Montag, 15.07.2019 – Werde ich hier bald sterben?

Guten Abend, meine Lieben!

Ja, ich weiß, wir waren bei der werten Leserschaft. Aber ich dachte in Anbetracht aller Umstände…

Der Tag heute Früh startete gut. Ich ging zum Waschen, zog mich an, fragte später die Schwester nach Bettzeug, überzog mein Bett selbst, und kippte ab 09:00 Uhr einen Liter Wasser fürs CCT runter, zu dem ich zu 10:00 Uhr abgeholt werden sollte. Frühstück fiel für mich aus.

Zwischenzeitlich besuchte mich die liebe Susanne H., meine ehemalige Kollegin (wir arbeiteten mal im gleichen Schreibbüro), die hier im Krankenhaus arbeitet, und wir erzählten etwas. Leider war ich nur halb bei der Sache, da mich einfach die Sorge nicht los ließ, weil ich nicht abgeholt wurde.

Schließlich gingen Susanne und ich zum Dienstzimmer und ich wurde endlich abgeholt. Frohen Mutes wurde ich zum CCT „gerollstuhlt“ und legte mich auf die Liege. Mein ZVK wurde angestöpselt und dann ging es auch schon los. Schließlich ertönte die Stimme „Kontrastmittel wird gespritzt“ und ich wurde vorher aufgeklärt, dass dabei ein warmes Gefühl entsteht. Alles klar, nicht wild, kannte ich schon vom Brustkrebs.

Das Mittel schoss also ein – plötzlich machte es PLOPP und ich dachte nur „hm? Was war das nun?“. Kurz darauf meinte ich, etwas feuchtes zu fühlen. Hm, ne, Quatsch, reiß dich zusammen, du siehst Gespenster… Dazu sei gesagt, dass ich mich auch nicht bewegen durfte, musste auch auf Ansage des Gerätes immer die Luft anhalten.

Schließlich waren wir fertig und ich durfte aufstehen. Da bemerkte die Schwester (den Namen weiß ich leider nicht) meinen nassen Rücken. Ich fragte, ob überhaupt genug Kontrastmittel IN mir gelandet sei – konnte man mir nicht sagen. Und in dem Moment, als ich aufstand, plumpste ein Stück ZVK ab.

Euer Ernst? Grr! Ja, nun, blöd gelaufen. Man stopfte mir eine Unterlage unters Shirt und meinte, dass ich bitte duschen solle.

Ich wurde auf mein Zimmer zurück gefahren und berichtete dort von meinem Unglück. Fragte, ob mir vor dem Duschen die Fäden gezogen werden könnten – nein, ohne Haare waschen. Na gut.

Ich trottete aufs Zimmer und berichtete Patientin Frau R., meiner netten Bettnachbarin, vom weiteren Unglück. Patientin Frau P. war kurz vor meiner Abholung entlassen worden (schaaade… hust).

Ich ging ins Bad und dusche, kurze Zeit später klopfte es plötzlich. Ich band mir ein Handtuch um und öffnete. Schwester L. stand vor mir, ich solle mich anziehen und ins Bett. Ich habe (bei der neuen ZVK-Legung am Freitag, Micks Geburtstag…) einen Pneumothorax erlitten, also mir ströme Luft in den linken Lungenflügel (oder irgendwie so, bitte Google nutzen für die genaue Diagnostik).

Ich sah sie an, guckte hinunter und meinte nur, dass das nicht wahr sein darf. In diesem Moment kam auch schon Herr Dr. Sch. zu mir, erklärte alles erneut in Kurzform und dass ich nach dem Eingriff aufs IMC zurückverlegt werde.

Ich schloss wieder ab und mir kamen zum ersten Mal seit all der Zeit die Tränen. Ich konnte nicht mehr! Wie viel Scheiße kann ein Mensch ertragen? Werde ich hier noch lebendig herauskommen? Was passiert als nächstes? Wird es immer schlimmer?

Ich trocknete mich ab, zog mich an und kletterte ins Bett. Ich hatte also DOCH recht gehabt. Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dieses Herzklopfen, dieses, ja, dieses ungute Gefühl. Das man mir als „wird schon, gönnen Sie sich Ruhe“ usw. abgetan hatte, und ich spürte Wut in mir. Nix Psychosomatik. Man hatte mich doch „erwischt“. Fuck, Fuck, Fuck!

Ich informierte Jörn, meine Schwester und meine Mutter schnell per Chat und dann ging es auch schon los.

Ich wurde wieder zur Intensivstation gefahren. Das Team war sehr nett und der Eingriff selbst war teilweise recht unangenehm, aber da spielte sicher meine Angst auch viel mit, aber der ZVK-Eingriff war einfach noch viel zu präsent. man zeigte mir auch allzu deutlich das lange, spitze Ding, mit dem man zwischen meinen Rippen in die Lunge vorbohrte. So wie ein großer, dicker Schaschlik-Spieß. Schöner Gedanke. Würg!

Schließlich hatte ich den Eingriff überstanden und das Röntgenbild am Ende zur Kontrolle zeigte einen unauffälligen Befund. Tja, so muss ich das hinnehmen. Wie immer. Ob dem wirklich so sein wird? Bleibt abzuwarten. Wie immer.

Ich landete schließlich wieder im IMC, wo heute alle anderen (für mich neuen) Patientinnen ihre OP hatten. Links von mir lag Frau A., eine ältere Dame, 81 Jahre alt, ziemlich verwirrt, war im Garten gestürzt Kopfverletzung.
Schräg links von mir lag Patientin Frau L. St., ca. Mitte 50, Kraniotomie (wohl ebenfalls nach Hirntumor), sie hatte vor einigen Jahren ebenfalls Brustkrebs. Und gegenüber von mir Heidemarie W., auch Heidi genannt. Diese spuckte eben das dritte Mal (und sie sollte sich noch auf fünf oder sechs Mal steigern, dank Schmerzmittel, die sie überhaupt nicht verträgt), und ganz merkwürdigerweise empfinde ich das als nicht angenehm, aber dann ist auch gut. Ich empfinde bis zum heutigen Tag keinen exrem großen Ekel. Klar, wer spuckt schon gerne? Aber scheinbar ist der Angst-Teil aus meinem Gehirn, tja… entfernt worden? Oder konnte ich durch das erzwungene Erbrechen vor der Operation sprichwörtlich geheilt werden? Keine Ahnung. Jubeln werde ich wohl nie, wenn mal jemand spucken wird. Aber ich kann bisher sagen, dass ich es nun bisher überstanden habe, wenn sich erbrochen wird.

Leider musste ich noch zweimal eine Bedarfsmedikation Schmerzmittel anfordern, aber ich wollte mich schlichtweg nicht weiter quälen. Für wen auch?

Am Nachmittag kam Jörn, der mir berichtete, den Arzt (wen auch immer) ziemlich angeschissen zu haben, was noch alles passieren müsse usw. Ich empfand es fast als etwas unangenehm, aber dachte mir dann letztlich „ach komm er hat eigentlich recht.“ Ich fürchte nur, dass er den völlig falschen Arzt angemeckert hat. Aber war mir dann irgendwo auch egal, wenn ich ehrlich bin.

Er blieb ca. eine Stunde und verschwand kurz vor 18 Uhr. Das Abendessen kam – na ja, leider nicht MEIN Abendbrot. Ja, richtig. Niemand wusste, wo mein Essen war. Jedenfalls nicht hier. Auch im Zimmer nebenan, wo ich bis vorhin lag – nicht aufzutreiben.

Nach einer Weile gab ich mich mit einer Klapp-Käsestulle geschlagen, besser als nix, und versuche nun, den Abend langsam zu beenden. Wieder mal komplett daneben gegangen, der 15.07.2019.

Na ja, EINE gute Sache gab es noch: Herr Dr. O. (der ja wohl hier nur unter seinem Vornamen A. bekannt ist, bla, blickt keine Sau mehr durch) kam zum Fäden an meinem Kopf ziehen. Merkwürdiges Gefühl, so als würde jemand Haare rausziehen. Aber das ging vorüber und ich bekam für die Nacht noch ein Pflaster, falls etwas nachblute.

Nun ist es 20:00 Uhr und ich werde noch den Schieber anfordern, in mir steckt ja noch das getrunkene Wasser vom Morgen. Ein Schieber ist im Grunde ne Bettpfanne. Komischer Gedanke? Allerdings. Aber das ist nun für die nächste Zeit wieder mein Alltag.

So, liebe Leute. Ein Tag geht zu Ende.

Bis bald!

Werbeanzeigen

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s