Freitag, 30.08.2019: Maskenanfertigung, CT und ein sympathischer Arzt

Guten Abend ihr Lieben!

Am Freitag, den 30.08.2019 um 11:00 Uhr lud Jörn mich pünktlich in der Strahlenklinik der Celler Straße ab. Ich warf meinen Laufzettel in den kleinen Kasten zwischen den Linearbeschleunigern und dem Simulator ein, nahm Platz und wartete, bis ich aufgerufen wurde.

Eine nette Ärztin, deren Namen ich mal wieder nicht erinnere (na ja, bei DEN vielen Ärzten in den letzten Wochen muss ja hier und da mal was durchrutschen) erklärte mir das weitere Vorgehen, ich nahm mein Augenbrauenpiercing heraus (mein Labret-Piercing habe ich ja leider an meine Hirn-OP verloren, habe ich das je erzählt? Bis ich wieder fit genug war, war das Lock unter der Unterlippe zugewachsen, ich selbst hatte sie irgendwann vor der OP herausgenommen, ich erinnere mich ganz dunkel…) und zog mein Oberteil aus, dann ging es auf den Simulator. Man kann sich das vorstellen wie einen großen harten und schmalen Tisch. Im Grunde sieht das Teil aus wie ein „echter“ Linearbeschleuniger, aber dieses Ding hat eben keine Strahlung, sondern dient nur der Anpassung der Maske.
In diesem Raum wartete eine weitere nette Ärztin, deren Name mir ebenso durchgerutscht ist. Diese erklärte mir, dass die Maske gerade im Wasserbad sei und es gleich am Kopf sehr unangenehm warm werden würde, aber eben nur einen kurzen Moment. Und ehe ich mich versah, ging es auch schon los. Mir wurde wie eine Art weiches, sehr heißes und formbares Gitter (Quelle: http://kg-weide.de/nicht-nur-sonnenstrahlen/) über das Gesicht und den Kopf gelegt und es war wirklich recht unangenehm heiß, aber es verging auch schnell. Beide Ärztinnen drückten dieses formbare Gitter schnell und gekonnt an meinem Kopf, Gesicht, Augen, Stirn, befestigten es dann an den Seiten mit einer Art Steckkämmen, sodass das Teil später wirklich bombenfest sitzen wird. Formten hier und da und ich spürte, wie das Ding langsam fester wurde. Da die Nase eine Aussparung hatte, bekam ich die ganze Zeit Luft, die Augen musste ich ohnehin schließen und konnte so den Gedanken an dieses beklemmende Gefühl schnell verdrängen. Wenn die fünf Bestrahlungen gelaufen sind, kann ich euch ein Foto von meiner Maske machen, aktuell liegt sie im Klinikum. Dort wurden anschließend auch noch diverse Markierungen eingezeichnet und aktuell berechnen die Physiker den genauen Bestrahlungswinkel.
Als wir damit fertig waren, wurde ich zum CT gebracht und kam auch alsbald dran. Von den vielen vorangegangenen CCTs, MRTs und anderen Untersuchungen war ich so darauf vorbereitet, mindestens 20 Minuten unter dem Teil zu liegen, sodass ich nahezu enttäuscht war, als nach nicht einmal fünf Minuten schon alles wieder vorbei war. Wir verabschiedeten uns und ich erhielt meinen ersten Bestrahlungstermin für den 04.09.2019, und zwar zeitlich auch so, dass dieser zu meinem Chemo-MVZ-Termin passt und ich nicht zweimal hinkommen muss.

Da ich in meinem Entlassungsbrief vom 29.08. noch einen richtig doofen Fehler in meinem Entlassungsbrief entdeckt und noch genug Zeit hatte, bis Jörn und Mick mich wieder abholen konnten (sie waren während meiner KH-Zeit nämlich bei der Sprachdiagnostik mit Mick), ging ich vorne zum Eingang der Klinik und fragte bei der Verwaltung nach, ob diese mir diesen Satz aus dem Brief löschen könnten. Ich war ja bis zu meiner Erkrankung medizinische Schreibkraft und in dieser Hinsicht vielleicht ein wenig pingelig, aber so hat eben jeder seine Schwachstelle. Der Satz, der mich so störte, lautete: „Zuvor war ein Port nach Thrombose rechtsseitig entfernt worden.“ Fakt ist, dass ich noch nie einen Port rechtsseitig hatte und schon gar keine Thrombose. Und da mein Hausarzt diesen Brief erhält, der aber einige Jahre nicht mein Hausarzt war, würde er den Zusammenhang weder kennen noch verstehen. Ich hatte inzwischen ja nun schon viele Erkrankungen und Komplikationen, aber eben noch keinen rechtsseitigen Port (wo ich den Brustkrebs schon rechts hatte) und eine Thrombose im Port auch nicht.

Bei der Verwaltung teilte man mir schließlich mit, dass ich dazu zur entsprechenden Station müsste, also schlich ich zurück zur Station Radiologie 1. Ich schlich, weil meine Pneu-Wunde noch teilweise echt ziept und zwickt und mir tiefes Durchatmen weiterhin schwerfällt. Ich konnte vorhin das erste Mal gähnen, zwar unter Schmerzen, aber das ging zumindest wieder. Aber ich hatte einige Mal schon das Bedürfnis zu niesen und hielt mir immer schnell die Nase zu. Ich glaube DAS würde noch echt wehtun. Hoffentlich wird es nicht noch schlimmer, denn vor einigen Tagen hatte Romy etwas Halsweh und schnieft seitdem etwas, und seit heute rotzt Mick für Vier und kämpft mit ca. 38,8 Temperatur. Ich hoffe, es haut ihn nicht so um 😦

Also wackelte ich langsam zurück zur Radiologie 1 und hörte schon von weitem irgendwo Herrn Dr. Gü. In diesem Moment kam eine Schwester aus einem Zimmer und fragte, ob sie mir helfen könne und ich fragte nach Herrn Dr. Gü. Sie meinte, der schwirre irgendwo herum und nur eine offene Zimmertür weiter stand er an einem Patientenbett, drehte sich zu mir um und grüßte mich freudig überrascht. Kurze Zeit später kam er heraus und wir machten Spaß, dass ich sicher nur da sei, um doch noch wieder stationär aufgenommen zu werden (am Tag zuvor sollte ich ja am besten noch eine Nacht da bleiben, wenn es nach ihm gegangen wäre). Ich erklärte ihm schließlich von meinem Entlassungsbrief-Fehler und er nahm mich mit ins Arztzimmer und wir korrigierten das umgehend und er druckte mir ein korrigiertes Exemplar aus, das ich bei meinem Hausarzt in den Briefkasten werfen werde. Anschließend fragte ich ihn noch, ob Frau W. (Heidi, eine meiner Ex-Bettnachbarinnen der Neurochirurgie 1B) im Zimmer xxx liegen würde und er bestätigte dies, guckte im nächsten Moment aber etwas irritiert und ich klärte auf, dass wir mal in einem Zimmer gelegen hätten. Ich ging Heidi schließlich noch kurz besuchen und keine zwei Minuten später ging die Tür erneut auf und Dr. Gü. kam wieder hinein und verpasste mir im Vorbeigehen einen Klapps auf meinen überdimensionalen Tuschi ^^ Der einzige Mann, der das außer meinem Mann darf. Ich kann es euch nicht erklären, aber dieser Arzt ist so grundsympathisch, dass ich ihm da auch nix Böses unterstelle, er hat so eine menschlich sympathische Art an sich, nee nee. Er sprach dann noch kurz mit Heidi und machte noch einen Witz, dass die beiden Patientinnen im Bett doch bitte das dritte Bett noch machen sollten, damit ich doch noch stationär aufgenommen werden könne. Und er schlug noch vor, von außen die Tür abzuschließen, damit ich nicht mehr entkommen könne ^^
Ich unterhielt mich noch kurz mit Heidi, musste aber dann los zum Weissen Ross, denn ich wollte noch Nagellack und Hausschuhe für Mick kaufen. Der Weg dahin gestaltete sich aber recht beschwerlich, es war so warm und mir tat meine Pneu-Wunde inzwischen recht weh. Kurz vor dem Ankommen sackte Jörn mich schließlich mit seinem Auto ein, wir erledigten die Einkäufe, kauften Mick noch ein süßes Paw Patrol-Sweatshirt, für Romy nahm ich ein paar Haarklammern mit, ließ im dm noch über 30,- Euro für diverses Zeug und wir fuhren schließlich heim. Kim hatte Romy zwischenzeitlich von der Schule abgeholt und wir unterhielten uns noch ein wenig, bis Kim wieder heim musste.

Ich war inzwischen sehr platt und habe seit einigen Wochen ziemliche Probleme mit meinem rechten Ohr. Da ich Montag ja eh zum HNO-Arzt muss, werde ich das ansprechen. Laut Google scheint es sowas wie eine „klaffende Tube“ zu sein, so nennt sich das wohl laut meinen Symptomen. Nach einiger Zeit höre ich mich selbst auf dem rechten Ohr immer lauter und muss dann dauernd die Nase kurz zuhalten und einen Unterdruck(?) erzeugen, dann ist es kurz wieder gut. Aber kaum rede ich wieder – plopp, und höre mich wieder selbst viel lauter. Das habe ich nicht immer, sondern nur nach gewisser Anspannung? Oder Blutdruck? Keine Ahnung. Ich hoffe nur, es vergeht irgendwie wieder oder ist doch nicht von der Hirn-OP. Wenn Wikipedia recht hat und nur eine OP langfristig helfen würde, habe ich ein Problem, denn freiwillig lasse ich nix mehr an mir herumschnippeln. Wer weiß, was eh noch alles folgt.

Freitag Nachmittag rief dann nochmals die Klinik an, ich möge bitte Montag um 10:10 Uhr zum CCT Thorax/Becken kommen. Als ich erklärte, dass ich aber um 9:30 Uhr den Termin beim HNO-Arzt habe, bat man mich, dort gleich zu erklären, dass ich den KH-Termin habe. Ich versprach mein Glück zu versuchen und rief direkt im Anschluss bei der HNO-Praxis an. Dort konnte ich meinen Termin auf 12:30 Uhr verschieben und habe so also genug Zeit fürs CCT, für das ich Montag einen Liter Wasser ca. eine Stunde vor Termin trinken muss. Na, das schaffe ich doch, denke ich mal. Nur bitte nicht so schnell wieder fünf bis sechs Liter Löwenfluss, wüüüürg!

So ihr Lieben, nun versuche ich, den restlichen Abend noch zu genießen. Morgen wollten wir eigentlich zum Fest der Feuerwehr in der Stadt, aber da Mick immernoch fiebert, werden wir das anderweitig nachholen. Das ist unser großes Glück, dass wir „Feuerwehrmann Sven“ kennen 🙂

Euch noch einen schönen Samstag und bis bald!

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „Freitag, 30.08.2019: Maskenanfertigung, CT und ein sympathischer Arzt

  1. Liebe Monica,

    persönlich kenne ich dich nicht und habe deinen Blog nur durch Zufall entdeckt.

    Aber dennoch:
    Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft!

    Und trotz der schlimmen Diagnose viele schöne Momente.

    🌻🍀☀🌺🌹🌸🌷🌼🌈🌿

    Julia

    Gefällt 1 Person

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