Dienstag, 16.07.2019 – FREIHEIT!

Guten Abend ihr Hasen,

da bin ich wieder – auferstanden von den, ja, ihr wisst schon…

Der Tag heute hatte es mal wieder in sich. Waschen (lassen), anziehen (lassen), Essen mit Lätzchen und halb im Liegen, Toilette ausschließlich „Pott untern Hintern“, dazu stündlich Messung von Blutdruck, Sättigung, bla bla bla. Komplette Überwachung eben. Muss man nämlich betonen, dass ich BETTRUHE verordnet bekommen habe. Also kein Aufsetzen im Bett, kein Sitzen auf Bettkante, Trinken aus dem Schnabelbecher, für jeglichen Toilettengang den Schieber erbitten, weil man ja nicht aufstehen darf…

Mein Zustand wurde fragiler. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass man nach schätzungsweise 30 Stunden nicht nur seelisch an seine Grenzen kommt. Nein, mir tat einfach inzwischen alles weh. Körperlich. Seelisch. Verwundet. Ich habe noch nie so extreme Rückenschmerzen gehabt. Wieder so auf Anfang gesetzt zu sein ist so unglaublich hart, dass ich es auch hier überhaupt nicht in Worte fassen kann. Aber nix Neues für euch, das weiß ich sehr zu schätzen.

Um 15 Uhr kam die Visite und man erklärte mir das weitere Vorgehen: Röntgen Thorax auf Station, dann Abklemmen der Buelau-Drainage, sechs Stunden Warten (um zu schauen, ob der Lungenflügel aufgerichtet bleibt oder wieder in sich zusammenfallen wird), anschließend erneutes Kontroll-Röntgen. Wenn alles optimal laufen würde, dann würde noch heute der „Gartenschlauch“ gezogen, ansonsten frühestens morgen. Frau Dr. „Shakira“ (in Wirklichkeit heißt sie Sarah… Nachname leider entfallen), so nenne ich sie liebevoll, weil sie tatsächlich so aussieht und einen Akzent hat , der dazu glatt passen würde, erklärte aber gleich ihren Unmut, dass „die Diensthabenden“ das gar nicht lustig finden werden, SIE das Vorgehen eh nicht unterstützen würde, weil die Drainage gestern erst gelegt wurde, sie aber nichts dazu sage.

Ich fühlte Wut in mir aufsteigen. WIEDER einmal wird etwas versaut, durch wen oder was auch immer, aber ich soll weiterhin nett und freundlich bleiben und noch dankbar sein, wenn man mir überhaupt helfen wird. IST DAS EIGENTLICH EUER SCHEISS ERNST?

Komm. Bleib ruhig. Aber ab diesem Zeitpunkt war bei mir dann out of control. Diese Mischung bei mir aus Angst, Zweifel, dass man sich wieder grundlos freut, möchte nicht enttäuscht werden, aber endlich wieder mobil werden… Einfach ein Zustand, den ich mit Worten wieder mal nicht so beschreiben kann, weil er gar nicht tragbar ist für die Außenwelt.

Nachmittags kam Jörn zu Besuch und er hat, denke ich, sehr mit mir gelitten. Jedenfalls brachten wir auch das hinter uns, ich vergnügte mich mit dem Abendbrot (so gut ich es alleine so halt kann, nech) und die Gedanken waren immer bei „der Drainage“. Sollte das heute noch wirklich klappen? Nein. Oder? Was mache ich nur? Ach, lass das mit dem Kopp machen, führt ja zu nix.

21:00 Uhr. Endlich! Und pünktlich kam ich zum Röntgen. Alle waren sehr nett, wir machten zwei Aufnahmen (in zwei Ebenen, also jeweils im Stehen, einmal von hinten und einmal von der Seite) und dann begann erneut das Warten für mich. Dafür durfte ich sogar kurz aufstehen. Ein TRAUM!

Stellt euch vor, es ist Weihnachten. Nur auf eine extrem widerliche Weise. Spielt sich hier gleich – MAL WIEDER – die extreme Enttäuschung ab, oder schlägt das Glück endlich mal zu?

Ich vegetierte anschließend hier vor mich hin und die Minuten schlichen. Letztlich reden wir hier von schätzungsweise einer weiteren Stunde, die ins Land zog. Dass diese aber die pure Hölle ist, brauche ich euch nicht zu erzählen.

Gegen 22:00 Uhr kam dann der Weihnachtsmann. Nur in Gestalt der Ärztin – Frau  Dr. „Shakira“ – die das ganze „OP-Zeug“ bei sich trug. Ich würde nun meine Drainage los bekommen! Ja. JA! JAAAAAAAA!

Ich ließ den Eingriff über mich ergehen, es tat teilweise weh, was aber auch sicher meiner Angst geschuldet war. Es ist aber auch ein ekelhaftes Gefühl, wenn dir jemand einen Schlauch aus dem Lungenflügel zieht. Aber Frau Dr. „Shakira“ machte ihre Sache super, nähte „das Loch“ vom Schlauch (sogar mit zwei Stichen, weil sie noch meinte „ich bin auch eine Frau und eine Narbe braucht man nicht“ und dann – dann war ich FREI! FREI! FREI!

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich mich jemals mehr gefreut habe in meinem Leben. Endlich ist mal etwas geglückt, gut gegangen, hat funktioniert. Meine Freude war grenzenlos, aber meine erste Amtshandlung führte mich auf die Toilette!
Leider wurde ich aber noch sehr enttäuscht: Ich hatte Jörn mein Glück förmlich ins Handy gehackt, mehrmals, habe gejubelt, mich gefreut – aber mein Handy blieb ruhig. Jörn war schlichtweg „zu früh“ eingeschlafen. Dafür kann er nichts, ihn trifft auch überhaupt keine Schuld, aber er war einfach bei diesem monumentalen Augenblick meines Lebens nicht bei mir. Wir haben aber inzwischen kurz geschrieben und alles ist in Ordnung. Ich bin mit meiner Welt im Reinen. Schlichtweg selig.

Ich habe keine Ahnung, ob ich morgen verlegt werde – und es ist mir auch egal. Weil die Freude so ungebremst ist, dass ich wieder mobil(er) sein darf.

Liebe Freunde der Nacht. Das war mein ausführlicher Bericht eines sehr langen Tages. Der aber auch irgendwie endete – und heute so un-fucking-fassbar glücklich! Ich danke für euer Ohr. Bis bald!

Ach so, fast vergessen: Mammo- und Sonographie sind laut Schwester noch nicht bestätigt, ÖGD läuft auch noch nicht. Aber ich bin zuversichtlich und habe im schlimmsten Fall einfach einen Tag frei.

P. S.: Man sucht ja doch nach jeder Fehlerquelle (klar, in meinem Fall müssen wir das ja ohnehin, höhö), aber vorhin setzte wieder meine Periode ein. Aber Sorgen mache ich mir darüber keine, führt ja eh zu nichts.

Gute Nacht!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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