Silvestergrüße aus dem Krankenhaus 

Hallo liebe Leser! 

Mein Körper dachte sich, dass es keine gute Idee ist, Silvester daheim zu sein, und so bekam ich gestern am frühen Mittag wieder Fieber. Ich geriet total in Panik, ich wollte absolut nicht zurück in die Celler oder in die Salzdahlumer, wo wieder keine Umkehrisolation stattfinden könnte und ich sicher wieder auf Patienten treffen würde, deren diverse Ausscheidungen ich wieder begleiten müsste. Nein, ich würde nicht zurück gehen!

Ich rief in voller Panik Dr. Lorenz an, der aber nicht erreichbar war. Mir fiel ein, dass ich das Krankenhaus Marienstift, in dem ich meine beiden Kinder auf die Welt gebracht hatte,  bisher immer soo nett und kompetent fand. Könnten die nicht die Antibiose machen? Also rief Jörn dorr an und fragte, ob eine Behandlung bei ihnen möglich sei sowie Umkehrisolation bzw. Einzelzimmer (koste es, was es wolle!). Man teilte ihm mit, dass es Einzelzimmer gebe und wir das mit meinem Arzt klären sollen. Nachdem Dr. Lorenz sich bisher nicht gemeldet hatte, obwohl ich ihm einen ziemlich panische Text auf  der Mailbox hinterließ, rief Jörn schließlich Frau Dr. Kreiss-Sender an, die auch für mich zuständig ist. Sie stimmte zu und wir sollten gern ihre Notnummer im KH angeben, um Rücksprache zu halten. 

Jörn rief erneut im Marienstift an, man stimmte unserem Kommen zu. Ihr glaubt nicht, wie erleichtert ich war! Das Thermometer zeigte inzwischen 39 Grad und wir machten uns auf den Weg. 

Schließlich wurde ich aber dann doch von der Gynäkologie auf die Innere verlegt, da man mich hier besser aufgehoben sehe. 

Die Aufnahme war wieder was für mich, da nach kurzer Zeit eine ältere Dame mit Pneumonie eingeliefert wurde, die dann im selben Zimmer, der Aufnahme, lag wie ich, nur von einem Vorhang getrennt. Ihr müsst euch meinen Blick vorstellen, ich liege da, halb nackt, weil man meine Aufnahme wegen der Dame unterbrochen hatte, mit meinem Mundschutz und gegenüber von dir brodelt es bei jedem Atemzug. Panik! Ich fragte mich, wie ansteckend eine Lungenentzündung wohl sein mag so als Chemo Patient, und versuchte mich zu beruhigen. Das EKG, was kurz darauf gemacht wurde, wird sicherlich wieder tachykard gewesen sieh (Herzrasen). 

Die Aufnahme dauerte gefühlte Stunden, die Ärztin hörte mir jetzt nicht so wirklich zu, fragte mich dauernd Dinge, die im Bericht standen, den ich ihr gegeben hatte. Aber nun gut. Sie nahm mir Blut über Porti ab, der wieder ganz brav im Liegen gut was gab. Sie legte Blutkulturen an, telefonierte, erfragte meine Blutwerte und meinte schließlich: „Nee, sie braucht keine Isolation. – Frau L., Sie haben Fieber, weil die letzte Chemo gerade voll anschlägt! Ich könnte weinen vor Glück. Ihre Werte sind alle super!“ 

Ich lag da und hätte los heulen können. Aber konnte es unterdrücken. Schließlich kam ich noch zum Röntgen, und dann, gefühlte Jahre später, ging es aufs Zimmer. Und man meinte gleich, ich bekäme dennoch ein Einzelzimmer, die letzten Monate seien ja schon turbulent genug. 

Nun liege ich hier, kratze leider weiterhin alle zwei bis vier Stunden an der 39 Grad-Marke, bekomme intravenös Paracetamol und wir warten mal ab. Ich habe ja doch noch etwas Sorge, dass ein Infekt durchbricht. Die andere, von der Ärztin genannte Variante, wäre mir natürlich lieber. Auf jeden Fall ist alles Antibiotika abgesetzt, ich werde umsorgt, gehegt und gepflegt, mir wird zugehört und meine Sorgen werden ernst genommen. Jeder fragt nach meinen Kindern und wie alt sie seien und ist schockiert, wenn ich berichte, dass Mick ja zeitgleich zur Diagnose kam. 

Ich bin ja (leider?) nicht gläubig, aber das Marienstift ist ein evangelisches Krankenhaus. Aber hier hören die Leute zu, haben Verständnis, immer ein offenes Ohr. Also wenn ich je noch mal Fieber bekomme – ich möchte nur noch hier hin. Trotz aller Umstände bin ich sehr glücklich und fühle mich gut aufgehoben. 

Verzeiht die wohl katastrophale Formatierung, einziger Wermutstropfen ist nämlich, dass die Klinik Probleme mit dem WLAN bzw. der Passwortvergabe hat. Also habe ich mir in ca. 20 Minuten WordPress fürs Handy runter geladen (hatte ich erst letzte Woche deinstalliert hrhr). Aber ich wollte doch meine Blog-Leser und Nicht-Facebook-Freunde informieren. Und euch natürlich allen einen guten Rutsch wünschen. 

Mein Fazit 2016:
Es fing schlimm an mit der Schwangerschaftsübelkeit, diejenigen von euch, denen HG was sagt, können in etwa nachvollziehen was ich meine (auch wenn ich das Erbrechen ja unterdrücken kann dank Phobie). 
Der Sommer gestaltete sich entspannt und ruhig, der Bauch wurde dicker und meine größte Sorge war der geplante Kaiserschnitt. Dass dies meine kleinste Sorge werden würde, konnte niemand ahnen. 

Nach der Brustkrebs-Diagnose am 11.07. sorgte die Geburt von Mick am 12.07. dennoch dafür, dass dies nicht das schlimmste Jahr meines bisherigen Lebens wurde. 
Meine Kinder geben mir unendlich viel Kraft, Jörn unterstützt mich, uns, wo er nur kann und ich ziehe meinen Hut vor ihm, was er die letzten Monate alles gemeistert hat mit Schichtarbeit, Haushalt und Kindern. Wir sagen es viel zu selten zueinander, aber dann auch ehrlich: Ich liebe dich Jörn! 
Und ihr, die mich begleitet, meinen Blog kommentiert, meine Jammerei ertragt. So viele von euch haben mich mit Karten und Geschenken bedacht, mich im Messenger nach meinem Befinden gefragt oder mir Mails geschickt.  
Euch allen möchte ich für dieses Jahr danken, ihr habt es dennoch zu etwas besonderem gemacht, ein unvergessliches Gefühl, wenn sich Menschen um dich sorgen, die du größtenteils nur aus dem Internet kennst. 
Den Jahreswechsel werde ich nun im Krankenhaus verbringen, die Nacht über und auch jetzt kratze ich immer wieder an den 39 Grad und wir warten mal ab, ob nicht doch ein Infekt schuld sein könnte. Mein Onkologe überlegt schon, die achte Runde Chemo ausfallen zu lassen, aber trotz aller Strapazen könnte ich das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, denke ich. Ich habe sechs Runden geschafft, da werden mich zwei weitere auch nicht mehr töten. 
Euch allen einen guten Rutsch in ein hoffentlich schöneres, fröhlicheres Jahr, feiert so, wie ihr es möchtet. Mir kommt der ruhige Wechsel sehr entgegen, Silvester kann ich nicht ausstehen. 
Viele Grüße aus dem weltbesten Marienstift-Krankenhaus von Chemonica und nochmals danke, danke, danke!

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