Donnerstag, 10.07.2019: Krebs 2.0 – mindestens…

Hallo allerseits!

Tja, man hatte mir am 10.07.2019 mitgeteilt, dass ich ein sogenanntes Plattenepithel im Kopf habe. Ursprünglich vernutete man, dass der Tumor in meinem Kopf eine Tochter vom Mammakarzinom aus 07/2016 war. Diese Vermutung bestätigte sich leider nicht. Der Tumor in meinem Kopf war eine Metastase, aber der dazugehörige Primärtumor ist bis zum heutigen Tag (Stand: 25.07.2019, 03:10 Uhr) noch immer nicht gefunden!

Geplant ist ein Staging, bestehend aus:

11.07.2019 ÖGD (Gastroskopie)

12.07.2019 CCT Thorax

15.07.2019 Dermatologie

16.07.2019 Gynäkologie

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass unser gekitteter Brustkrebs-Scherbenhaufen mit einem SO lauten Knall explodierte, dass man nichts, aber auch nichts mehr hätte retten können.

Ich kontaktierte Jörn umgehend, er kam sofort vorbei und wir gingen in den Aufenthaltsraum, in dem eine Frau saß, die ich mit einigen Tagen Abstand so unglaublich gerne verprügeln möchte. Bis heute! Und das meine ich toternst! Zu verlieren habe ich ja nun rein gar nichts mehr. Wir grüßten einander und jedenfalls hörte sie mir nur sehr kurz zu und dann klagte sie, als Jörn zur Toilette ging, und auch als er widerkam, ihr Leid. Jaaahaaa, ihr müsst nun sehr, sehr tapfer sein, meine Lieben. Oder es ist einfach diesem Tag geschuldet, an dem man mir mitteilte, dass da irgendwas in meinem Körper los ist, was ganz und gar nicht gut ist, wenn man dies mit 36 Jahren erleidet. Aber diese Frau, Ende 60 vielleicht, hatte eine „Stinalkanalstenose“. Jaaaa, richtig, diese Frau konnte ihre eigene Diagnose nur falsch aussprechen, nein, ich habe mich nicht verschrieben. Und diese hätte ja jedenfalls seeehr wehgetan. Sie könne ja nichts machen, alles tue so weh… Und dann hätte sie ja Bettnachbarn, das seien Türken und die seien ja sooo laut, und das da an der Wand, das sei ja die Wirbelsäule… Jörn drückte dauernd meine Hand und ich versuchte, ihn ruhig zu halten. Wir hielten tapfer durch.

Gefühlte Jahre später nahm sie sich endlich ihr Heft und beschloss – natürlich auch laut kommentierend – zu rätseln. WIR WAREN FREI! ENDLICH! Wir, ja, wir waren durch. Rangen mit den Tränen, Gedankenkreisen, Notfallplan, Kinder aufwachsen sehen = größter Wunsch… Alles und noch mehr. Während Madame Mim ihr Rätsel löste. Irgendwann kam endlich ihr Lebensgefährte dazu und Jörn und ich hatten die große Hoffnung, dass sie nun endlich mit ihrem Liebsten reden und nicht weiter große Ohren machen würde… Und vermutlich war eine Äußerung von Jörn und/oder mir dann genug, denn ziemlich plötzlich verabschiedeten sie sich. Ich erinnere mich wirklich nicht genau, ob ich eine flappsige Äußerung über eine STINALKANALSTENOSE machte… Es war uns inzwischen aber auch egal geworden, dafür war die gesamte Lage einfach viel zu ernst und ich spürte, dass ich die Kraft nicht mehr aufbringen konnte.
Jörn und ich schlichen Richtung Frau B., der Ärztin, die wir glücklicherweise auf dem Flur trafen und die Jörn nochmals in Kurzform erklärte, wie es weitergehen soll. Auch beim zweiten Mal hatte ich große Probleme, der Frau zu folgen, es war einfach zu viel Information, ich war aber leider auch nicht in der Lage, sonderlich sinnvolle Fragen zu stellen. Also sagte ich eigentlich gar nichts. Sie war leider auch sehr kurz angebunden, weil das gesamte Gespräch mit uns im Zimmer stattfand, also konnten Frau R. und Frau P. alles mit anhören. Tolle Planung. Nicht.

Kurz darauf verabschiedete sich Jörn dann und ich, ja was? Ich blieb zurück. Jörn fuhr. Wir wollten füreinander da sein, reden, grübeln, fassungslos sein, weinen, handeln, waeten… Geht aber alles nicht mit zwei Kindern.

Ich ließ mir eine Tavor Tablette (Schlafmittel) geben, ich war durch. So traurig. Verzweifelt. Verletzt. Schon wieder. Dritter Jahrestag Brustkrebs folgte am kommenden Tag. Ich scheine die Neigung zum Drama zu haben, fiel das alles auf den dritten Brustkrebs-Tag und dazu eigentlich in eine Zeit, in der wir eine Woche an die Nordsee fahren wollten. Das fiel natürlich auch komplett aus. Da hatten wir schließlich noch sehr großes Glück, da die netten Vermieter uns das Geld (bis auf eine Aufwandspauschale von einigen Euro) zurückerstatteten, weil sie eine Familie fanden, die sehr kurzfristig anreisen konnten. Liebe Familie K., nochmals an dieser Stelle ganz herzlichen Dank auch in meinem Namen, ich weiß das so zu schätzen und ich erhoffe mir so inständig, dass ich jemals noch in den Genuss kommen werde in diesem Leben, Ihr Haus erneut zu buchen UND die Anreise – so gesund wie möglich – auch antreten zu können.

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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