Trauma: Krankenhaus, Teil 1

Hallo liebe Leser!

Ich melde mich mal wieder, irgendwie gab es nichts, aber auch nichts Sensationelles zu berichten. Und täglich von meinen Wehwehchen zu schreiben, wo es ziept, zwickt, piekst – nein, das wollte ich auch nicht. Und nun melde ich mich mal wieder aus dem Krankenhaus.

Vorgestern, am 28.12., fühlte ich mich am frühen Mittag noch unwohler als sonst. Und das Fieberthermometer bestätigte meinen Verdacht mit 37,8°. Nicht in Panik geraten, dachte ich mir. Aber leichter gesagt als getan. Ich lag also, wie all die anderen Tage davor auch, auf meiner Kuschelcouch und schloss die Augen. Ich versuchte etwas zu schlafen und merkte, wie mein Herz raste. Mir ging durch den Kopf, dass ich wieder im Krankenhaus landen könnte, dass ich wieder x Tage weg muss von Zuhause, dass sich meine Chemos verschieben – und ich fing das heulen an. Romy spielte im Arbeitszimmer und bekam davon nichts mit.

Jörn und ich beschlossen, noch etwas zu warten. In der ganz naiven Hoffnung, die Temperatur würde wieder sinken. Aber sie tat es nicht und so rief Jörn am Nachmittag Dr. Lorenz an – mal wieder auf seinem Handy. Mein Körper sucht sich nämlich immer die perfekte Zeit aus, um krank zu werden.

Dr. Lorenz riet uns direkt zum Krankenhaus. Ich bekam totale Angst, weinte, wollte das alles nicht. Ich hatte bzw. habe auch einfach keine Kraft mehr. Und ich befürchtete, dass mich wieder dasselbe Spiel erwarten würde wie damals. Erst ins Klinikum Celler Straße, die dann sagen würden, sie seien voll, dann in die Zentrale Notaufnahme des Klinikums Salzdahlumer Straße, die dann völlig empört in der Celler anrufen würden und wie durch Zauberhand wäre dann in der Celler doch was frei.

Also rief Jörn in der Celler an und frage nach dem. Stand der Dinge, ob ein Einzelzimmer möglich sei usw. Man sagte ihm aber, dass sie total belegt seien und dass wir zur ZNA Salzdahlumer sollen. Und die Wartezeit betrage zwischen 2 bis 8 Stunden. Super. Und wie soll ich das schaffen? In mir kam Panik auf. Ich wollte das alles nicht. Ich wollte erstrecht nicht in die Notaufnahme. Also telefonierte Jörn wieder rum und Dr. Lorenz meinte schließlich, dann sollten wir noch warten und dann mit RTW fahren, dann würde es ggf. etwas schneller gehen.

Ich legte mich also wieder hin und dachte an Selbstheilungskräfte. Ob ich diese mit positivem Denken beeinflussen könnte. Aber wie man sieht – nein. Als meine Temperatur gegen 16:30 Uhr bei 38,4 war, gab ich auf und Jörn rief den RTW. Diese trafen auch wenig später ein, deren Messung ergab 38,9. Zudem ein Blutdruck von 150/80 mmHg und mein Kreislauf ging spürbar in den Keller. Kurzfristig dachte ich, dass ich in unserem heimischen Arbeitszimmer umkippen würde. Aber es ging dann doch und so ging der Transport in die Salzdahlumer Str. los.

Zum Glück war es nicht sehr voll, zumindest eben in dem Teil, der von den RTWs angefahren wird. Und ich landete schnell in einem leeren Zimmer und konnte mich hinlegen. Nach einer Tortur von Fragen, Anamnese, und drei gescheiterten Versuchen, mir Blut aus dem Arm abnehmen zu wollen, angelegten Blutkulturen, Urinprobe und EKG hieß es schließlich, ich solle nun warten, man hole mich zum Röntgen ab. Da war es bereits 19:30 Uhr (um 17:30 Uhr war ich angekommen).

Ich bekam Antibiose, also Antibiotika über den Tropf, sowie Flüssigkeit, auch intravenös, und eine Decke. Man bot mir an, den Fernseher anzuschalten, aber ich wollte nur Ruhe. Ein festes Bett und Ruhe, das war alles, was ich wollte. Die sollte ich dann auch vorerst haben. Na ja, theoretisch. Es rumpelt, poltert und rappelt in der ZNA eben überall und dauernd, es klopft niemand an, bevor er das Zimmer betritt, und um etwa 0:10 Uhr(!) holte mich ein Pfleger ab, um mich auf Station zu bringen. Ich kam auf die Kurzlieger-Station, da geplant ist, dass ich doch noch in die Celler Straße zurück verlegt werde.

Der Pfleger öffnete die Tür und mein Herz blieb fast stehen: Drei-Bett-Zimmer. Aber bisher alle frei. Puh, okay, beruhige dich Chemonica! Toiletten seien wir dem Gang. Na super. Dann kam Ersie. Es tut mir so leid, aber den Namen musste ich geben. Weil ich bis heute nicht sicher bin, ob es sich um eine Schwester oder einen Bruder gehandelt hat. Es ist auch nicht böse gemeint, aber ich konnte es wirklich nicht erkennen. Und Ersie stellte sich leider nur als „ich bin der Nachtdienst“ vor. Kurze Haare, maskulines Aussehen, keine Brust erkennbar, als Ersie sich bückte, meine ich ein Boxershorts-Bündchen erkannt zu haben, maskuline Arme, aber sehr feminines Verhalten und Stimme. Aber im Grunde auch völlig egal, denn Ersie war sehr, sehr nett.

Ich wurde noch mit Novalgin versorgt, da ich solche Kopfschmerzen hatte, und meine Temperatur, die erst auf Nachfrage meinerseits erneut gemessen wurde, lag bei 37,9.
Ersie warnte mich vor, dass es sein könne, dass sich die anderen zwei Betten noch füllen könnten. Ich dachte schon „oh oh…“, aber wollte dann auch endlich schlafen. Es war bereits nach ein Uhr durch und ich wollte endlich schlafen. Aber das war gar nicht so einfach, mir rasten so viele Dinge durch den Kopf, das Bett war unbequem, und die fremden Geräusche. Gnah!

Um kurz nach zwei Uhr kam Ersie herein und teilte mit mit, dass sich zwei weitere Damen angekündigt haben, seien aber beides „nur“ Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ich hatte Ersie von meiner Emetophobie berichtet und eben von meiner Sorge, mich irgendwo anzustecken, weshalb ich hier mit Mundschutz herum laufe. Und schlafe. Sehr unangenehm übrigens!

Na toll. Mein persönlicher Alptraum sollte eintreten. Und gute anderthalb Stunden später war es soweit. Das Zimmer wurde voll. Der Pfleger, der die eine Patientin zum Bett begleitete, äußerte dann einen kleinen, aber entscheidenden Satz: „Die Kollegin kommt gleich.“ Aha! Ersie ist also eine Frau. Entschuldige bitte Ersie, ich habe es nicht böse gemeint!

Das Zimmer war also voll. Dunkel. Und die Dame, die neben mir lag, stöhnte, ächzte, rülpste und furzte in einer Tour. Die ganze Nacht. Natürlich bekam sie mitten in der Nacht auch noch einen Tee, den Ersie anpries mit „der ist abführend“. Ja klasse, bitte noch mehr Horror! Und sie ging dauernd raus und rein. Wobei ich in diesem Moment ganz glücklich war, dass das Klo auf dem Gang war…

Aber natürlich sollte es noch mehr Horror für mich geben: Gestern Morgen um 8 Uhr kam Schwester, hm, ja, ich und mein Kurzzeitgedächtnis… Ich nenne sie einfach mal Herzi, und machte, ich sage mal, die Mini-Visite. Nahm Blutdruck, fragte nach Stuhlgang und Miktion, Befinden, Schmerzen usw. Und da erwähnte die Dame neben mir, sie habe ja gar nicht geschlafen, nur Durchfall gehabt, habe solche Bauchschmerzen. Herzi fragte, ob sie denn spucken musste. Ja, aber da käme nichts, sie habe ja seit drei Tagen nichts gegessen. Und dann fing sie wieder elendig an zu rülpsen und ging auf die Toilette.

Ich fragte Herzi, ob ich ihr eine doofe Frage stellen dürfte. Na klar, gebe keine doofen Fragen, nur doofe Antworten. Und ich fragte, ob ich irgendwo anders hin könnte, da ich eine Emetophobie habe. Sie bot mir dann an, mich in den Besucherbereich zu setzen, ich würde eh gleich zum Röntgen abgeholt. Also setzte ich mich dort hin. Und tue es aktuell immer noch, während ich diesen Text in mein Handy Mailprogramm tippe, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Meine WordPress-App hatte ich letzte Woche gelöscht, höhö. Habe hier gefrühstückt, na ja, ein Viertel Brötchen, mir schlägt sowas sofort auf den Appetit. Und mir die Toilette mit x Leuten im Gang zu teilen ist echt schon schlimm genug.

Jetzt kam Herzi, ich ergänze, Schwester Anja, eben zu mir, um 13 Uhr gehe es in die Celler Straße, auf die MHO I, und sie habe Bescheid gegeben, dass ich in kein „köziges Zimmer“ komme, das sei aber wohl kein Problem, es gäbe genug Platz.

Ich sitze hier, bin echt nah am Wasser gebaut, möchte nach Hause, gesund sein, bei meiner Romy Süßmaus und Mick Babybär sein. Die Angst, was mich in der Celler Straße erwartet, steigt jetzt wieder. Aber da muss ich nun durch. Mal wieder. Ganz ehrlich? Ich hab langsam die Schnauze voll vom durch müssen. Stark sein. Durchhalten. Bla. Ich wollte am Montag die nächste Chemo haben. Und am 16.01. die letzte. Und nun ist alles hinfällig.

Ich sitze hier, versuche die Zeit herum zu kriegen und hoffe, dass ich nicht vom Regen in die Traufe komme. Drückt mir bitte die Daumen!

Bis bald – eure Chemonica

Werbeanzeigen

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

2 Kommentare zu „Trauma: Krankenhaus, Teil 1

  1. Liebe Monica,
    ich wollte Dir nur kurz schreiben das ich Dir die fest die Daumen drücke das es in der Celler Straße ein Einzelzimmer gibt und Du vor allem schnell wieder nach Hause kannst!!
    Ich denke an Dich
    Ivana

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s