Der restliche 01.08./Beginn vom Fr., 02.08.2019

Guten Morgen ihr Lieben!

Abends bin ich immer viel zu kaputt und müde, als dass ich dann noch vollständige Sätze verfassen kann. Aber so geht es ja auch…

Ich verbrachte einen mehr oder minder geselligen Mittag, Nachmittag und halben Abend im Aufenthaltsraum. Manchmal hatte ich meine Ruhe, aber auch sehr nette Gespräche mit mir bereits bekannten Mitpatienten oder leichten Smalltalk. Ich hatte mir vorher meine Stofftasche mit Strickzeug, Laptop/Akku, Handy/Kopfhörer/Powerbank und eine Zeitschrift eingepackt. Mein Not-Set für die einsame Frau…

Praktikantin P. kam zum Mittag mit dem Essenswagen vorbei und verteilte die Gerichte, stellte mir meins hin und meinte „ach, gut, dass du hier bist. Frau W. (also Heidi) bekommt ja gerade ihren Eingriff.“ – „Ihren WAS?“ – „Ach, erzähle ich dir nachher“, lächelte und ging weiter.

Das ganze Essen über dachte ich darüber nach und merkte, wie mir der Appetit verging. Was war hier schon wieder los?

Einige Stunden später hörte ich dann, dass Heidi eine Drainage gelegt wurde – Pneumothorax. Woher kommt mir das nur bekannt vor? Diesen Eingriff hat man direkt im Zimmer vorgenommen. Wirklich gut, dass ich nicht da war…

Heidi klagt weiterhin morgens und abends über Übelkeit (ich mutmaße ja immer noch vom Antibiotikum, da sie einen Harnwegsinfekt hat), und so musste sie sich gestern Abend auch noch übergeben. Ich geriet nicht direkt in Panik, aber schön war das auch alles nicht.

Wie dem auch sei, die Schwester versorgte sie mit einem Zäpfchen (die medizinische Ex-Schreibkraft in mir mutmaßt MCP oder eher Vomex), und schon bald schlief Heidi dann auch. Und ich schlief kurz darauf auch ein – aber mit meiner Tavor, die ich mir kurz zuvor hatte unter der Zunge zergehen lassen. Und ich schlief einigermaßen durch.

Gestern hatte ich aber alles in allem einen sehr, tja, was? Einen traurigen Nachmittag. Ich schloss meinen Technikkram in das eine Fach vom Aufenthaltsraum (meine Güte, was ein Glück, dass da immer ein leeres Fach mit Schlüssel ist, wo ich alles drin einschließen kann). Ich ging gegen 16:00 Uhr noch runter, holte mir in der Cafeteria eine Kugel Eis (für mehr reichte mein Kleingeld nicht mehr aus), und ich wusste, dass mich niemand besuchen würde, und ich setzte mich in die Eingangshalle des Klinikums. Ganz an die Seite, wo ich alles im Blick hatte, aber mich nicht sofort jeder sah. Ich stopfte mir meine Kopfhörer in die Ohren und hörte Rick Astley. Und wischte hier und da eine Träne weg. Mich nervte alles. Das Krankenhaus, die ganzen Untersuchungen, die Schwestern, die Ärzte, dass es immer noch keinen Befund gibt… Und meine Gedanken schweiften wieder zu dem Thema ab, das ich bis heute immer ganz schnell versuche zu verdrängen: „Wie lange habe ich wohl noch?“ Aber den Gedanken ließ ich ganz schnell wieder ziehen, weil der ja mal zu gar nichts führt.

Ich bemitleidete mich noch ein wenig und schlenderte dann langsam wieder Richtung Zimmer. Vorher holte ich meinen Technikkram aus dem Aufenthaltsraum-Fach und trank noch einen Tee. Kurz nach 18:00 Uhr dann ging ich wieder in mein Zimmer, Heidi hatte wieder Besuch von ihrem Mann und Sohn.

Ich stopfte mir die Kopfhörer in die Ohren und hörte „Gefragt – Gejagt“, dann gab es Abendbrot und ich aß lustlos, das heute immer mehr zu werden schien im Mund. So langsam mag ich das alles auch nicht mehr sehen. Aber abends gibt es auch nur wenige Alternativen. Graubrot, Mehrkornbrot, Schwarzbrot…? Eigentlich alles nicht meins. Aber egal. Ich verhungere sicherlich nicht so schnell.

Zwei oder zweieinhalb Stunden nach Heidis AB-Einnahme klagte sie wieder über starke Übelkeit und meinte dann, „ich warne dich nur vor, ich muss kotzen“ und spuckte – das meiste wohl NEBEN ihr „Elefantenkondom“ (so werden diese weißen Spucktüten mit Pappring-Öffnung genannt). Da trifft sie irgendwie NIE rein.
Ich klingelte. Der Rest – siehe oben.

Die Nacht war aber eigentlich ganz ruhig und ich wurde um viertel nach fünf Uhr morgens wach. Ich suchte mir meine Kleidung raus, ging duschen, Zähne putzen, schminken usw.

Gegen 06:30 Uhr kamen beide Schwestern (Schwester L. und Schwesternschülerin Ha.) zu uns, ich bin ja schon fix und fertig angezogen und tippte schon munter in den Laptop. Mir wurde die Temperatur gemessen (37,0) und ich fragte Schwesternschülerin Ha., ob sie mir später noch ein neues ZVK-Pflaster machen könnte. Meins sei vom 28.07. und immer noch gut nachgeblutet. Sie notierte sich das und so bekomme ich nachher sicherlich eine neue Grundversorgung Pflaster.

Jetzt machen sie Heidi gerade im Bad frisch, eventuell bekommt sie ihren Drainageschlauch heute schon wieder gezogen. Nach dem Frühstück haue ich hier aber wieder ab. Jaaa, ich weiß, ich muss die Spuckschale nicht reichen, aber allein meine Anwesenheit bei diesem Vorgang bei einem nahezu mir völlig fremden Menschen erfüllt mich schon mit etwas Stolz, das gebe ich zu. Ich hoffe, ich kann diesen Zustand weiterhin einigermaßen ertragen. Und ich denke, ihr ist es auch lieber, wenn sie „dabei“ alleine ist.

So Freunde, ich melde mich sicherlich später noch einige Male, auch wenn bei mir garantiert heute mal so gar nichts passieren wird. Ich brauche heute mindestens den Aufenthaltsraum. Sonst drehe ich durch hier.

Ach, und bevor ich es vergesse: Gestern war ja Monatswechsel, also neuer Kalendermonat – und hier zahlt man ja PRO Monat. Also darf ich seitdem wieder fröhlich 3,00 € pro Tag bezahlen, um WLAN zu nutzen. Freude. Nicht!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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