Erst hatte ich kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu…

Hallo, meine lieben Leser!

Na ja, die Überschrift ist wohl etwas übertrieben, aber manchmal fragt man sich wirklich, was denn bitte noch schief gehen soll. Aber beginnen wir von vorn:

Am Samstag, den 14.01., bekam ich, nachdem ich „doof“ auf mein Kaugummi gebissen hatte, leichtes Zahnpuckern. Keine direkten Schmerzen, aber auch nicht zu ignorieren. Das Pochern kam von einem der beiden Zähne, die ursprünglich überkront werden sollten. Na ja, sie sollen es immer noch, wir waren auch kurz davor, ich hatte sogar schon die Hälfte angezahlt bei meiner Zahnärztin – aber dann kam die Diagnose und sie entschied, dass wir das Vorhaben auf unbestimmte Zeit verschieben. Klar, ich hatte ja dann auch andere Sorgen. Und solange die Zähne ruhig bleiben, wollten wir auch nichts unternehmen.
Nachdem ich nun seit 19.12.16 keine Chemo mehr erhalte, dachte sich mein Körper wohl, dass es ohne irgendwas zu langweilig sei. Am Sonntag ereilte mich dann dasselbe Spielchen (ich kann aber auch echt nicht mehr ohne Kaugummi!). So rief ich Montagfrüh in der Praxis an und durch einen glücklichen Zufall, nämlich dass jemand abgesagt hatte, könne ich am selben Tag um 15:00 Uhr kommen. Okay. Doof, aber – hey, endlich mal wieder Auto fahren, juchuuuh! Man muss ja unter allem Doofen auch immer das Positive sehen, nech?
Ich schrieb also meine Mutter über Facebook an, ob sie bitte nachmittags auf meine beiden Mäuse aufpassen kann. Denn Jörn hatte Spätschicht und musste mittags los. Sie schrieb mir, dass sie wahrscheinlich gegen einen Schnupfen ankämpfe, aber sich ja einen Mundschutz aufsetzen und dennoch runter kommen könne. Oha, nee danke, alles gut. Also würde ich die beiden Schnuffis eben mitnehmen, sind ja beide soo pflegeleicht, alles halb so wild. Und – hey, Auto fahren. Juchuuuhhhhhh!
Jörn war derweil mit Mick bei seiner Kinderärztin zur U5. Wenigstens da ist alles in Ordnung, Mick entwickelt sich prächtig und mit seinen 74 cm und genau 10,0 kg müssen wir uns auch keine Sorgen um eine Unterernährung machen 😀 (Und wir fanden Romy damals schon moppelig, hihi). Jedoch hatte mein Phobie-Hirn schon wieder totale Angst, dass die beiden Noro, Erkältung, Grippe oder ähnliches mitbringen könnten. Und konnte kaum mehr an was anderes denken.
Jörn fuhr anschließend weiter zum einkaufen, allerdings wollte er meinen Wagen nehmen, damit er wieder bewegt wird. Der Gute (der Audi, nicht Jörn) wird ja nun dieses Jahr stolze 20 Jahre alt, aber sieht für sein Alter echt noch gut aus:

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Wenige Minuten, nachdem Jörn los zum einkaufen war, hörte ich plötzlich seinen Diesel wegfahren. Aha, hatte er doch keine Lust, mein Auto frei zu kratzen, hehe. Dann klingelte mein Handy. Jörn war dran. Und er sagte hässliche, mir den Tag versauende Worte: „Dein Auto springt nicht an. Batterie leer.“ Nicht schon wieder! Erst letzten Monat mussten wir die Batterie, die gar nicht soo alt ist, laden. Aber klar, der Wagen wird ja kaum noch bewegt. Ein Mal die Woche kurz 2 km zum Einkauf tingeln reicht dem alten Audi nicht. Ich dachte nur: *nicht jugendfreies Schimpfwortrepertoire bitte einfügen*! Und mir war schon mächtig zum heulen. Also heulte ich. Und heulte. Sehr zum Unverständnis von Jörn, ihm war es ganz lieb, dass ich mit dem Taxi zur Zahnärztin muss, da er mich dann sicher unterwegs wisse. Danke, Arsch. Er hatte nicht verstanden, dass so eine popelige Autofahrt von schätzungsweise fünf Minuten ein winzig kleines Stück Normalität in mein trostloses nur-noch-in-der-Wohnung-hocken-müssen-Leben gebracht hätte. Wenn auch nur kurz, es wäre so gewesen. Dazu die Angst vor möglicher Erkrankung, was sich ja erst noch herausstellen würde. Zudem hatte ich die Nacht davor, ich saß noch am Laptop, plötzlich einen richtigen Anfall von Angst gehabt. Keine Panikattacke, aber so in die Richtung. Mir wurde heiß, und meine Kehle schnürte sich zu. Ich hatte mal wieder das Wort „Langzeitüberlebende“ gelesen. So nennt man die Frauen, die die fünf-Jahres-Hürde überlebt haben. Was sind bitte fünf Jahre? Ich möchte so alt wie möglich werden. Meine Kinder aufwachsen sehen. Ihren Hochzeiten beiwohnen. Vielleicht sogar meine Enkelkinder kennenlernen.
Also heulte ich, und es tat gut. Zumal mir einfiel, welches Datum wir hatten: 16.01.2017. Das sollte eigentlich der Tag meiner letzten überstandenen Chemo sein, wochenlang hatte ich diesem Datum entgegengesehnt. Bis das Fieber kurz vor Silvester alles zerstörte.

Ich rief Hayo, den Taxifahrer, an und bestellte zu 14:40 Uhr einen Wagen. Fühlte sich alles nach Mittelfinger-Montag an. Normalerweise wäre ich zu Fuß gegangen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich Hin- UND Rückweg mal eben so problemlos schaffen würde, man darf seine wenigen Kraftreserven echt nicht unterschätzen. Elender Mist, früher musste ich mir um sowas gar keine Gedanken machen.

Jörn fuhrt mittags zur Arbeit und wir verbummelten den frühen Nachmittag. Und dann waren wir pünktlich draußen und ich verfrachtete beide Kinder und dann mich ins Taxi. Amüsant war die Fahrerin, die mich fragte, ob sie wenden und die Straße runter fahren solle, oder ob wir andersherum fahren wollen. Das hätte einen ziemlichen Umweg bedeutet und sicherlich einiges mehr an Kosten für mich. Ich dachte erst an einen Scherz und sah sie irritiert an, aber merkte schnell, dass sie es ernst meinte – und bat sie bitte zu wenden… Ich bin selbst nicht die allerbeste Autofahrerin, aber kann mir die Aussage leider nicht verkneifen, dass sie echt wie eine Frau fuhr…

Egal. Wir kamen sicher und pünktlich an der Praxis an und das Ein- und Ausladen der Kinder dauerte gefühlt länger als die Hinfahrt selbst. 7,30 € kostete mich der Spaß. Für einen Weg von 1,5 km (laut Google Maps). Meine Laune sank in den Keller. Mein Geld gebe ich lieber für meine Kinder aus und nicht für überteuerte Taxifahrten, seufz. Na ja, egal.
Nachdem alle Leute, die nach mir kamen, aber vor mir dran kamen, war auch ich endlich an der Reihe. Und binnen weniger Minuten hatte ich eine provisorische Füllung, die nun einige Monate halten soll und die Kronen machen wir, sobald ich durch den ganzen Strahlen-Chemo-Mist bin.

Anschließend warteten wir gefühlte Ewigkeiten, bis Hayo uns abholen kam. Ich wäre gern zu Fuß gegangen, aber nicht mit einem 10,0 kg-Kind plus Maxi Cosi. Also verwarf ich den Plan schnell wieder und wartete geduldig in der Eiseskälte. Romy tänzelte derweil fröhlich Spuren in die drei Flocken Schnee und schwärmte mir abends unmittelbar vor dem Einschlafen noch davon, wie toll es draußen gewesen sei. Klar, sie ist ja nur noch selten draußen, ich schaffs aktuell noch nicht und sie geht ja nunmal seit Anfang Dezember nicht in den Kindergarten. Da war sie täglich draußen. Das arme Häschen 😦 Ich gelobe Besserung, aktuell geht es mir ja auch besser. Noch. Hrhr.
Als wir vor der Tür parkten, fragte mich Hayo, was Marlies (aha, so hieß die gute Dame auf der Hinfahrt) denn genommen habe. Ich nannte ihm die 7,30 € und er meinte „na dann gib mir fünf Euro, ich hab die Uhr aus gelassen“. In dem Moment aber merkte ich seine schniefige Stimme und dachte mir nur „Hayo, Alter, nicht dein Ernst, hast du etwa eine Erkältung?“, griff blitzschnell zum Portemonnaie, drückte ihm meinen letzten Zehner in die Hand und meinte „nee, nee, behalt mal“, ich wollte kein schnodderiges Wechselgeld, sondern nur raus. Ich schnappte mir meine Kinder und meine Laune war endgültig im Eimer. Ein Zwanni weg, das letzte bisschen Selbstständigkeit eingebüßt, danke Kälte, danke Autobatterie, danke saudummer Tag.

Der Tag ging dann langsam zu Ende – endlich. Ich hatte die Schnauze voll. So spielte ich noch etwas „Stardew Valley“ am PC und strickte noch ein paar Runden. Und dann war der Tag endlich geschafft.

Gestern dann hatte ich meinen Faulen und heute Morgen ging es zur Blutbildkontrolle zur Praxis Lorenz. Ich wurde wieder mächtig belächelt wegen meinem Mundschutz, dieser halte ja nicht alles ab, bla blubb. Aber ehrlich? Das Ding beruhigt mich ungemein. Draußen hustet und niest gefühlt jeder und Magen-Darm scheint jetzt in Braunschweig herum zu gehen. Klar weiß ich, dass es keine Garantie gibt. Aber ich wusste bis vorhin ja auch meinen Leukozyten-Wert nicht und da ist es mir sicherer, wenn ich zumindest ein klein wenig mehr Schutz habe. Und dass es so kalt ist, spielt mir hervorragend in die Karten: So kann man nämlich Handschuhe tragen und muss keine ekligen Fahrstühlknöpfe oder Taxigriffe oder Türklinken begrabbeln 😉 Ja, ich klinge schon wie Hanka Rackwitz (siehe Dschungelcamp, das wohl jeder außer mir guckt?), aber ich mag diverse Sachen einfach nicht. Türklinken anfassen, Fahrstuhlknöpfe, öffentliche Toiletten. Sind Dinge, die brauche ich echt nicht.

Ich musste eine Weile warten und wurde dann endlich aufgerufen. Eisen 11,1, Leukozyten 3,6 (vor einer Woche 11,4/3,3). Karo war ganz zufrieden, Leukozyten seien leicht gestiegen, Eisen sei auch im grünen Bereich, und nahm mir etwas mehr Blut ab, da der Eisenspeicher jetzt noch mal überprüft wird.
Wie immer: Jeder sagt was anderes. Hatte Dr. Lorenz mir Freitag noch gesagt, ich bekäme zwei Mal Eiseninfusionen, danach würde das Blut kontrolliert und wenn der Eisenspeicher dann noch nicht voll genug sei, würde man zwei weitere Infusionen veranlassen. Also auf jeden Fall zwei, maximal vier Infusionen. Karo sagte mir dann vorhin aber, sie nehme nun Blut ab, es würde kontrolliert und sie meldet sich morgen telefonisch bei mir, ob ich Freitag überhaupt zur zweiten Infusion muss. Als ich ihr sagte, Dr. Lorenz mir sagte, entweder zwei oder vier Infusionen, kam nur ein „Schatz, wir gucken, okay?“. Hm, klar Schatz, wir gucken. Aber hört auf, mir immer was anderes zu sagen. Ich werde noch bekloppt, glbb glbb.

Wir waren im Labor durch, Karo verabschiedete mich und ich flitzte Richtung Fahrstuhl. Da hörte ich plötzlich Frau L. von der Anmeldung, die sagte: „Frau L.? Sie müssen aber heute noch zum Doc rein, das wissen Sie?“ Ich: „Ach, wirklich? Wieso weiß ich davon nix?“ und wurde gebeten, nochmals im Wartezimmer Platz zu nehmen. Gnah! Und ich saß da… und begann zu überlegen. Oh Gott, wieso will er mit dir sprechen? Oh mein Gott, was Schlimmes? Die Frau an der Anmeldung lächelte auch kein Stück, nix. Hey komm, bleib ruhig. Er hat dich Freitag nur kurz gesehen, vielleicht möchte er nur wissen, wie du die Eiseninfusion vertragen hast oder so. Wird schon nix sein.
Eine Weile später kam Karo am Wartezimmer vorbei, sah rein, guckte mich an und meinte „Moni, du sollst noch zum Doc rein, das weißt du, ne?“ – und sah auch total ernst aus. Mir wurde richtig warm, ich sagte nur „ja, darum bin ich noch hier.“ Dann hörte ich sie zu Frau L. an der Anmeldung sagen „hast du Moni noch aufgehalten, ja?“. Und ich bekam langsam echt Angst. Malte mir aus, was sein könnte. Ob Blutwerte nicht in Ordnung seien? Oder… Oh mann, mir gingen Gedanken durch den Kopf. Wurden schneller und schneller, wie ein Hamster, der in meinem Kopf sein Hamsterrad hat und aufgeregt darin rennt. Wenn ich diesen Hamster mal erwische, knall ich ihn an die Wand, jawohl!

Gefühlte drei Millionen Stunden Wartezeit später (in Wirklichkeit waren es 15 Minuten oder so?) wurde ich endlich aufgerufen. Und dann kam die Erlösung: Im Rahmen der Studie (an der ich ja nicht mehr teilnehmen kann, aber dennoch fehlen noch Abschlussuntersuchungen) müsse er einen Ultraschall bei mir vornehmen: Follikelzählung. Moah, puh, uff. Aber konnte man mir das nicht vorher sagen? Mein Kopfkino also völlig umsonst. Und da fiel mir ein: Na toll! Ich hatte peinlicherweise nicht geduscht, mich „nur“ gewaschen. Aber ihr könnt euch ja vorstellen, dass man bei sowas eben lieber duscht und nicht nur zum Waschlappen greift. Aktuell ist es aber an gewissen Stellen des Körpers bei mir sehr kritisch bei mir. Es reißt alles ein, die Haut ist rissig, trocken, es juckt, tut weh, brennt… Da mache ich nur so viel wie nötig, alles andere ist eine Qual.
Ein kurzer Ultraschall später und ich weiß nun, dass meine Eierstöcke friedlich schlafen, klar, meine letzte Periode hatte ich im November. Und wo keine Eierstöcke arbeiten, da werden auch keine Hormone produziert, was meine plötzlichen Kälte- und Hitzewallungen erklärt. So kenne ich mich gar nicht. Im ersten Moment friere ich enorm (okay, DAS kenne ich), und im nächsten Moment reiße ich mir meine zuvor angezogene Jacke auf und reiße mir den Schal vom Leib. Schön, Chemonica in den Halbwechseljahren, ächz! Na ja, muss ich durch, nech? Auch meine neuerdings dümmlichen Pickel auf der Stirn könnten von der hormonellen Umstellung herrühren. Na gut, hab ich wenigstens eine Erklärung. Auch fühle ich mich schon doof, weil ich dachte, dass die Wehwehchen und gefühlten Nebenwirkungen unmittelbar nach der Chemo auftauchen und nicht erst einen Monat später. Aber Dr. Lorenz konnte mich beruhigen, der Körper merke sich einiges und jeder reagiere anders, manche Körper seien auch „nachtragender“ 😉

Aber dann kamen wir aufs Thema Anschlussheilbehandlung, weil ich fragte, wo ich diese nun beantragen müsse, damals hieß es, das mache ich bei der Strahlentherapie. Mein großes, größtes Ziel nach der Therapie, die AHB. Ans Meer fahren mit Mann und Kindern. So wie man es mir im Krankenhaus damals schmackhaft gemacht hatte. Dass mein Mann als Begleitperson mitkommen könne, weil Mick ja noch so klein sei. Und da sagte Dr. Lorenz etwas, das mich wie ein Blitz durchzuckte: „Eine Anschlussheilbehandlung ist in Ihrem Fall jetzt nicht mehr möglich.“ Ich glaube, in dem Moment zuckte nur mein rechtes Augenlid kurz, der Rest von mir erstarrte. Tränen stiegen in mir auf…

Aber er erklärte schnell weiter: In meinem Fall sei eine AHB nicht möglich, da ich ja jetzt erst die Strahlentherapie mache und danach noch zwei Chemotherapien. Eine AHB muss aber zwei bis sechs Wochen nach Therapieende angetreten werden. Das hieße aber in meinem Fall, dass ich zwei Wochen nach der letzten Chemo los müsse. Undenkbar und sehr riskant, könnte bei mir ja wieder Fieber auftreten. Und so wären diverse Therapieprogramme, Heilmaßnahmen usw.nicht möglich, weil ich noch viel zu geschwächt sei. Gut, hat er Recht. Er erklärte weiter, dass ich in dem Fall eben die Reha beantragen könne. Es seien im Grunde nur unterschiedliche Namen. Und nächstes Jahr hätte ich auch noch Anspruch auf eine. Okay, die möchte ich gar nicht, denke ich. Denn die müsste ich dann wohl auch ohne Kinder antreten, und dann kommt sowas für mich nicht in Frage. Das wäre weder Heilung noch Erholung für mich, eine Reha ohne Kinder. Drei Wochen ohne sie, boah ich würde umkommen, niemals freiwillig!
Ich solle aber die Reha schon beantragen, also in der Klinik anrufen, die Plätze seien immer schnell ausgebucht. Ich solle mal googeln oder Karo fragen, die kenne sich aus.
Wir verabschiedeten uns und ich flitzte Richtung Fahrstuhl. Karo brauchte ich nicht fragen, ich wollte daheim in der Klinik anrufen.

Ich hüpfte noch schnell mit einem Rezept für Micks Hautsalbe in die Apotheke, die die Apotheke erst anrühren muss, und rief mir dann ein Taxi. Daheim angekommen sagte Jörn mir, Frau K. von der Krebsnachsorgestelle habe angerufen. Juchuh! Sicher wegen dem Schminkkurs, der nächste Woche wieder stattfindet und den ich schon zwei Mal absagen musste. Alle guten Dinge sind drei, nicht wahr? Ich rief sie also an, bestätigte meine Teilnahme und fragte sie gleich wegen den Anträgen auf Reha, AHB und so. Sie gab mir die Nummer der Klinik.

Ich rief dort an und die Frau dort erklärte mir, dass Männer/Väter eigentlich nie als Begleitperson von der Krankenkasse bewilligt werden. Ich schluckte. Aber mein Mann könne gern als Selbstzahler mitkommen, ich schluckte wieder. Nur 56,- pro Tag, da sei aber alles inklusive, Vollpension, Kurtaxe, er könne das Schwimmbad und den Fitnessraum nutzen, und, und, und. Drei Wochen. Mal 56 Euro. Meine Kinnlade suchte ich unterm Schreibtisch.
Nach dem Telefonat fing ich das Heulen an. Romy kam zur mir, fragte was los sei und tröstete mich mit einem „arme Mami“ und streichelte mir über den Rücken. Mein Traum Reha, AHB, ans Meer fahren, wie auch immer, schien gestorben zu sein. Mein großer Traum, das Meer sehen, Seeluft, Erholung, Urlaub, Entspannung, andere Umgebung, Sonne, frische Luft… Das alles schien weg zu sein. Ich schrieb Jörn, der inzwischen einkaufen gefahren war, dass der Traum gestorben sei. Warum gestorben? Die Klinik betreut Kinder von 1 bis 12 Jahren. Aber ich weiß, dass ich Romy und Mick NIEMALS in fremde Betreuung geben könnte. Also klar, Romy geht in den Kindergarten (normalerweise), aber

Als er heim kam, stellte er sich vor mich hin und sagte „na dann fahren wir eben so in den Urlaub“. Aber ich war so traurig, das große Ziel X, mein Durchhalteziel der letzten Monate, war weg. Er wollte dann nähere Informationen und ich sagte ihm, dass es 56,- kosten soll, aber dann inklusive allem. Da sah er mich an, zuckte mit den Schultern und sagte „ja, das ist doch ganz günstig? Wir haben letztes Jahr für eine Woche Nordsee ja fast mehr bezahlt“. So hatte ich das noch gar nicht gesehen.Er winkte ab, für ihn stellt das kein Problem dar. Gut, ER verdient auch. Ich bin „nur“ zuhause. Ich habe noch ein Sparkonto, das hätte gerade noch so viel hergegeben. Aber wenn das leer ist, habe ich nichts mehr. Und auch keinerlei Einnahmen, um es wieder aufzufüllen. Von daher war das Thema gleich erledigt, als die Dame mir diese Auskunft am Telefon gab.

Jörn ist aber positiv gestimmt. Wir kriegen nun die Anmeldeunterlagen zugeschickt, und Frau K. von der Krebsnachsorgestelle bot mir schon ihre Hilfe an, ich könne zum Ausfüllen auch gerne einen Termin mit ihr vereinbaren.

Also stellte ich das Heulen langsam ein, und warte jetzt einmal ab, was die Unterlagen so sagen. Ich freue mich nicht zu früh, eventuell kommt ja noch der große Knall. Aber ich möchte meine Kinder durch Jörn betreut wissen, nicht durch fremde Personen. Klar kann Romy auch gerne an diversen Programmen teilnehmen, sofern sie es möchte. Mick wird dann ein Jahr alt sein und Romy fast fünf. Es wäre übrigens diese Klinik.

So, meine lieben Leser, genug Jammer- und Heulerei für heute. Mein Sohn fängt aber gerade damit an, er hat nämlich Hunger. Also verabschiede ich mich schnell und sage: Bis zum nächsten Mal!

Bis bald – Eure Chemonica!

 

 

 

 

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

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