Sonntag, 28.07.2019: Der Panik-Nachmittag

Hallöööö ihr Zuckernasen!

Frau Lauenstein schiebt mal wieder Panik. Warum? Heute Morgen beim Brötchenkauf zwickte es 2x kurz im linken Lungenflügel, zudem hat meine ZVK-Wunde nachgeblutet. Zwei Gründe, dass ich (inzwischen) total in Panik gerate. Ich ging gegen 14:00 Uhr zum Schwesternzimmer, denn glaubt mal ja nicht, dass jemand sich um mich kümmerte, obwohl ich gegen 12:30 Uhr fragen ging. Da hieß es nur „pssst, es ist Visite“ (kann ich hellsehen, oder was?). Ich wollte auch keine Nierenspende, sondern, tja, was? Ein wenig Beruhigung oder es könnte ja sein, dass man sich eher dazu entschließt, ein neues Pflaster aufzukleben oder so. Auch wenn das hier keiner begreifen mag: ICH BIN KEINE KRANKENSCHWESTER!

Gegen 14:00 Uhr kamen Jörn, Romy und Mick und ich wollte nicht, dass sie das mitbekommen mit dem ZVK, also ging ich zum Schwesternzimmer und erklärte mein „Problem“, nämlich die große Angst vor einem erneuten Pneumothorax, oder dass die Lunge eben nochmals einen weggekriegt hat, dass der ZVK weh tue und das eben meine einzige große Schwachstelle sei. Man fragte mich dann, ob ich kurzatmig sei – nein, war ich am 12.07.2019 aber auch nicht. Auch das ganze Wochenende nicht, und nur durchs CCT kam ja heraus, dass da Luft in meiner Lunge ist. Sonst würde ich vermutlich immer noch unwissend damit herumlaufen.

Schwester B. (die „gute“, nicht die Oberzicke) versuchte mich zu beruhigen, dass da sicher nichts sei und dass sie meine Angst aber durchaus nachvollziehen kann. Schwester A. saß daneben und erklärte ihr nur: „Hattest du das eigentlich mitbekommen mit ihrem Pneu? Sie war das ganze Wochenende damit unterwegs und nur durchs CCT kam das heraus. Und dann landete die Arme wieder im IMC.“ Tja ja, ich hoffnungsloser Fall!

Also versuche ich ruhig zu bleiben, soll Schwester B. heute Abend aber nochmals ans Pflaster erinnern und wir schauen dann zusammen, ob das Pflaster noch blutiger ist als vorhin. Aber ihre Mutmaßung ist, dass heute Früh beim Pflasterwechsel (bei Schwester H.) das Pflaster vielleicht an einer Stelle sehr klebte und es deswegen zur Blutung kam.
Zum Abschluss fragte ich sie, für wie bescheuert sie mich hält – von Stufe 0 bis 10 – wenn ich mir die restlichen Haare auch noch abrasieren würde. Sie lachte und sagte „hmm, 12?“, meinte aber, sie hätten erst kürzlich eine Patientin gehabt, die sich vor der OP den gesamten Kopf rasiert habe und sie da kurz dachte „äh, 15?“, aber das auch im Spaß, denn sie bewunderte den Mut.

Okay. Danke. Also Kopf rasieren. Und: Puh, ich will das so gerne glauben mit dem ZVK! Das Schlimme ist eben, dass mir hier niemand weder eine Vigo noch einen Port setzen will. Vigo = zu riskant, dass man was trifft, Port = man weiß ja nicht mal, ob und was genau ich wo habe, da will vorher niemand ran. Es ist es nervig. Aber die Celler Straße könne ja dann entscheiden, wie man weiter vorgeht. Also aushalten und Daumen drücken, dass ich keine Infektion bekomme.

Nun fiel mir gerade nochmals das Thema Armstrumpf ein und Google spuckt dazu Folgendes aus:

  • Gewichtsveränderungen (ab ca. + / – 8-10 kg) -> die habe ich sicher schon überschritten, pfeiiiff…
  • Umfangsveränderungen (kontrollieren Sie Ihre eigenen Maße!) -> aha, hat mir nie jemand gesagt…
  • Therapiepause MLD (nach Ende des Regelfalls etc.) -> habe ich nicht.
  • ermüdete Kompressions-Versorgung (Verschleiß etc.) -> Da die Teile direkt in die Schublade flogen – nagelneu.
  • Nach- und Wechselversorgung (zeitgleich bzw. unmittelbar nacheinander) -> ich habe ohne Nachfrage sofort alles in doppelter Ausführung erhalten.
  • spätestens nach 12 Monaten -> Hoppla… Es war… hm, tja wann? 2017 denke ich mal.

Ergo: Ich muss meinen Hintern womöglich doch mal wieder ins Sanitätshaus schwingen und mir neue Armstrümpfe und Handschuhe besorgen. Aber mal sehen. Erst mal wieder rauskommen hier…!

Morgen zu 15:00 Uhr (ich hoffe etwas früher!) kommt Jörn dann her und wir gehen zusammen ins Arztzimmer. Ich hoffe dringend, dass Herr Dr. K. da sein wird und dass ich einen Großteil meiner Fragen an ihn stellen kann. Ob genauere Nachfrage über Tumorgröße, Langzeitschäden, ggf. andere Sehstärke, CUP-Syndrom, dass laut Google ein Ultraschall der Schilddrüse gar keine Information über Krebs liefern soll… Ich WILL endlich Antworten, die BRAUCHE ich auch. Schwester H. meinte schon, sie werden mich alle vermissen, aber ich sei schon so lange hier und gehöre in die Celler und eigentlich dann auch endlich mal nach Hause. Recht hat sie…

Wir gingen in die Cafeteria und Jörn spendierte uns allen ein Eis, wir suchten uns ein Plätzchen und verdrückten unsere Kugeln und gingen anschließend wieder hoch auf Station. Zwischenzeitlich saßen wir kurz draußen, aber mit meiner doch recht frischen Narbe am Kopf traue ich mich einfach nicht in die pralle Sonne, dann britzelt mir wieder den halben Abend der Schädel, nee nee.

Dann schenkte ich Romy und Mick das Wimmelbildbuch und die beiden schauten es sich mit Freude an, während Jörn mir im Bad die Haare abrasierte. Nun habe ich überall 6 mm lange Stoppeln – und mir gefällt es. Zu verlieren habe ich schon lange nichts mehr und nun wenigstens keinen merkwürdigen Sidecut mehr. Danach ging ich schnell duschen, Stoppeln tun dann doch weh und jucken, kratzen, keine Ahnung. Weg damit.

Danach gingen wir noch etwas in den Aufenthaltsraum, der leider voller Besuch war, also zogen wir auf den Balkon um. Ich hatte meinen Collegeblock mit und Jörn und ich brainstormten noch schnell gemeinsam, was in Micks Wechselklamotten-Kiste soll – denn ab Donnerstag, den 01.08.2019, wird Mick ein „Rasselkind“. Und ich werde es verpassen. Geht es schlimmer? Kaum. Aber er freut sich schon sehr darauf, und das ist das Wichtigste! Romy wird in der Zeit bei ihrer Omi (meiner Mami) bleiben. Auch gut. Nur mit Mittagessen müssen wir schauen, Jörn wird ja nicht kochen können. Aber Mami soll auch nicht… argh, keine Ahnung. Sollte ich mich diesem Problem widmen, oder Jörn nicht ins Handwerk pfuschen? Hm, ich überlege mir das noch. Ich hoffe, wir haben die wichtigsten Dinge notiert.

Danach bekamen meine Süßmäuse von Schwester A. noch je eine Patientenhaube voller toller Dinge. Spritzen, Tupfer, Klemmen… Das volle Programm und beide haben sich sehr gefreut und bedankt!

Dann verabschiedeten sie sich schließlich, nun sind inzwischen sicher alle Drei wohlbehalten daheim angekommen und ich fülle den Blog nun mit den (hoffentlich) letzten Zeilen für heute. Und morgen beginnt eine neue Woche und ich werde all meinen Mut und Energie zusammennehmen und die Ärzte hier nerven. Ich habe zwar Angst vor Umverlegung, neue Patienten, in welchen Bereich ich überhaupt komme…? Aber eine Wahl habe ich schon lange nicht mehr. Also Arschbacken zusammenkneifen und durch, ne? Und die Celler Straße ist viel näher an Zuhause dran als die Salzdahlumer Straße. Ich kämpfe mich also langsam, aber sicher, irgendwie nach Hause – hoffe ich zumindest.

Bis eventuell heute Abend noch, ansonsten morgen in alter Frische!

 

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

2 Kommentare zu „Sonntag, 28.07.2019: Der Panik-Nachmittag

  1. Monica weiter vorwärts! Immer wieder aufstehen so wie Du das machst! 😘 ich lese hier jeden Beitrag und bin gedanklich bei Dir! Und das Rumzicken gewöhnst du Dir zu Hause wieder ab 😀 aber im KH darfst du das! Erlaubnis erteilt von Tina G aus B! Fühl Dich umärmelt

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