Samstag, 17.08.2019: Wieder zuhause – und dennoch so traurig

Hallo ihr Lieben!

Ich hatte mich den ganzen Morgen so auf den heutigen Tag gefreut. Na ja, so gut, wie man sich eben bei meiner Diagnose freuen kann. Aber ich bin ja ein Dickkopp und ich mache es dem Krebs nicht so leicht.

Jörn war mit den Kindern in der Schule, da Romy heute als frische Zweitklässlerin heute „Patin“ für einen neuen Erstklässler war, sie gingen alle gesammelt zur Kirche usw. Anschließend kamen die Drei zu mir ins Krankenhaus, während ich schon wieder von der Allgemeinchirurgie 4 zurück auf die Lungenstation (Medizinische Klinik 2.6) gezogen war. Dort wartete ich auf die Visite, die Entlassungsschreiben und meine Medikation fürs Wochenende. Die Zeit verstrich, die Kinder bekamen ein Eis von der Krankenschwester und ich um kurz nach 12:00 Uhr sogar noch mein Mittagessen.

Da ich immer noch nicht wusste, wie lange ich noch Unacid (Antibiotikum) einnehmen soll, öffnete ich den Entlassungsbrief (ein Exemplar ist ja für mich, das andere für meinen Hausarzt) vor Ort im Krankenhaus. Um dann Dinge zu lesen, die mir vorher noch niemand gesagt hat…

Auszug aus dem Schreiben:

  • 5×4 cm Metastase rechts frontal (operiert)
  • Lymphknotenmetastasen links zervikal im Level IV, im linken Hilus und paratracheal im mittleren Mediastinum. Ossäre Metastasen im BWK 7, fraglich BWK 12 (DD Osteochondrose), im linken Os ilium, im Sacrum/SWK 1 und rechten Tuber ischiadicum.

Das nur ein Auszug von meinem Arztbrief. Einen Termin für die Celler Straße habe ich erst Donnerstag. Dazu kommt noch, dass alle meine Unterlagen weg zu sein scheinen.

Am 08.08.2019 wurde ich ja aus der Neurochirurgie entlassen, am 09.08.2019 holte mich der Rettungswagen ab. Denen gab ich alle Unterlagen, die ich bei Entlassung erhalten hatte (MRT Kopf, Entlassungsbrief an meinen früheren Hausarzt, Blutbilder usw.) und zwei Anrufe in der Klinik brachten bisher keinen Erfolg. Nun soll ich morgen nochmals anrufen, evtl. seien die Unterlagen im Arztzimmer der zuletzt behandelnden Station (ML 2.6). Wenn nicht, habe ich das große Glück, die medizinische Schreibkraft der Klinik zu kennen, die mir alle Unterlagen erneut ausdrucken würde (das ist übrigens legal, falls ihr euch das gerade fragt…).

Ansonsten fühle ich mich hier zuhause seit dem Entlassungsbrief richtig krank. Mein „Port-Arm“ tut noch ziemlich weh, wobei die Ärztin gestern Morgen von der Allgemeinchirurgie meinte, der Port säße direkt auf dem Muskel, das könne mal zwicken. Aber ich habe wieder diese große Angst vor einem erneuten Pneumothorax. Meine Bitte nach einem Kontroll-Röntgen wurde abgewiesen, dazu sei es noch zu früh, da hätte man gestern noch gar nichts erkennen können. Also liege ich nun daheim auf der Couch, versuche die ganze Zeit in mich hinein zu hören, habe dauernd „Atemgeräusche“, es knistert und britzelt ab und an in der Lunge und ich ahne sofort das schlimmste. Oder ist es nur meine Psyche, die mich veräppelt und mir vortäuscht, ich hätte nun was? Mein Körpergefühl ist total kaputt, ich habe keinerlei Vertrauen mehr in mich, meinen Körper, meine Gesundheit, und das Krankenhaus hilft mir auch nicht. WENN meine Beschwerden stärker werden, würde ich eh im Fall der Fälle wieder an der Buelau-Drainage landen, Bettruhe, Schlauch zwischen die Rippen usw…

Ich bin mit meiner Kraft aktuell SO am Ende. Hier zuhause fühle ich mich wie ein todkranker Mensch, der den Alltag seiner Familie zerstört, nichts tun kann, sich krank und kaputt fühlt. Und erst am Donnerstag werde ich meine lange Liste von Fragen stellen können. Im Brief ist jedenfalls von Chemo die Rede, dass ich deswegen einen Port erhalten habe.

Ich gehe davon aus, nicht mehr geheilt werden zu können, aber vielleicht noch ein wenig Zeit zu gewinnen. Aber für genaue Antworten muss ich mich noch gedulden. Geduld, wo mein Körper dringend Hilfe bräuchte, mein Kopf Bestrahlung. Und wieder ist man alleine. Und belästigt alle anderen.

Liebe Leute, ich brauche euch nicht zu sagen, dass Krebs so unglaublich heimtückisch und gemein ist.

Bis bald.

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

4 Kommentare zu „Samstag, 17.08.2019: Wieder zuhause – und dennoch so traurig

  1. Liebe Monica,
    Ich verdrücke gerade ein paar Tränen, bin in der letzten Zeit gedanklich viel bei Dir. Ich bin so gar kein spiritueller Mensch und hoffe trotzdem, dass die vielen guten Wünsche und Gedanke, von Menschen, die Dich kennen Dir Kraft geben in dieser Zeit. Gerne würde ich mehr schreiben, aber es klingt alles irgendwie hohl, also hab ich es wieder gelöscht und sende Dir nur die besten Wünsche für Dich und Deine Familie.
    Herzliche Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Monica
    Ich habe Dich zum 1. Mal in der Bri gelesen und verfolge seitdem Deine private Seite, da Du ja nicht mehr dort schreibst.
    Zuerst dachte ich, wow, super, eine Kopf-OP und dann kann sie schon gleich wieder alles machen. Da hört und liest man ja auch oft andere Geschichten. Dann musste ich meinen Eindruck revidieren und sagen, shit, wenn man nicht weiss, wo der Ursprung der Metastase ist. Und was für schmerzvolle Untersuchungen Du über Dich ergehen lassen musst und wie oft Du auf wenig sensible Ärzte stösst oder wie schlecht organisiert die im Krankenhaus sind. Aber ich dachte, okay, dann wirst Du wohl trotzdem bestrahlt, denn egal, wo der Krebs herkommt, der im Kopf wird doch oftmals so behandelt, nach einer OP. Und dann kommen immer mehr neue Baustellen ans Tageslicht, bzw. kriegst Du das so peu a peu mit.
    Mir tut es total leid, welche schlimmen Erfahrungen Du zusätzlich zu Deiner Krankheit noch machen musst. Du stellst immer Fragen und kriegst noch nicht mal Deine Diagnose mitgeteilt. Da drückt man Dir einen Schrieb in die Hand und lässt Dich dann damit allein. Was soll so ein Scheiss… Soll das Deiner Genesung helfen, wenn Du Dir so viele Sorgen machst, dass Du die Zeit noch nicht mal halbwegs geniessen kannst??? Warum redet niemand Klartext mit Dir. Du fragst doch ständig. Was muss man in deutschen Krankenhäusern noch tun, um Antworten zu erhalten?
    Dass Du Deinem Körper nicht mehr vertraust, ist doch nur allzu verständlich. Schliesslich tun die Ärzte doch auch das Ihre dazu. Da werden Deine Bedenken einfach weggewischt und siehe da, ein Laie wie Du hatte doch recht. Da wird nicht gesagt, wenn bei Ihnen das so und so ist, dann bitte sofort wieder ins Krankenhaus kommen. Letztes Mal hattest Du doch auch recht fix einen Pneumothorax. Das Du jetzt sehr sensibilisiert bist, wer würde sich da wundern?
    Gibt es keine Psychotherapeutin oder Psychoonkologin (?) in einem der beiden Krankenhäuser? Willst Du nicht mal mit jemandem professionell über Deine Situation sprechen? Mit den Ärzten kannst Du das ja nicht, wenn man Dir noch nicht mal reinen Wein einschenkt, also mündlich.
    Ich glaube, Deine Familie freut sich, dass Du ein paar Tage bei ihnen bist. Deine Kinder sehen Dich jetzt immer nach Schule/Kindergarten, Jörn wird es auch geniessen, Dich in der gewohnten Umgebung zu haben. Sicher wird er traurig sein, weil Du traurig bist, aber das ist er doch auch, wenn Du im Krankenhaus liegst. Ihr seid schon soooo viele Jahre zusammen und jetzt habt Ihr leider eine sehr schwere Zeit. Aber Du bist doch die Monica, die er seit so vielen Jahre liebt. Auch wenn Du jetzt nicht die Monica bist, die den Haushalt schmeisst, mit den Kindern rumtollt, Du bist jetzt einfach angeschlagen und durch diesen blöden Brief auch seelisch sehr angeschlagen. Wer will Dir das verübeln? Ich glaube, er ist trotzdem froh, Dich zu Hause zu haben und geniesst die Zeit mit Dir, weil Du für ihn der wichtigste Mensch bist, zusammen mit Euren Kindern und Eurer Familie. Dich hat er bewusst in sein Leben gelassen und das war für ihn genau das Richtige. Sonst wärt Ihr nicht mehr zusammen.
    Wenn Du Dich unsicher wegen der Lungengeräusche fühlst, dann fahre einfach wieder ins Krankenhaus. Vielleicht hast Du Glück, einen verständnisvollen Arzt zu finden, wie den einen, von dem Du mal geschrieben hast und dann kannst Du auch gleich ein paar Fragen stellen.
    Ich sende Dir alle positive Energie, die es gibt, damit bei Dir etwas ankommt und Du Dich besser fühlst.
    Ganz liebe Grüsse
    Yvonne

    Liken

  3. Scheiße….
    Es tut mir so leid und kann mich Yvonne nur anschließen. Ich verstehe nicht, warum man dich so alleine damit lässt.
    Ich wünsche dir alles Gute und dass man das Ruder noch rumreißen kann!
    Viele liebe Grüße!!
    Kati

    Gefällt 1 Person

  4. Hey Monica, ich bin jetzt schon zigmal zu Deinem Beitrag zurückgekehrt aber mir fehlen doch die richtigen Worte glaube ich. Ich bin traurig, geschockt, absolut fassungslos über die Art und Weise, wie man mit Dir umgegangen ist. Leider hört man immer wieder von solchen Zuständen in Krankenhäusern. Und nun diese Diagnose…auf einem Stück Papier, ohne Aufklärung, Zuspruch, was weiß ich. Du wirst nicht aufgeben. Da bin ich mir sicher. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alle Kraft dieser Welt für die Zukunft. Ich grüße Dich ganz herzlich und denke an Dich. Liebe Grüße, Tina

    Gefällt 1 Person

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