Montag, 26.08. bis Donnerstag, 29.08.2019: Pneumothorax 2.0

Guten Abend ihr Lieben!

Mensch, schon wieder einige Tage vergangen, ich habe viel Neues zu berichten! Ich hatte zwar noch WLAN in der Klinik, aber die Schmerzen beim Tippen waren echt zu groß und meine Müdigkeit machte diesen Umstand nicht besser.

Aber beginnen wir von vorn:
Am Montag kam schließlich Herr Dr. Gu. zu mir, stellte sich vor, erklärte das weitere Geschehen und dann ging es auch schon bald los. Dann erhielt ich – dann doch über den Port, der zumindest später endlich Flüssigkeiten aufnahm – meine Sedierung und ich verschlief die Drainage-Legung komplett. Man gut! Ich denke nicht, dass es schmerzfrei gewesen wäre. Der Schmerz, als ich die Drainage (wieder mal Bülau) hatte, reichte dann aber auch aus. „Leider“ war Jörn nachmittags noch mit beiden Kindern da. Ich war noch total benebelt von der Sedierung, erinnere vieles schon wieder überhaupt nicht mehr, nur, dass beide irgendwie neben meinem Bett saßen in Kitteln (auf Intensivstation ja nunmal Pflicht), und ich nur dachte „ich möchte schlafen!“. Ich habe wohl mal wieder Dinge gesagt, an die ich mich absolut nicht erinnern kann. Danke Jörn… :-/ Jaaa, ich weiß, Mecker-Moni wieder, bla blubb…

Ich war nur von zwei, nein, sogar drei Dingen sehr positiv überrascht:
1. Wie ruhig eine Intensivstation eigentlich ist (man muss sich vor Augen führen, dass laut Schwester die meisten Patienten gar nicht fähig sind, sich zu äußern).
2. Von meiner netten Bettnachbarin, die vor kurzem die Diagnose Brustkrebs erhielt, zwei Jahre älter ist als ich, und sehr sympathisch war – liebe Nicole, es war mir eine Ehre, dich als Bettnachbarin gehabt zu haben und hoffe, dass dieser dämliche Pneu der einzige Stolperstein in der kommenden Zeit war! Wenn wir uns jemals wiedersehen, dann machen wir andere Dinge synchron, nech? 😀
3. Wir, also Nicole und ich, hatten jeweils eine Schmerzmittelpumpe. Jahaaa, ihr lest richtig! Wir konnten uns bei Bedarf selbst Schmerzmittel geben! Was für ein Luxus! Wir erhielten Dipidolor, ein Opiat, und so fühlte es sich auch an. Ein Fingertipp auf die „Fernbedienung“ der Pumpe und zack – wenige Sekunden später machte sich ein „brusseliges Gefühl“ im Kopf breit. Erst wusste ich nicht, ob ich dieses Gefühl positiv oder negativ finde, aber ich wurde davon sooo angenehm müde, ich habe den halben Dienstag verpennt ^^ Und natürlich linderte das Zeug die Schmerzen sehr gut!

Ansonsten vergingen die Tage relativ schnell, eben durch das viele Dösen, Schlafen und die angenehmen Gespräche zwischen Nicole und mir. Wobei wir tatsächlich nicht immer redeten, ich glaube genau das machte unseren Aufenthalt für beide so angenehm.

Zwischendrin wurden Kontroll-Röntgenbilder bei mir angefertigt, jeden Abend kam die Schwester und bot uns ein Schmankerl an – ja, richtig gelesen! Wir durften wählen: Kakao, oder ein eiswürfelgekühlter Apfelsaft, oder ein Joghurt… Am ersten Tag hielt ich das tatsächlich für einen Scherz, aber am nächsten Abend genoss ich tatsächlich einen Joghurt, mhhh!

Zwischendrin erklärte Herr Dr. Gu. das weitere Vorgehen: Es würde Mittwochabends die Drainage abgeklemmt werden, also der Sog würde gestoppt, ich könne dann eine Nacht schlafen und Donnerstagfrüh würde ich noch ein Kontroll-Röntgen erhalten. Wenn alles in Ordnung wäre, würde dann der Schlauch morgens gezogen, ich könne zu 11:15 Uhr zum MRT in die Salzdahlumer Straße gefahren werden, anschließender Rücktransport zurück zur Celler Straße und anschließend Entlassung. Für Freitag, den 30.08. hätte ich ja noch einen Termin in der Strahlenklinik zur Maskenanfertigung und zum CT, dieser Termin müsse aber abgesagt werden, da das CT defekt sei. Gnäh, natürlich. Aber egal, ich wollte ja auch zeitnach nach Hause. Herr Dr. Gü. würde dann noch auf Intensivstation kommen und mir einen neuen Termin für Anfang kommender Woche nennen. Alles klar.
Dies geschah – soweit – auch so und da alles einwandfrei war, kamen dann Donnerstagfrüh ein Assistenzarzt und eine recht ruppige und unfreundliche Schwester A. (die erste seit langem!), und diese musste auch noch den Job der „Fiesen“ übernehmen und zog mir auf Kommando DREI vom Assistenzarzt mit einem KRÄFTIGEN Ruck den Schlauch, der ihr aber auch so schnell entgegenschoss, dass ich merkte, wie man mir noch den halben Oberkörper trocken tupfte…

… Ein
 HEILIGEMUTTERUMHIMMELSWILLENSCH*ISSDIEWANDANAUA! würde nicht annähernd beschreiben, wie sehr dieser Vorgang wehgetan hat! Ich hätte am liebsten laut geflucht, da meine Bettnachbarin dieses Spektakel aber noch bevorbesteht, riss ich mich in diesem Moment gehörig zusammen. Und ich hielt mich an dem Gedanken fest, dass das Ding nun endlich draußen ist. Alle anderen Kabel (Blutdruck, Herzfrequenz, Sättigung, Infusionen, Schmerzmittelpumpe) wurden auch zeitnah entfernt, weil mein MRT zu 11:15 Uhr in der Salzdahlumer Straße terminiert war. Und so genoss ich nach der Entfernung aller Leitungen das Gefühl, wieder eigene Kleidung anzuziehen und nicht die doch recht bequemen Krankenhaus-Nachthemdchen. Übrigens ist die Intensivstation angenehm klimatisiert – die heißen Sommertage und -nächte der vergangenen Tage sind also spurfrei an uns vorübergezogen, das war auch mal sehr angenehm! Aber so ein „Loch“ unter dem linken Arm (sie haben übrigens dieselbe Narbe als Eingang benutzt wie beim ersten Pneu vom 15.07.19, uargh!) tut echt noch weh, wurde zwar sofort mittels Tabaksbeutelnaht zugezogen, aber weh tut das Durchatmen immer noch.
Beispiel: Ich kann seit Montag nicht gähnen. So, nun schreibe ich es und wette, dass mindestens 90 % von euch in diesem Moment herzhaft gähnen. Mehrmals. GÄHNEN. Na, noch mal? Ja, gähnt bitte ruhig für mich mit. Es geht nicht. Mein Körper versucht morgens und abends mal so ein Gefühl vom Gähnen aufzubauen, aber es scheint wie ein Schutzmechanismus zu sein: Sobald die Lunge Luft zum Einatmen holen will, merkt er den angehenden Schmerz und der Vorgang wird regelrecht abgebrochen und es kommt nicht zum Gähnen. Man gut! Das würde saumäßig wehtun! Genau wie niesen, ich mag nicht einmal daran denken, brr!

Der Transport in die Salzdahlumer verlief schnell und reibungslos, das MRT vom Kopf selbst war auch regelrecht und der Rücktransport war sehr angenehm. Zwei junge Frauen, beide sicher jünger als ich, fuhren mich zurück und ich unterhielt mich mit der Frau, die hinten bei mir saß, sehr anregend und wir kamen ins Gespräch. Sie schwärmte mir bei der Gelegenheit von dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ vor, ich bestellte es noch am gleichen Abend, da ich mich aus ihren Bucherzählungen sowas von „ertappt“ fühlte. Ich werde mal berichten, wie es ist, bisher bin ich noch nicht zum Lesen gekommen.

Als ich anschließend wieder auf der Intensivstation ankam, empfing mich die unsympathische Schwester A. mit einem „weg gegangen, Platz vergangen“ im Flur – wo auch mein Bett und mein Nachtschrank standen (mehr Dinge, als in den Nachtschrank passten, sollte man auf der Station nicht bei sich haben, Schränke gibt es nicht). Und so saß ich dann zwei Stunden auf meinem Bett im Flur. Jeder rannte an mir vorbei, zwischendurch kam mal jemand vorbei und sagte, man habe mich nicht vergessen. Schließlich kam Herr Dr. Gu. vorbei und erklärte mir, dass er mit Herrn Dr. Gü. gesprochen habe. Dieser würde befürworten, dass ich noch eine weitere Nacht bleibe, vorher wieder auf die Rad1 (Radiologie 1) ziehe und morgen, also Freitag, den 30.08. dann zur Maskenanfertigung und zum CT da sei, da hätte um 11:00 Uhr jemand abgesagt. Hä, bitte was? Wieso soll ich noch eine Nacht hier bleiben? Ich bin meine Drainage los und zum Masken-Termin kann ich sehr gerne wiederkommen – wobei mir doch gesagt wurde, dass das CT defekt sei – will man mich nur noch verarschen? Ich merkte, dass ich sauer wurde. SO sauer, dass mir richtig übel wurde. Romy und Jörn saßen um diese Zeit schon in der Imbissbude der Celler Straße und aßen ihre Pommes und wollten mich zeitnah heimfahren.

Ich hockte zwei Stunden auf dem Flur, wurde schließlich endlich mit meiner Akte von der Patientenbegleitung verlegt und dort saßen in meinem „alten Zimmer“ der Rad1 schon Romy und Jörn. Zeitnah kam Herr Dr. Gü. und ich erkannte ihn sofort wieder: Er war derjenige, der Montag zu mir ins Zimmer gestürmt kam, mich sofort duzte und mir von meinem 4 cm Pneumothorax berichtete. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten und er hatte so eine menschliche Art an sich, fasste mir liebevoll in meinen kahl rasierten Nacken und tröstete mich so echt auf eine Art liebevoll, aber ohne anmaßend, schleimend oder übergriffig zu wirken. Es tat mir in dem Moment einfach nur gut, weil er mir das Gefühl vermittelte, dass er meine Ängste und Verzweiflung verstehen konnte.
Er begrüßte uns, lachte und freute sich, dass ich nun wieder da sei. Und ich ließ meinen gesamten Charme spielen – mit Romy neben mir in meinem Bett, wir kuschelten, und fragte ihn, warum ich unbedingt noch eine Nacht bleiben solle, zuhause sei es nämlich am schönsten. Er geriet etwas ins Straucheln, wir machten noch kurz Witze, aber er ging und versprach, etwas nachzusehen. Nach einiger Wartezeit kam er schließlich wieder und verkündete zu meiner großen Freude, dass er nun meinen Entlassungsbrief fertigmachen würde. JUCHUUUH!
Kurze Zeit später entfernte mir eine Schwester dann meine Portnadel und eine Weile später kam Herr Dr. Gü. wieder herein, gab mir den Brief und verabschiedete uns.

Oh du schöne Freiheit! Mir tat das Laufen zwar ziemlich weh, weil ich noch sehr kurzatmig war/bin, aber der Drang nach Freiheit war größer als alles andere.

Freitag, den 30.08. um 11:00 Uhr hatte ich dann meinen Termin zur Maske + CT in der Strahlenklinik (auch alles auf dem Gelände der Celler Straße), wo mich Jörn pünktlich ablieferte. Darüber berichte ich morgen, denn einerseits bin ich nun sehr müde, denn der heutige Tag war echt anstrengend, aber der Akku meines Laptops ist nun fast leer. Mal hoffen, dass es eine ruhige Nacht bleibt, Mick wurde vorhin kurz nach dem Einschlafen wach und weinte bitterlich. Ich hoffe, er bleibt gesund, mein kleiner Spatzibatzi…

Bis morgen!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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