Bitte werde wieder gesund, liebe Heidi!

Ich bin es doch noch mal…

Heute Morgen hatte ich meiner lieben Heidi – ihr wisst schon, die Frau, mit der ich mir lange ein Zimmer in der Neurochirurgie geteilt habe – eine WhatsApp geschrieben und sie gefragt, wie es ihr geht, jetzt, wo sie wieder zu Hause sein darf (letzte Woche wurde sie aus der Klinik entlassen).

Sie antwortete nicht sofort und ich dachte mir aber nichts dabei – wenn man kann, warum nicht ausschlafen? Es war ja auch erst acht Uhr.

Vor wenigen Minuten schrieb mir jedoch ihr Mann zurück. Heidi hat gestern Zuhause einen Schlaganfall erlitten und es „sieht nicht gut aus“.

Liebe Heidi, ich weiß, dass du diese Zeilen hier gerade nicht lesen kannst. Aber dein Mann Karl vielleicht, oder Judith, Michi? Deine Enkel Noel, Theo oder Bruno? Dein Schwiegersohn Maurizio oder deine Fast-Schwiegertochter Nadine? Vielleicht auch keiner von ihnen.

Ich möchte diese Zeilen dennoch loswerden:
Ich habe dich als eine unglaublich starke und, ja, auch in deinem Tonfall manchmal recht energische Frau kennengelernt (du weißt, wie ich es meine). So manches Mal gingen wir uns vermutich etwas auf den Keks, aber wirklich angegangen sind wir uns nie und kamen gut miteinander aus. Wir konnten unzählige Stunden lästernd im Bett liegen, uns über den gesamten Krankenhaus- und Stationsablauf beschweren, uns das Maul über unfähige Ego-Schwestern zerreißen und haben viele witzige, aber auch sehr tiefsinnige und ernste Gespräche geführt. Du hast mich (leider nur zeitweise) aus meiner Emetophobie geholt, wir haben gelacht, (heimlich) geweint und unsere Gedanken über unsere Männer ausgetauscht. Die Bilder deiner drei süßen Enkel hingen an deiner Schranktür, ich konnte sie täglich bewundern. Deine Familie kam dich immer besuchen, Karl half dir allabendlich beim Essen, Waschen, Zähneputzen, weil die Neurochirurgie überhaupt keine Zeit für dich hatte. Ich habe den Rollstuhl hinter dir hergeschoben, wenn dich Frau J. und Herr B. stützend über den Stationsflur begleitet haben, du hast mich am „Abführabend“ motiviert und aufgepasst, dass ich nicht auf Toilette abklappe und dir Sorgen gemacht…

Liebe Heidi, du weißt wo du stehst, bist knallharte Realistin, aber keine Pessimistin. Du hast deinen eigenen Dickkopf, der sehr wichtig ist. Und ich hoffe, dass dieser Dickkopf auch dieses Mal stärker ist gegen deine Krankheit. Du hast schon SO viel durchgestanden und ich drücke so die Daumen, dass du noch einmal die Kraft findest, ins Leben zurückzufinden. Ich hoffe schmerzfrei oder mit so wenigen Schmerzen, dass sie gut behandelbar sind.

Aber ich wünsche dir so sehr, dass du deine Enkel noch eine Weile aufwachsen sehen kannst. Dass du die Rente mit deinem Mann noch genießen kannst. Jetzt habt ihr endlich die Zeit und dann kommt dieser beschissene Krebs um die Ecke und macht alles kaputt. Es ist so unfair. Und andere sitzen herum und jammern über ihr ach so lausiges Leben, oder weil der Rücken zwickt oder weil man den Blinddarm herausgenommen bekommt.

Natürlich, es gibt immer Leute, denen es schlechter geht als einem selbst. Das wissen wir beide. Aber ich bin dankbar, dass ich dich kennenlernen durfte und ich hoffe so, dass du wieder gesund wirst und wir noch die Gelegenheit bekommen,  gemeinsam Essen zu gehen, uns noch mal zu treffen, noch mal ein, zwei Sätze miteinander zu reden.

Eines Tages sehen wir uns wieder, liebe Heidi. Egal wo, aber wir sehen uns. Lassen wir das mal so stehen, ja?

Deine Moni

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „Bitte werde wieder gesund, liebe Heidi!

  1. Es ist so rührend, was du geschrieben hast, liebe Monica. Da krieg ich doch glatt feuchte Augen.
    Ich wünsche deiner lieben Freundin das Beste und schicke ganz liebe Gedanken.
    Liebe Grüße
    Katja

    Gefällt 1 Person

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