Der Alltag hat mich komplett wieder!

Hallo meine lieben Leser!

Na, kräftige Chemonica-Entzugserscheinungen? Oder genießt ihr einfach diese entspannte, wohlige Stille von der Frau der nicht wenigen Worte?
Tja, sorry, ich grätsch da mal kurz rein…
Im wahrsten Sinne – denn ich fange einfach mal schlichtweg mit dem besten Thema an: Ich habe am Montag mein Geburtstagsgeschenk meines Mannes einlösen können! Jahaa, fleißige, treue Leser wissen, was ich meine: Richtig, die Depeche Mode Konzertkarten!

Und dabei wäre es fast nie dazu gekommen: Ich hatte die Karten nämlich noch gut zwei Wochen bei Ebay und in einer Flohmarktgruppe bei Facebook zum Verkauf drin, da mir mein Bauchgefühl sagte, ich soll es sein lassen (ganz schlimm war das Gefühl einen Tag vor dem Anschlag in Manchester 😦 ) und ich traute mir von der Kondition her absolut nicht zu, auch nur die Stadt zu verlassen, geschweige denn ein Stadion zu betreten. Das hatte ich meinem Mann vor einiger Zeit unter dicken, dicken Tränen gebeichtet und wir entschlossen uns zum Ticketverkauf und es brach mir das Herz. Er nahm das sehr nüchtern… „joa, sag Bescheid, dann kann ich meine Urlaubstage wieder canceln“, hatte er sich eigentlich zwei Tage frei genommen.

Aber in zwei Wochen kann sich, so wie es scheint, eine Menge ändern. Täglich verfolgte ich die Entwicklung bei Ebay, es standen so abartig viele Karten zum Verkauf. Ich denke ja immer noch, dass sich ganz viele Leute Tickets geholt haben, weil sie spekuliert haben, sie würden sie kurz vorher mit viel Gewinn verhökern können, und haben sich ziemlich gründlich verkalkuliert. Bei Depeche Mode sollte das auch – eigentlich – fast immer möglich sein. Aber eben auch nur eigentlich, denn Hannover hat sofort ein Zusatzkonzert gebucht. Tja, doof für mich, denn ich hätte letztlich meine beiden Karten, für die wir 205,80 € bezahlt haben, für maximl 100,- € verkaufen können, zum Schluss gingen sie noch günstiger weg, es gab wesentlich mehr Angebot als Nachfrage, was man an den vielen leeren Plätzen im Stadion und Innenraumbereich auch deutilch sehen konnte.
Von Tag zu Tag kam jedenfalls mein Dickkopf durch und ich dachte „Mist, entweder du pinnst dir hier bald zwei Tickets im Wert von über 200,- € an die Wand, die dich täglich daran erinnern und auslachen, wie dich der scheiß Krebs kaputt gemacht hat, oder du kneifst die Backen zusammen und erfüllst dir deinen lang gehegten Traum!“ Und so horchte ich täglich abends immer leise in mich hinein, nachdem ich einen weiteren anstrengenden Alltags-Tag geschafft hatte, an dem ich mich z. B. nachmittags nicht hinlegen konnte, oder der eben einfach sehr mühsam und vollgestopft mit Terminen, Einkäufen, Touren mit den Kindern war. Und ich sah, dass ich es schaffte, auch wenn ich abends natürlich platt war. Und dem Krebs keine großen Gedanken mehr gönnte. Und irgendwann fragte ich meinen Mann so ganz vorsichtig, was denn wäre, wenn ich doch zum Konzert wollen würde, da er ja am Konzerttag und den Tag danach arbeiten müsse. Er winkte aber ab, dass das kein Problem sei. Hmmm, ich ging weiter in mich… Und bis zum letzten Tag überlegte ich hin und her, ob ich das wirklich machen soll, mir das zutraue. Mir schossen Fragen durch den Kopf:
Wo parken wir? Wie weit muss ich laufen? Schaffe ich das? Wie laut wird es? Wann müsste man losfahren? Schafft meine Mutter das mit unseren beiden Kindern allein (wir gehen ja sonst echt nie weg!) Was wenn wir schwindlig wird oder ich umkippe (trotz Sitzplatz)? Wie voll wird es sein? Was darf man mitnehmen? Uuund sooo weiter. Ich bin ja ein absoluter Kopfmensch und mache mir um alles und jeden Scheiß Gedanken. Wie war das? Sorgen sind wie Nudeln: Man macht sich immer zu viel davon. Passt!

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Wer noch mehr erfahren will, darf sich gerne meinen Konzertbericht durchlesen 🙂

Was gibt es sonst Neues von der Chemonica-Front? Noch vierzehn Tage bis zur Reha (Aufreeeeguuung!), morgen steht die U6 mit Mick an, mein Babybär ist gar nicht mehr so ein Baby, schniefheulseufz, nächsten Monat feiern wir seinen ersten Geburtstag.

Vorhin habe ich mir dann noch ein Rezept vom Arzt geholt, mein rechter Arm, also die betroffene Seite, macht leider seit einigen Wochen Ärger. Mir tut der Ober- und Unterarm weh sowie der Handrücken. Morgens ist alles schön, aber nach kurzer Zeit fangen die Schmerzen an und sind abends am stärksten. Klar, hab ja auch dann genug getan. Jeder sagt mir, ich soll den Arm schonen. Witzig, wie denn? Rechtshänder, mein Sohn findet selbst krabbeln noch doof, er zieht sich lieber überall hin. Ich tätige Einkäufe, fahre Auto, und stricke, stricke, stricke. Also nix schonen, nöff. Na ja, ich habe dann manuelle Lymphdrainagen verschrieben bekommen, aber witzigerweise tut mein Arm bisher einen Tag später mehr weh als vorher. Und neuerdings kriege ich wahnsinnig schnell blaue Flecke an beiden Armen. Normal? Oder sehe ich wieder Gespenster? Werde auf jeden Fall bei meiner Gynäkologin fragen, da habe ich am 20.06. meinen ersten offiziellen Nachsorgetermin. Vielleicht stimmt ja doch was mit meiner Gerinnung nicht, wäre natürlich Mist. Aber ich bleibe mal flauschig, oooommmmm… Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich den Kompressionsärmel mit zur Reha nehmen kann, weiß nicht, wie schnell so eine Anfertigung dauert. Erfahre ich wohl morgen, nehme ich an.

Eine neue Sonnenbrille habe ich mir auch noch gegönnt, dürfte langsam mal fertig sein, nicht wahr Herr/Frau/irgendwas Fielmann, ähem?! Kontrolltermin beim Augenarzt ergab zumindeset, dass mein eines Auge sogar besser geworden ist und das andere gleich geblieben. Na bitte, hätte ja schlimmer kommen können. Aber im September soll ich nochmals hin, da möchte man den Augenhintergrund ansehen, ob die Chemos da Schaden hinterlassen haben. Argh, dann kriege ich diese widerlichen Tropfen, bah! Na ja, hab ja schon Schlimmeres überstanden, nech?

Hm, auf Anhieb mag mir nichts Gravierendes einfallen, mit dem ich euch nun weiter langweilen könnte. Also verabschiede ich mich mal wieder und hoffe, dass es euch in der Zwischenzeit gut ergangen ist.

Bis bald – bestimmt, nein, hoffentlich finde ich während der der Reha etwas Zeit, mich hier mal zu melden, sollte ich es vorher nicht schaffen.

Eure Monica

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016). Am 11.07.2016 warf mir die Diagnose Brustkrebs gehörig einen Knüppel zwischen die Beine (G3, triple negativ, 2,5 cm, 4/10 befallene Lymphknoten etc.) und aktuell setze ich - hoffentlich - alles Machbare ein, um wieder krebsfrei zu werden.

2 Kommentare zu „Der Alltag hat mich komplett wieder!

    1. Hallo Monica,
      Ich hab jetzt innerhalb von 2 Tagen deinen kompletten Blog gelesen. Ich hab geweint,gelacht, mitgefiebert und daumen gedrückt.
      Ich freu mich sehr das du die Chemo hinter dir hast und wünsche dir nur das beste. Ich würde mich freuen ab und an was neues von dir zu lesen 🙂
      LG Jenny

      Gefällt 1 Person

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