Dienstag, 06.08.2019: Meine Psyche schwächelt…

Guten Abend, ihr kleinen Hasen!

Der Tag heute war wirklich wieder absolut grenzwertig – und wer weiß, was noch kommt…

Ich versuche mich mal wieder kurz zu fassen:
Am Vormittag räumte ich das Zimmer, als die Tür plötzlich aufflog und zwei Ärzte hereinkamen, um Kerstin R., meiner Bettnachbarin, eine Schmerzpumpe zu legen, bzw. heute „nur“ den Schlauch – direkt im Zimmer wohlgemerkt! Ein Eingriff, dem ich sicherlich nicht beiwohnen wollte. Mir tat sie aber so leid, ich habe richtig mitgelitten hier im Aufenthaltsraum.

Später schrieb sie mir per WhatsApp, dass die Ärzte weg seien, ich aß noch im Aufenthaltsraum zu Mittag, dann musste ich aber auf Toilette – und das nächste Klo ist gefühlte Kilometer entfernt.
Sie saß am Tisch und aß ihr Mittagessen, puh, ich freute mich, dass sie den Eingriff so gut überstanden hatte (auch wenn sie mir später erzählte, dass das „die Hölle“ gewesen sei – kann ich mir wirklich vorstellen!).

Genauere Details über den Eingriff erspare ich euch und mir an dieser Stelle. Jedenfalls hat sie nun eine Art Infusionsständer, an dem ein Gerät mit einer großen (nadellosen) Spritze hängt, das automatisch 0,2 ml (?) Morphin(?) direkt zentral zum Schmerz (Wirbelsäule) durch einen Schlauch pumpt.
Leider geht es ihr nun nach einigen Stunden nicht mehr sonderlich gut, vorhin klagte sie über Herzrasen, dann Schwindel, nun über Übelkeit. Ich hörte eben nur, dass Herr Dr. Sch. sagte, er wolle die Pumpe nun auf 0,1 ml/Std. stellen.

Ich HASSE mich wirklich für diesen Gedanken, aber scheinbar ist meine Psyche so angegriffen, ich möchte nicht schon wieder dabei sein, wenn jemand spucken muss. Hmm, das klingt nun wieder total dämlich, aber es scheint so, als würde meine Emetophobie gerade wieder heimlich in mein Hirn kriechen, und das WILL ich nicht! Aber ich leide wirklich bei jedem mit, der in meiner Gegenwart spucken muss. Jetzt gar nicht wegen des Vorgangs an sich, sondern weil ich nachfühlen kann, wie übel derjenigen in diesem Moment sein muss. Und solange ich (einigermaßen – danke Fuß!) laufen kann, flüchte ich nun in den Aufenthaltsraum. Danke, blöde Phobie! Du kannst wegbleiben, ich brauche dich nicht mehr!

Der Vormittag zog ins Land, Schwester L. kam zur Blutentnahme (über den ZVK, um die Entzündungswerte über selbigen bestimmen zu können) in den Aufenthaltsraum und erzählte beiläufig, dass der ZVK wohl noch heute Nachmittag gezogen werde, wenn die Laborwerte gut seien.
Ich war perplex – bitte was? NEIN! Ich will den ZVK erst ziehen lassen, wenn das PET-CT gelaufen ist. Einen dritten ZVK überlebe ich definitiv nicht! Und eine Vigo legen will keiner. Port? Fühlt sich auch keiner zuständig so ohne Diagnose.
Also fragte ich erneut nach einem PET-CT-Termin – vergeblich. Nach wie vor ist nichts terminiert, nur angemeldet.

Am Nachmittag kam noch Praktikantin P. zu mir, um sich – in Zivilkleidung – von mir zu verabschieden. Sie fragte, ob sie mich drücken darf – durfte sie! Und wünschte mir alles Gute und ganz viel Glück. Mein 1,84 m großer Engel – ich danke dir für alles! Dein Zuhören, deine Aufmerksamkeit, deine Nettigkeit. Und ich bin SICHER, dass du mal eine hervorragene Ärztin wirst!

Der Nachmittag zog ins Land und ich geriet langsam aber sicher in Panik. Letztlich so sehr, dass ich um Punkt 15:00 Uhr an der Tür zum Arztzimmer klopfte. Herr Dr. Sch. öffnete mir und erklärte gleich, dass er nicht mein zuständiger Arzt sei, wer das denn sei und versprach, zu telefonieren und sich dann bei mir zu melden (und nein, meine zuständigen Ärzte kenne ich immer noch nicht wirklich, professionell von der Klinik, oder?). Er erfragte meine Zimmernummer und versprach, sich gleich wieder zu melden – das tat er auch, Herr Dr. S. käme gleich. Und nach relativ kurzer Zeit kamen beide Ärzte erneut zu mir. Leider musste Herr Dr. Sch. nach wenigen Minuten zur Intensiv-Visite und Herr Dr. S. bekam den Hauptteil meiner Fragen ab.

Meine Fragen: 

  • Frage: Wie sind meine Laborwerte vom ZVK? Ich möchte den ZVK so lange wie möglich behalten, weil der Eingriff SO extrem schmerzhaft war.
    Antwort: Die Werte seien gut. Der ZVK sollte max. 21 Tage liegen, ich sei nun bei Tag 25 (nach meiner Berechnung sogar Tag 26, aber nun gut…). Die Möglichkeit einer Vigo wurden besprochen, aber eben auch das Problem meiner sehr schlechten Venen, die ja schon früher schlecht gewesen sind und seit dem Brustkrebs noch schlimmer. Ich soll morgen Früh bei der Visite unbedingt die Port-Legung erfragen, die wohl unter Vollnarkose stattfinden würde. Sei wohl aber Chefarzt-Entscheidung. Fakt ist, dass ich einen Zugang fürs PET-CT brauche (fürs Kontrastmittel).
  • Frage: Ich habe bisher keinerlei Unterlagen über meine Krankheit. Weder Tumorgröße, noch irgendwelche Befundberichte etc. Kann ich da was vor Entlassung bekommen? Ja auch für meine künftig behandelnden Ärzte usw.
    Antwort: Ja, das könne man machen (wow, tooooll, danke…).

So, also Hauptpunkt morgen Früh: Port-Setzung erfragen. Die Antwort kann ich mir eigentlich schon denken. Gerade die Oberärzte rauschen ja immer extrem schnell rein und wieder raus. Das dürfte abenteuerlich werden…

Ich bin gespannt, ob es morgen einen PET-CT-Termin gibt. Glaubt ihr daran? Ich leider nicht. Zu oft enttäuscht worden.

Als beide Ärzte ins Zimmer kamen, klopfte es nur Sekunden später an die Tür – und Jörn wollte hereinkommen – sah aber die Ärzte und zog sich schnell wieder zurück. Mit ihm hatte ich tatsächlich heute überhaupt nicht mehr gerechnet – umso mehr freute ich mich, ihn zu sehen! Leider konnte er letztlich nicht lange bleiben, da Kim nur eine Stunde Zeit hatte für unsere beiden Kinder. Er schrieb aber noch kurz mit ihr und bekam die „Erlaubnis“, seinen Aufenthalt hier um ein paar Minuten zu verlängern – danke Kim!

Er brachte mir ein paar Sachen mit, nahm Schmutzwäsche mit und wir gingen noch zum (anderen) Aufenthaltsraum und konnten so ein wenig in Ruhe sprechen.

Dann musste er leider los und wir verblieben dabei, dass wir uns schreiben werden, ob und wann er morgen vorbeikommt.

So, nun harre ich immer noch im Aufenthaltsraum aus, habe immer noch irgendwie ein ganz mulmiges Gefühl, wieder ins Zimmer zu gehen, weil ich auch nun überhaupt nicht weiß, wie es Kerstin geht. Fakt ist, dass ich früher oder später zurück ins Zimmer muss. Und dieses Wissen schlägt mir sprichwörtlich langsam selbst auf den Magen. Heißt: Ich esse kaum noch, leide förmlich mit, möchte langsam keine Menschen mehr leiden, spucken, Schmerz fühlen sehen. Es ist eine sooo lange Zeit hier…

Ja, ich weiß: Es gibt sicher einige von euch, die noch viel länger im KH liegen oder lagen, und ich jammere mal wieder auf hohem Niveau. Aber die ganzen Umstände hier sind so komplex, schief gelaufen, falsch terminiert, Nebenwirkungen bewahrheiteten sich leider… Und wisst ihr, was das Schlimmste ist? Dass ich vor lauter Stress hier vor Ort KOMPLETT verdränge, dass ich irgendwo in meinem Körper immer noch Krebs habe – vielleicht? Oder eben auch nicht. Diese Ungewissheit, Angst, Verzweiflung…

Ich darf einfach nicht darüber nachdenken. Ich ertrage es nicht mehr. Es ist zu viel. Viel zu viel.

Bis später oder morgen, ihr Lieben! Drückt mir die Daumen, dass es Kerstin nachher etwas besser geht und ich einigermaßen gut schlafen kann. Und dass es morgen einen PET-CT-Termin gibt!

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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