11.09.2019: Kopf-Bestrahlung 5/5

Guten Morgen ihr Hasen!

Heute ausnahmsweise schon mal „ein paar“ (haha) Zeilen von mir am frühen Mittwochmorgen.

Eigentlich wollte ich euch nur wissen lassen, dass es mir soweit ganz gut geht. Würde man mir nicht dauernd sagen, dass ich so krank bin, dann wüsste ich gar nicht, was ich dauernd im Krankenhaus soll. Aber nun, es ist so wie es ist, also starten wir den Kampf gegen den Krebs erneut.

Wisst ihr übrigens, dass ich der knallharte Verdränger bin? Das ist mir gestern wieder aufgefallen. Ich kann z. B. nicht „Club der roten Bänder“ sehen oder dieses „Myriam von M“-Format ist auch nicht meine Welt. Also abgesehen davon, dass mir diese Frau einfach nicht sonderlich sympathisch ist (dafür kann sie gar nichts und es tut mir ja auch leid, aber mir missfielen einige ihrer Äußerungen in der Vergangenheit im Umgang mit Usern, aber sie macht ihre Arbeit wirklich gut!), aber ich habe ein großes Problem damit, mich mit dem Abschied, dem Tod, dem Endgültigen auseinander zu setzen. Ja, ich weiß, vielleicht sollte ich das? Aber ich muss es knallhart so sagen, wie es ist: Bisher hat mir kein Arzt vermittelt, dass es SO schlecht um mich steht, dass ich hoffnungslos verloren bin. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ein Arzt das überhaupt je so sagen dürfte? Aber selbst WENN mir das jemand so extrem sagen würde, so würde ich kämpfen wollen. Denn es gibt da draußen überall kleine und große Wunder, Leute, die schon längst von der (Schul-)Medizin aufgegeben wurden und immer noch am Leben sind. Und genau diesen Funken Hoffnung möchte ich möglichst bis ganz zum Schluss behalten. Mein Leben lang – wie viele Jahre das auch immer sein werden.
Auf jeden Fall bekam ich gestern Nachmittag plötzlich einen halben Panikanfall, weil ich auf meiner Facebook-Timeline einen Eintrag einer Freundin las, die ihre Beileidsbekundung auf Myriam von Ms Seite schrieb. Und dann las ich von der an Krebs verstorbenen Frau, und es hieß „Metastasen in Kopf, Lunge und Leber konnten dir lange nichts anhaben“ […] und ich dachte nur „FUCK! Ich hab doch im Grunde dasselbe!“ Ja, nein, ich HATTE eine Metastase im Kopf, aber auch ich habe was an der Lunge (bzw. in dem Bereich, direkt Lunge ist es ja irgendwie nicht, nur eingeordnet als solches), an der Leber zwei kleine Herde, aber Metastasen in den Knochen… Ich sag euch Leute, es ist manchmal echt zum ausrasten! Ich habe Jörn dann vollgejammert, er ist da nur leider kein großer Trost, er pfiff mich nur an, ich solle „sowas“ nicht lesen (er ist übrigens ein noch größerer Verdränger als ich…). Aber wenn es auf meiner Facebook-Seite erscheint, bin ich ja nun machtlos dagegen und werde sicherlich nicht alle Freundschaften kündigen.
Egal, ich verdränge munter weiter und genieße bis dahin das Leben so gut wie möglich.

Gestern nach der vierten Bestrahlung entschied ich spontan, über das Ringgleis nach Hause zu gehen. Mittendrin bereute ich diese Entscheidung etwas, weil meine Schuhe irgendwie unbequem waren und mir wurde einmal etwas brausig im Kopf, so wie bei der Bestrahlung einmal selbst auch. Aber ich sammelte munter Schritte auf meinem Mi Band 4 und genoss die schöne Sonne, wer weiß, wie lange ich sie dieses Jahr noch genießen kann. Keine Ahnung, wie sehr mich die Chemo umknallen wird. Da mache ich mir auch keine großen Gedanken, bringt ja eh nichts. Etwas Angst habe ich aber natürlich, alleine mit (max. fünf) anderen Menschen in einem Raum zu sitzen, sicherlich wird jemand spucken oder jammern, leiden, oder viel reden, TV gucken… Na ja, ich nehme mir alles mit, was ich so brauche und hoffe einfach, dass die sechs Stunden relativ schnell herumgehen werden.

So, nun habe ich gerade einen Milchreis verputzt. Ich esse wirklich wieder vermehrt, seit ich das Kortison einnehmen muss. So stopfe ich mir allabendlich einen Wrap rein mit Geschnetzeltenfleisch, Eisbergsalat, Käse und Frischkäse. Nom! Normalerweise esse ich abends gar nix, ich bin ja so ne Brot-und-Aufschnitt-Hasserin. Aber aktuell? Wie Kirby *alles an Essen inhalier* Aber bisher ist das Gewicht konstant (und ich bin somit immer noch zu klein für meine Kilos ^^).

Das war es nun erst einmal für heute von mir. Nachher darf ich meine ach so schicke Maske mit nach Hause nehmen, brr. Ich glaube, ich werfe sie erst einmal in den Keller, bis ich eine passende VErschönerungsidee habe. Oder ich bestelle mir doch noch ein
paar Sprayfarben und knalle viel Glitzer drauf. Glitzer geht immer.

Nachtrag: Da isse. Ist sie nicht unglaublich hässlich? Das Ding fristet sein Dasein nun im Keller, brr.

dav
Auch noch ein zusätzliches Goodie: Nach der letzten Bestrahlung hatte ich noch ein Abschlussgespräch mit dem Arzt, der mir beiläufig mitteilte, hinten links am Hinterkopf hätte ich im Hirn wohl noch eine winzige Stelle unter einem Zentimeter, aber es könne sein, dass diese Stelle eines Tages auch noch bestrahlt werden müsse, wenn diese Stelle weiter wächst. Toll, versaut mir mal ruhig noch einen weiteren Tag, nehmt mir etwas mehr Hoffnung…

Ach, denk nicht drüber nach, Moni. Führt eh zu nix.

Übrigens – mein Plan für den restlichen Tag? Schnittmuster ausschneiden, zuschneiden, nähen. Denn heute kommt meine snaply-Bestellung an und Mick braucht eine Softshelljacke und ein Hemd, so jedenfalls mein Plan ^^

Bis bald, ihr Lieben!

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „11.09.2019: Kopf-Bestrahlung 5/5

  1. Liebe Monica, du bist so eine starke Frau:) Ich bewundere deinen Lebensmut und lese gern bei dir mit.
    Zum Thema „zu klein für die Kilos“: Ist doch gut. Da hast du etwas zuzusetzen. Und Essen ist doch auch eine total schöne Sache.
    Ich hoffe, deine Pläne sind gut aufgegangen und du konntest gut schneidern.
    Alles Liebe
    Katja

    Gefällt 1 Person

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