Strahlentherapie: Glücksstrahlen?

Guten Tag, liebe Leser!

Heute Vormittag also war ich zur Besprechung der Strahlentherapie. Nachdem meine Autobatterie keine Lust mehr hatte zu funktionieren, haben wir ihr ein Wellness-Wochenende am Ladegerät spendiert. Nun sprang mein Auto auch wieder an, na ja, etwas zickig klang er schon, aber Kälte mochte mein Audi noch nie.

Ich bekam auf dem Klinikgelände den letzten Parkplatz (Mann, hat das Spaß gemacht, mal wieder Auto zu fahren!) und setzte mir den Mundschutz auf. Ich hielt mich schon etwas für hypochondrisch, aber ich habe die Ausnahmen, Komplikationen, Infekte, Fieberanfälle und Co. satt und will wenigstens die Strahlentherapie möglichst ohne Komplikationen hinter mich bringen. Ich ging zu dem Gebäude, in der ich die Strahlentherapie vermutete, hatte schon vorab im Internet recherchiert. Jedoch ist die Kombination aus Mundschutz, vier Grad minus und Brille keine gute und so beschlugen meine Gläser immer und ich musste nah an die Tür ran, um lesen zu können, was dran stand. Ha, richtig. Ich ging hinein, suchte die Anmeldung und nach einem Fehlversuch fand ich dann auch die richtige Abteilung.

Ich wurde mit einem Fragebogen ins Wartezimmer entlassen und nach einiger Zeit wieder aufgerufen. Dann ging es in einen anderen Wartebereich, in dem ich wieder saß und warten musste. Endlich ging die Tür auf und mich begrüßte eine total erkältete Ärztin und ich war meinem Mundschutz so dankbar. Inzwischen hat man sich so Tricks angewöhnt wie die Tasche in dem Moment eben in der rechten Hand zu halten oder so, um ein Händeschütteln zu vermeiden. Ja, haltet mich für pingelig. Aber gerade Ärzten gebe ich echt ungern die Hand. Denn nicht alle nehmen es mit der Hygiene so genau. Und nachdem ich die Ärztin vorher noch kräftig schnauben hörte, sah ich davon ab, ihr als Grußform meine saubere, gesunde Hand anzubieten, und beließ es bei einem netten Lächeln, was sie, wie mir dann einfiel, ja nicht wirklich sehen konnte dank Mundschutz. Aber war mir dann auch egal.

Sie klärte mich schließlich über die grobe Vorgehensweise auf. Morgen habe ich einen Termin zum CT, es werden die Gebiete eingezeichnet, die bestrahlt werden, ich bekomme nochmals Blut abgenommen usw. In der Bestrahlungszeit darf ich nicht baden (praktisch, haben wir ja leider keine Badewanne), und ich soll den Bereich eben nicht abschrubben. Sie klärte mich über mögliche Nebenwirkungen auf (von Lungenentzündung bis Entstehung eines neuen Tumors usw.) und betonte mehrmals, dass bei mir von Höhe Schlüsselbein und seitlich bestrahlt wird. Und es klang so, als sei das was ganz seltenes, hm. Ich hoffe, ich hab mich da nur geirrt. Aber eine andere Wahl habe ich eh nicht. Die Haut wird auf jeden Fall gerötet sein und für den Bestrahlungszeitraum auch bleiben, es kann zu Reizungen kommen, oder dass die Haut rissig wird, ich soll aber erst handeln, wenn es akut wird, nicht vorher schon hier eine Creme und dort eine Salbe nutzen.

Abschließend sah sie sich noch meine Haut und die Narbe an und dann war ich auch schon wieder an der Anmeldung, um mir die von der Ärztin erhaltene Überweisung abstempeln zu lassen. Damit erhalte ich wieder den Beförderungsschein, kann also künftig wieder Taxi fahren.

Morgen um 14:15 Uhr geht es erneut hin und am 31.01.17 geht es dann los. 28 Bestrahlungen seitlich und Schlüsselbein und 8 zusätzliche Bestrahlungen mit höherer Intensität (Boost). Wenn ich richtig gezählt habe, wäre mein letzter Bestrahlungstag dann der 21.03.2017. Das ist gefühlt noch Ewigkeiten hin 😦 Und der Gedanke, da jeden Tag hin zu müssen, nervt mich ja schon etwas. Aaaaber es ist ein weiterer Schritt in Richtung Normalität, also alles gut. Nur hätte ich nicht gedacht, dass man irgendwann so ungeduldig wird. Und DANN muss ich ja noch mal geduldig sein, denn dann gibt es ja noch zwei Chemos. Aber dann…

Heute Morgen habe ich noch herumtelefoniert, letzte Woche nämlich erhielt ich die Unterlagen für die Klinik Ostseedeich in Grömitz, in der meine Reha stattfinden wird. Anbei sind drei Zettel, die von Ärzten ausgefüllt werden müssen. Einer für mich, auszufüllen von meinem Onkologen, und zwei für meine Kinder, die ihre Kinderärztin ausfüllen muss. Nervig, aber muss wohl sein. Also muss Jörn am 09.02. mit den beiden Mäusen zur Ärztin, die diese Zettel ausfüllen muss (bei Mick kann man da nicht viel ausfüllen, er ist noch Bettnässer, hat Sprachstörungen und keine Kindergartenerfahrung…).
Und um eine Psychotherapeutin habe ich mich gekümmert. Ja, eure Chemonica, von euch betitelte Superheldin, ist leider gar keine. Ich merke, dass ich an meine Grenzen stoße. Je näher sich das Therapieende nähert, desto größer ist meine Angst vor der Normalität. Keine Blutwertkontrollen mehr, und die Angst, schon bald nicht mehr zu leben, wächst und wächst. Ich habe nunmal die aggressivste Brustkrebsform (triple negativ) und ich hatte befallene Lymphknoten. Das alles darf ich nicht außer Acht lassen und manchmal kriege ich regelrechte Hitzewallungen und mir schießt es die Tränen in die Augen, wenn ich nur daran denke, nicht mitzuerleben, wie Mick laufen lernt oder wie Romy eingeschult wird. Ich denke, eine seelische Unterstützung wird mir gut tun, zumal ich mit Jörn über das ganze Thema nicht reden kann. Und ich will mit meinen Leuten darüber auch nicht reden. Keiner würde von denen je sagen „ja, kann sein, dass du bald stirbst“. Natürlich wird das keiner tun, denn sie haben alle mindestens genauso viel Angst wie ich. Ich brauche jemanden, der das Ganze objektiv sieht, meine Ängste versteht und mir beibringt, mit ihnen umzugehen. Denn auch jede Nachuntersuchung wird wohl der Horror schlechthin.
Es gibt Tage, an denen kann ich ganz gut reflektieren und meine Angst, ja, was? Unterdrücken? Hinnehmen? Besser mit umgehen. Und an anderen Tagen möchte ich nur weinen und mir die Decke über den Kopf ziehen. Da saß ich kürzlich abends da, strickte, die Kinder schliefen, Jörn war zur Arbeit. Und dann fing ich an zu weinen und dachte nur „wozu strickst du den Pulli für Mick denn noch? Du bist doch eh bald weg.“ Und dann meldete sich eine kleine, sarkastische Stimme in mir und sagte: „Na wenn du so denkst, dann beeil dich mit stricken, dass der Bub den Pulli noch kriegt, bevor du abdankst.“
Seit Chemo-„Ende“, die ja letztlich nur eine Pause ist, habe ich zu viel Zeit zum nachdenken, die Nebenwirkungen sind fast alle weg und es schleicht sich fast etwas wie Normalität ein, bis auf dass ich nach wie vor nicht einkaufen bzw. großartig raus oder unter Leute gehe. Aber es geht mir gut, ich bin körperlich wieder belastbarer (aber mir taten vorhin tatsächlich die Beine weh nach dem Autofahren).

So, und wieder genug gejammert für heute. Jetzt räume ich mal etwas auf, mache meinem Ningel-Söhnchen eine neue Windel und werfe mir ein zweites Paar Socken über, Eisfüße sind nämlich echt eklig.

Bis bald – eure Chemonica!

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

2 Kommentare zu „Strahlentherapie: Glücksstrahlen?

  1. Wie schön dass ich durch Béas Blog auf dich gekommen bin. wobei…entschuldige bitte, schön ist in diesem Zusammenhang irgendwie merkwürdig. an anderer Stelle wäre es vermutlich besser gewesen. wie auch immer…Danke für deinen blog und deine erfahrungen. auch wenn ich mich ja quasi auf der anderen Seite befinde und unsere Situation eine Andere, aber irgendwie auch ähnliche ist, kann ich soooo gut mit dir mitfühlen. Ich mag deine art zu schreiben, so kraftvoll und mutig. Ich finde im übrigen nicht dass du jammerst, wenn du das tätest könnte ich deine Zeilen hier gar nicht lesen. Ich bewundere dich, von ganzem Herzen.

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