Strahlentherapie

Hallo ihr Lieben!

Heute möchte ich euch die Strahlentherapie ein wenig näher bringen:

Am 23.01.2017 ging ich zum Besprechungstermin in die Strahlenklinik des Klinikums Celler Straße in Braunschweig (siehe Glücksstrahlen).

Und am 31.01.2017 war es dann soweit:
Ich hatte zwischenzeitlich die Verordnung auf Krankenbeförderung bei meiner Krankenkasse genehmigen lassen und so holte mich mein Taxifahrer Marius pünktlich ab und lieferte mich direkt vor der Automatiktür ab. Ich ging den Gang hinunter und vor mir tauchten drei Türen auf. Tür 1, Tür 2, Tür 3, auch so beschriftet. Ich musste unweigerlich an „Geh aufs Ganze“ denken und dachte, haha, früher war der Zonk hinter einer der Türen.
Ich hatte beim Besprechungstermin einen Laufzettel bekommen:
Laufzettel.jpg
Auf diesem Zettel wird jeden  Tag nach der Bestrahlung der neue Termin für den nächsten Tag eingetragen (montags bis freitags). Terminwünsche bzw. Zeiten, die berücksichtigt werden sollen, soll man möglichst früh genug und schriftlich angeben – hab ich gemacht…

Zwischen zwei der drei Türen hängt ein kleiner weißer Kasten, in den man seinen Laufzettel steckt. Es gibt einen Wartebereich mit einem großen TV an der Wand, hinter jedem Wartestuhl ist eine Buchse und ein Lautstärkeregler, man kann einfach seine eigenen Kopfhörer mitbringen und so TV hören/sehen. Bisher hatte ich jedoch noch keinerlei Wartezeit und so musste das ZDF auf mich als Zuschauer verzichten.

Irgendwann also öffnet sich eine der drei Türen (und es war tatsächlich kein Zonk dahinter – eine Reise, ein Auto oder eine nigelnagelneue Wohnzimmereinrichtung jedoch auch nicht) und man wird hineingerufen. Man schließt die Tür hinter sich ab und macht den Oberkörper frei und kann anschließend direkt durch zum Gerät.

So sieht das Teil aus:
Linearbeschleuniger_7.jpg

Oben an der Decke kann man vielleicht noch diese beleuchteten Deckenfliesen erkennen (gibt es die eigentlich in vielen Krankenhäusern?) Hier das Motiv blühender Kirschbaum oder so (bin nicht so der grüne Däumling). Dasselbe Motiv konnte ich in einem anderen Krankenhaus immer bewundern, wenn ich am CTG hing und den Herztönen meiner Tochter lauschte.

Man legt sich dann auf die Liege, jedoch wird der Kopf auf so einem harten Kissen gelagert mit einer Aussparung für den Kopf und einem Knauf darüber, an dem man sich festhält, also Arme über den Kopf hält. Die Beine liegen auch auf einem festen Untergrund mit Vertiefungen drin, damit die Beine auch bequem und gleichzeitig „wegrutschsicher“ gelagert sind. Die erste Bestrahlung dauerte etwas länger. Am 23.01.17 war ich ja zum Planungs- und Beratungsgespräch und dort wurde ein MRT angefertigt. Aus diesem MRT wurde dann anhand von Physikern(!) und Ärzten genaue Winkel und Daten berechnet, in welchem Winkel der Laser künftig auf mich einprasseln wird. Daher auch die Woche Zeit zwischen Planung und erster Bestrahlung. Bei der Planung wurde ich mit rotem Edding voll gemalt und darüber bekam ich weißes „Endlospflaster“. Ich hatte noch nie Probleme mit Pflastern, aber dieses Zeug musste ich nach einem Tag wieder von meinem Körper rupfen, ich habe mich dumm und dusselig gekratzt. Hatte nur leider zur Folge, dass trotz allem Aufpassens und nicht Schrubbens meinerseits dennoch der eine oder andere rote Edding-Strich nahezu unsichtbar verblasste. Aber die MTAs haben ja geschulte Augen und binnen weniger Sekunden und kitzelnder Einzeichnungen später war mein Oberkörper erneut voller frischer, diesmal tiefschwarzer van-Gogh-Zeichnungen. Na ja, bei mir sieht es eher aus wie ein verunglückter „der Schrei“, wenn man sich die Striche inklusive Brust vorstellt…

Jedenfalls weiß ich jetzt, dass so eine doofe Tumor-Narbe, die ja an einer saublöden Stelle, nämlich halb in der Achselhöhle, sitzt, nach zehn Minuten unbeweglichen Arme hochhaltens, echt spannt und wehtut. Ich hoffe, sie macht mir im Laufe der Bestrahlung keine größeren Probleme.

Aber die folgenden Bestrahlungen gehen ziemlich schnell. Man wird also aufgerufen, schließt von innen ab, macht den Oberkörper frei, geht zum Gerät, legt sich hin, wird noch in der Liegeposition korrigiert, kurzer Smalltalk. Dann geht es los, die MTAs verlassen den Raum und das Ufo über einem fängt an, seine richtige Position einzunehmen. Es fährt nach links, surr, brrr, ssrrrzzzz, piiieeeeeep und aus den Augenwinkeln kann ich links und rechts kleine Ampeln sehen. Diese leuchten dann kurz grün und dann rot. Und in dem Moment, wo die Ampeln rot leuchten, surrt es im ganzen Raum – und man weiß, was in dem Moment passiert. Aber man sieht, riecht, schmeckt, fühlt nichts. Nach vielleicht 20 Sekunden fährt das Ufo dann weiter zu seiner nächsten Position, verharrt dort wieder, die Ampeln leuchten kurz grün auf, dann rot, es surrt und piept wieder. Das passiert drei oder vier Mal und schon kommen die MTAs wieder herein und befreien mich aus der etwas unbequemen Position. Sollten bis zum nächsten Tag Striche verblassen oder verschwinden, werden diese am Folgetag nachgezeichnet. Heute, am Freitag, bekomme ich jedoch Pflaster drüber. Denn die Gefahr, dass etwas übers Wochenende ganz verblasst, ist zu groß. Und da ich das weiße Pflaster nicht vertrage, bekomme ich durchsichtiges. Das hält auch anständig und ich kann mal wieder ohne Angst duschen gehen.

Anschließend hüpfe ich fröhlich in die Umkleide, ziehe mich an, mein Laufzettel wurde inzwischen mit einem neuen Termin wieder in die Kabine gelegt und ich kann frohen Mutes wieder raus, Taxi suchen oder Taxi anklingeln, damit er mich wieder abholt. Und dann habe ich den restlichen Tag frei.

So, wo wir beim Thema sind: Es ist 15:30 Uhr, und mein Laufzettel verrät mir, dass ich in einer halben Stunde Glücksstrahlen verpasst bekomme.

Advertisements

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s