Montag, 12.08.2019 – Der Tag X?

Hallo und guten Abend ihr Lieben!

Tut mir leid, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich hatte in der linken Hand bzw. am linken Daumenballen einen Zugang, was das Schreiben komplett unmöglich machte, zumal ich diese Hand eben möglichst nicht bewegen sollte, damit die Vene nicht reißt. „Hochgegangen“ ist der Zugang leider trotzdem. Aber der Arzt heute – bei der Bronchoskopie – fand auf Anhieb einen neuen – im rechten Handrücken.

Aber von vorne:

Der Tag begann besch…eiden. Ich hatte starke Kopfschmerzen, große Angst vor dem wohl drohenden ZVK und dem Ergebnis der Bronchoskopie. Vor der Untersuchung selbst hatte ich keine Angst, weil ich wusste, ich würde sediert, wie bei der ÖGD und Koloskopie. Eine Uhrzeit hatte ich nicht – bis der Pfleger hereinkam und meinte, die Untersuchung sei auf jeden Fall noch heute, sie schieben mich mit dazwischen. Oha… :-/

Wenig später kam ein Pfleger herein mit einem Wiege-Stuhl, auf den sollte ich mich setzen – 83 Komma – tja, Nachkommastelle habe ich vergessen, hrhr. Auf jeden Fall scheine ich gut abgenommen zu haben. Leider hat das meinem Körper noch niemand gesagt, denn ich habe einen Bauch wie im sechsten Monat (laut Schwestern wohl vom Piperacillin/Tazobactam, auch das Unwohlsein, Verdauungsprobleme, Völlegefühl…).

Um 07:30 Uhr ging plötzlich die Tür auf und der Transportdienst stand vor mir. „Einmal abholen.“ Umpf, okay. Mist. Ich trug noch mein Nachtzeug (glücklicherweise Shirt und Hose).

Der „Fahrer“ holte einen Rollstuhl und los ging es. Wir fuhren los und kamen in einer Abteilung an, die ich nicht kannte. Hm? Ich schaute das erste Mal genauer auf meinen Zettel. „Lufu“ – hä? Und tatsächlich: Es ging zur Lungenfunktion.

Ich wurde (grundlos) ganz nervös, bekam erst so eine Paste ans Ohrläppchen, dieses wurde ganz heiß. Kurz darauf wurde mir dort etwas Blut abgenommen und ich wurde in den Untersuchungsraum gerollt.

Dort musste ich in einer Kabine in so ein Mundstück pusten, Luft anhalten, tief ein- und ausatmen… Danach bekam ich schon zwei Zettel ausgedruckt und der Transportdienst war schnell da.

Kaum auf dem Zimmer, schon kam meine (schon späte) Antibiose. Die Schwester merkte schon an, dass der Zugang an der linken Hand nach der Bronchoskopie sicher nicht mehr zu gebrauchen sei.

Die Antibiose lief durch und ich wurde nach einer Weile entstöpselt – kam der nächste Transportdienst. KREISCH! Immer noch Nachtzeug an. Na ja, ich konnte ja im Bett liegen bleiben, fragte aber noch, ob ich schnell aufs Klo dürfe. „Ja, aber fix!“

Wir fuhren runter – in die mir nun vertraute Abteilung, in der ich schon die Koloskopie und die ÖGD gehabt hatte: Die Endoskopie.

Nach kurzer Wartezeit war ich schon dran. Man nahm meinen Blutdruck, checkte die Sauerstoffsättigung und plötzlich sagte der Arzt „Haben Sie Knoten am Brustbein?“ Ich, total perplex, überlege kurz, schaue liegend an mir herunter „ach, meine Kette meinen Sie?“, die unter dem eben hingelegten Latz zu erahnen war (meine Kette mit dem Glöckchen). Der Arzt lachte „nein“ und die Ärztin, die am Wochenende bei mir mehrmals Blut abgenommen hat (meist vergeblich), tastete den Bereich ab und meinte „ich spüre hier aber einen“ – bis jetzt habe ich immer noch nicht dort hingefasst…

„Die Bilder haben Knoten gezeigt“ – so oder so ähnlich lautete der Satz, ich war so nervös hatte Angst – hatten die mir soeben des Rätsels Lösung verraten?

Dann ging es aber schon los:
Der Arzt spritzte das Propofol in die linke Hand, also natürlich in den Zugang, dann merkte ich, dass meine Hand nass wurde und die größte Menge Propofol war daneben gelaufen.
Dann nahm der Arzt meine rechte Hand, verpasste mir in Sekunden einen neuen Zugang (wow!) und der linke wurde gezogen.

Dann nahm er die Propofol-Spritze, aber es war nicht genug Propofol für eine ausreichende Sedierung da.

Ich bekam blitzschnell ein Spray in den Mund, das ich schlucken musste, und schon ging es los – ja, ich hatte meine Bronchoskopie bei vollem Bewusstsein. Ich musste etwas husten, aber es tat nicht weh – puh! Es war schon sehr komisch, aber es ging auch recht schnell. Ob alles in Ordnung war? Keine Ahnung. Gutes Zeichen? Schlechtes Zeichen?

Ich wurde nach kurzer Zeit wieder auf Station gebracht und fragte dann nach einem Schmerzmittel, meine Kopfschmerzen waren nicht wesentlich besser geworden. Zwischenzeitlich kam noch Schwester L. und versuchte mir (vergeblich) Blut fürs Labor abzunehmen. Und ich war heute SO extrem nah am Wasser gebaut, dass ich ihr wirklich die Ohren vollheulte. PEINLICH!
Kurz darauf bekam ich ein Schmerzmittel, jedoch kein Novaminsulfon (Metamizol), sondern eins mit P am Anfang. Nein, nicht Paracetamol, sondern ein anderes, ich muss das DRINGEND morgen erfragen. Ich weiß nur, dass ich sofort „wolkig im Kopf“ wurde, als die Infusion lief. Nur war es dieses Medikament oder die Reste Propofol, die noch in meinem Zugang waren?

Als das Schmerzmittel gerade durchgelaufen war, kam dann Dr. D. zur Visite. Und was soll ich sagen? Ich lag scheinbar fünf Wochen auf der falschen Station. Ein SO netter Arzt, ging zu jedem ans Bett, gab einem zur Begrüßung die Hand, erklärte alles ausführlich, beantwortete Fragen – der hat sich richtig viel Zeit genommen für jeden einzelnen. Nix mit: Tür auf, an jedes Bett treten, nicken, nächstes Bett, nicken, nächstes Bett, nochmals nicken und raus (überspitzt natürlich).
Ich war leider ziemlich benebelt, und eben fiel mir siedendheiß eine seiner Fragen, Erklärungen usw. wieder ein: Er wollte wissen, ob ich Metamizol (so heißt der Wirkstoff, auch bekannt als Novalgin oder Novaminsulfon) regelmäßig genommen habe, als ich in der Neurochirurgie lag, oder nur ab und zu. Ich überlegte kurz und verneinte dann, nee, hab ich nicht oft genommen.

Nun sitze ich hier, schreibe und plötzlich denke ich: „Moni, du blöde Nuss – NATÜRLICH hast du Novaminsulfon regelmäßig genommen! Denk nach, Mensch!“ Und tatsächlich. Die letzten Tage vor Entlassung habe ich mal 3x täglich mein „Schnäppsken“ bekommen, mal 1x, eben Bedarfsmedikation…

Okay, Zufall?

2016/2017, Brustkrebs-Chemo. Ich hatte zweimal Schmerzen, bekam Novalminsulfon-Tropfen. Nahm diese zweimal. Landete zweimal im Krankenhaus… Sollte das auch Zufall sein? Leider habe ich bei meinem Medikamentenplan nicht aufgeschrieben, wann ich die Tropfen genommen habe!
Ich glaube, ich habe mithilfe von Dr. D. den Grund gefunden, warum ich wieder hier gelandet bin.
Recherchiert man mal genauer:

Google-Suche „Metamizol Nebenwirkungen“: 
Wegen der seltenen schweren Nebenwirkung Agranulozytose wurde Metamizol in vielen Industriestaaten, vor allem des englischen Sprachraums, aber auch in weiteren Gebieten (z. B. in Skandinavien und Japan), nicht zugelassen oder eine bereits bestehende Zulassung wurde widerrufen. Im deutschsprachigen Raum ist die Anwendung des verschreibungspflichtigen Medikaments hingegen weit verbreitet.

Und weiter:

Bei einer akuten Agranulozytose handelt es sich um eine Störung der Bildung von Granulozyten im Knochenmark, einer Unterart von weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Eine Auslösung durch Metamizol kann in einem sehr variablen Zeitintervall (ein Tag bis mehrere Monate) nach der ersten Verabreichung eintreten. Da die metamizolinduzierte Agranulozytose tödlich enden kann, sind Blutkontrollen und ein Absetzen des Medikaments sofort nach den ersten Symptomen zwingend erforderlich.

Als Symptome können zuerst lokale Infekte mit Halsschmerzen, Schleimhautschäden (Ulzera), Fieber und Schüttelfrost und später eine Generalisierung der Infektion (Sepsis) auftreten. Als Therapie werden – neben dem Ausschalten des Auslösers – Antibiotika und eventuell Granulozyten-Transfusionen oder Stimulationsfaktoren (G-CSF) gegeben. Bei Absetzen des Auslösers ist die Bildungsstörung oft reversibel, in einer relevanten Anzahl von Fällen jedoch nicht oder zu spät. Selbst in Ländern mit hochentwickelter medizinischer Versorgung, wie Schweden und Deutschland, starb nahezu jeder Vierte (23 % und 23,6 %) derer, die unter Metamizol eine Agranulozytose entwickelt hatten. Neben der Agranulozytose kommen auch Fälle mit einer Blutbildstörung (Neutropenie), jedoch ohne klinische Symptome, vor.
(Auszug Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Metamizol-Natrium)

Verdammte Hacke, das Zeug hätte mich tatsächlich nun schon dreimal töten können! Diesen Punkt muss ich SOFORT morgen bei Dr. D. ansprechen!

So, zurück zu diesem merkwürdigen Tag heute:
Nachdem meine Kopfschmerzen und der Arzt weg waren, versuchte ich klar zu denken. Gelang mir aber nicht. Ich aß mein Mittag und ging dann hinaus und telefonierte über eine Stunde mit meinem Mann, und weinte erst einmal eine Runde. Es ist und bleibt alles zum verzweifeln. Aber die Hoffnung stirbt ja als allerletztes…

Den Nachmittag und Abend kriegten wir schließlich auch irgendwie klein, so wie jeden Tag, und nun schläft die eine, die andere löst Tablet-Kreuzworträtsel und die dritte tippt unkontrolliert in ihren Laptop 😉

Nun warte ich auf meine letzte Antibiose für heute (normalerweise 22:00 Uhr, aber durch die Untersuchungen am Morgen kommt die letzte Ladung heute später) und dann werde auch ich mich hinlegen.

Ich wünsche euch einen schönen Abend. Morgen habe ich vermutlich eine MENGE Infos für euch, die mich ganz schön enorm stressen. Morgen ist vielleicht Tag X. Der Tag, an dem ich vielleicht erfahre, was ich genau habe, wie (und ob) wir es beheben können, wann ich zur Celler Straße kann usw.

Bis bald!

Werbeanzeigen

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s