmen, also 16. Verschreibt man mir aber 12, habe ich ein Problemchen, hrhr. Ich bat also um ein Rezept und fragte, ob sie mir auch gleich eine größere Packung verschreiben dürfte, schließlich brauche ich ja noch (insgesamt) 16 Tabletten für drei Zyklen und ab dem neuen Jahr bin ich ja schon nicht mehr von den Zuzahlungen befreit (jaa, ich alter Sparfuchs). Da müsse sie den Arzt fragen. Und kam wenig später mit einem Rezept für Packungsgröße N1 wieder. Hrmpf. Nun denn, ich hab es versucht. Geizhälse. Als wolle ich mir mit dem AB das Leben nehmen oder wie? Na wie dem auch sei. Ich verabschiedete mich und ging runter in die Apotheke.
Durch einen glücklichen Zufall sah die Apothekerin im letzten Moment, dass ich ja eine etwas andere Packung in meiner Tasche habe als die, die ich nun verschrieben bekommen hatte. Ja, man hatte mir mal wieder Ciprofloxacin verschrieben, nicht Cefuroxim.Cipro hatte ich ja nur die ersten beiden Zyklen bekommen und Dr. Lorenz war dann auf Cefu umgestiegen, da Cipro bei mir nie richtig zu wirken schien (Fieber, Leukozytenabfall). Schon am letzten Chemo-Montag wäre das fast passiert. Keine Ahnung, was die da machen, hm.
Jedenfalls vielen Dank an die liebe Apothekerin, sonst hätte ich Jörn nämlich nochmals losschicken müssen, um den Fehler zu korrigieren.
Danach rief ich Marius an, der auch prompt kam und mich wieder sicher nach Hause fuhr. Zum Abschied drückte ich ihm ganz form- und schmucklos einen Zehner in die Hand, da ich nicht genau weiß, ob ich ihn vor Weihnachten noch mal sehe. Ja, ich weiß, zehn Euro sind ein Witz, aber er soll sich einen Kaffee holen oder seinem Sohn ne Cola kaufen, keine Ahnung. Ich habe ja nun selbst keine Einnahmen und von dem Elterngeld, was ich habe, muss ich meine Kinder mitfinanzieren (wieso wachsen die eigentlich immer weiter?). Aber letztlich ist es für mich die Geste, die zählt, wenn sie auch leider spärlich ausfiel. Aber ich habe im letzten halben Jahr so viel geschenkt bekommen, werde verwöhnt, bemuttert, betüddelt, umsorgt, so viele liebe Menschen denken an mich, da muss ich irgendwie nach und nach versuchen, was zurückzugeben. Bin für jeden Tipp diesbezüglich dankbar, wie ich das anstellen kann 😉

So, ihr lieben Hasen, ich werfe mir wohl doch schon gleich eine Ibu ein, Schmerzen werden schlimmer. Aber ich soll ja keine Heldin spielen. Also bin ich brav und warte nicht ab. Worauf auch? Besser wird es wohl nicht einfach so.

Jetzt befreie ich meinen jauchzenden Sohn mal aus seinem Dschungel und suche Romymaus dann einen neuen Schlafanzug raus, Jörn kämpft sich noch durch die Menschenmassen im real,-.

Ich wünsche euch eine gute Zeit – wir lesen uns!

Eure Chemonica

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

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