Um den 06.07.2019 herum: Wirrwarr

Die nächsten Tage… Tja. Sollte ich diese beschreiben. Bunt. Gummibärchen. Die sich zu (schönen!) Knochen wandeln. Große Hallen, Freundlich. Nichts bedrohlich. Friedlich. Ich weiß, dass ich sehr oft dachte „Hauptsache, meinen drei Mäusen geht es gut. MIR geht es nämlich gut. Sie brauchen sich nicht sorgen. Alles toll hier.“ Heute weiß ich, dass es meinem Mann in dieser Zeit so beschissen ging wie noch nie.

Was noch? Sooo viele Gedanken! Was davon Fiktion ist und was Realität? Ich weiß es leider nicht…

Auch jetzt erst weiß ich, dass ich am 04.07.2019 eingeliefert würde. Der Tag der OP war der 05.07.2019 und am Samstag, den 06.07.2019 durfte Jörn mich dann besuchen, nachdem ich 30 Stunden geschlafen habe. Welch unglaublich schlimme Zeit das für alle gewesen sein muss – ich kann es nicht mal erahnen. Nach der OP habe ich Jörn wohl auch mehrmals angeschnauzt, dass er bitte vom Urinbeutel steigen soll (dazu sei gesagt, dass ich da noch gar keinen hatte!). Und dass ich dauernd gelacht habe, als Jörn seinen Kopf zum Weinen ablegte. Abartige Vorstellung, so im Nachhinein.

Vom meiner Schwester Nina erfuhr ich noch, dass sie wohl noch eine Schwester (Sister B. vermutlich) abends unter Tränen angerufen hatte und viele Grüße ausrichten ließ. Davon weiß ich leider nichts, hoffe aber, dass mich die Grüße irgendwie erreicht haben.

Dann erinnere ich mich an Herrn H., Patient. Er lag im gleichen Raum wie ich, Trennwand. Sie redeten, manchmal war er alleine und ich hörte ihn telefonieren, vermutlich mit seiner Lebensgefährtin. Und ich habe in Erinnerung, dass er sagte „… Ich war noch“ – tja, ich kriege den Begriff nicht mehr zusammen, war es „Bronchiales“ geholt“? Ich hatte eine Hirn-OP, ich passe… 😀

Irgendwann hörte ich, wie sich Türen öffneten, Herrn H. wurde die Diagnose mitgeteilt: Lungenkrebs.
Irgendwann hörte ich ihn spucken und habe noch genau den Ton dieses Vorgangs im Ohr. es donnerte irgendwas in den Mülleimer…? Stichwort: Harte Würste…? Hörte von einer Ärztin Dinge wie „Teer-Erbrechen“, hörte, dass sie von dem Bild sprach „schauen Sie, wie eine Treppe, die ist wichtig“, und wurde (wie ich bisher immer noch nur mutmaßen kann) automatisch raus gefahren. Erinnerung verschwimmt.

Die weiteren Zusammenhänge sind unklar, ich hätte gedacht, dass wir eine Nacht im gleichen Zimmer lagen, kann aber so nicht stimmen und damit kann ich nicht viel mehr berichten, da mein Hirn scheinbar mit den Erinnerungen und Einbildungen miteinander verbunden war. Ich würde sagen, ich habe ihn extrem laut schnarchen gehört und es hat mich sehr gestört. Ich wurde aber immer wieder um das Zimmer herum gefahren – MEINE ich. Aber ob dem so war? Denn tatsächlich erinnere ich mich auch an einen anderen Raum, in dem ich gebadet wurde. Da schliefen auch Leute im Hintergrund (das mutmaßte ich, weil ich mehrere Menschen schnarchen hörte), es war so anstrengend und ich hatte die Augen immer zu. Erinnere mich aber an so viele Dinge. Soooooo skurril alles!

Ich erinnere wieder unglaublich viel „Fahrerei“. Rein, raus, weg. Irgendwie nie Ruhe. Erinnere Personen, die versuchten, lautlos miteinander zu kommunizieren, damit ich nicht die Augen öffnete. Was sich schon total doof liest, WEIL meine Augen auch geschlossen waren! Wenn ich sie mal versuchte zu öffnen, erinnere ich nur kleine automatische „Luftzufächeler“, aber ob es DIE tatsächlich gab? Auch hier muss ich passen.

Dann erinnere ich mich an Patientin Frau B., Vorname etwas mit A am Anfang. Erinnere mich, dass Frau B. irgendwann gespuckt hat, man sagte was von „diese Drainage wurde ja gar nicht geöffnet, vermutlich hast du deswegen gespuckt?“, sehr verwirrend für mein Hirn. „Schwester“, so nannte man sie hier überall. Aber ob sie nur so genannt wurde, weil sie Krebs hatte (glaube Eierstock? Oder Gebärmutter?), das kann ich nicht beurteilen. Da war ich auch schon immer irgendwie draußen. Einmal ums Zimmer. Wobei ich wieder betonen muss: Ich fürchte langsam, dass es gar keine fahrende Betten gab? Oder doch? Ich werde es nie mit Sicherheit sagen können. Außer ich traue mich jemals einmal, jemanden zu fragen, was genau ich mir erträumt, halluziniert oder was tatsächlich passiert ist.

Dann erinnere ich mich, dass eines Tages „die Schwester“ in ein Einzelzimmer kam. Dafür kam Patientin Frau Ph.. Eine Frau, vermutlich 55. Denke ich. Sagte sie jedenfalls. Ob sie wirklich so alt ist? Keine Ahnung. Denn auch sie hatte eine Hirn-OP. Und dann gab es Patientin Frau R., 63 Jahre, mit der ich später im Zimmer 68 landete. Das war dann im IMC. Ich nehme an, dass ich vorher woanders gelegen haben muss. Aber wo genau? Auch hier – keine Ahnung. Jörn erzählte mir zum Beispiel auch, dass im IMC Zimmer anfangs zwei Männer lagen. Davon weiß ich überhaupt nichts.

Die Tage krochen zurück zu mir. Langsam, aber sicher.
Übrigens:
Ich traf Frau Ph. kürzlich auf dem Flur und sie nannte mich Frau Wasserburg. Sie hatte noch mit neurologischen Aussetzern zu tun. Sie liegt, soweit ich weiß, noch im IMC, ich ein Zimmer weiter.

Die Zeit zog ins Land, ich wurde fitter. Ich konnte zwar alles bewegen. Arme, Beine, hatte etwas Kopfschmerzen, aber alles gut soweit, aber ich durfte noch nicht aufstehen, wurde überwacht, dauernd Blutdruckmessungen, Infusionen, immer piepste irgendwie was und das hat mich so genervt alles. Ich war so müde…

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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