Montag, 23.09.2019: Erster „Knochentropf“

Hallo ihr Lieben!

Hach, heute bin ich sehr müde. Aber das kommt von den unerholsamen Nächten. Denn da gelingen mir selten mehr als fünf Stunden Schlaf. Nachts kommt man nämlich leider nur allzu gut zum Nachdenken.

Wie dem auch sei: Gestern merkte ich den Tag über schon die Angst vor der Bisphosphonat-Therapie. Stichwort Kiefernekrose. Ein hohes Risiko von 20 Prozent, was ich nun zeitlebens mit mir herumtrage. Dazu gehört auch, dass ich zum Beispiel kein Implantat mehr im Mund gesetzt bekomme, denn das wäre ein Eingriff den Kieferknochen betreffend und damit wäre das Risiko einer Kiefernekrose zu hoch. Aber eben auch die möglichen Nebenwirkungen, beispielsweise Fieber oder grippeähnliche Symptome, machen mir Sorge. Und vor der ersten Chemo stand auf meinem Medikamentenplan, dass ich aktuell kein Kalzium benötige dank erhöhtem Kalzium. Und nun ratet mal, was die olle Lauenstein seit ihrer Chemo vorzugsweise zu sich nimmt? Milch in allen Variationen: Cornflakes, Milchreis, Kakao, „holländische Soße“ (Mehlschwitze)… Ich FRESSE gefühlt eh nur noch. Aber dieser Zustand ist mir tausendmal lieber als Übelkeit oder gar Erbrechen. ICH, spucken, hrhrhrhr. Und wenn jemand von euch sich mit Hypokalzämie auskennt, der weiß vielleicht, dass ein zu hoher Kalziumwert alles andere als gut ist… Diese Gedanken hielten mich letzte Nacht jedenfalls ganz schön lange wach bzw. ließen mich regelmäßig aufwachen mit leichter Atemnot und Unwohlsein. Aber das habe ich fast jede Nacht. Die Nächte fressen mich auf.

Auf jeden Fall kam heute Morgen das Taxi (mit etwas Verspätung) und lieferte mich dennoch pünktlich beim MVZ ab. Ich meldete mich an, gab noch Medikamentenwünsche an und holte mir später das von meiner Ärztin unterschriebene Rezept wieder ab.

Ich erhielt meinen Therapiezettel, steckte diesen in die Box, sodass die Schwestern wussten, dass ich da bin, und nahm in Raum 28 Platz. Dann kam die Schwester und zapfte meinen Power Port an. Erwähnte ich schon, dass Power Port eine absolute Oberdiva ist? Erst einmal liegt das Teil superblöd tief unter meiner Haut, sprich: Man fühlt diese drei Tastpunkte so gut wie gar nicht, ich brauche eine 28 mm-Portnadel und rückläufig ist er auch nicht (mehr). Ein einziges Mal gab er Blut, nämlich auf Intensivstation. Da versuchten es aber auch viele, jedoch nur ein einziger Pfleger war sensibel und vorsichtig genug. Ich meine, es ist ja auch klar: Wenn ich eine Spritze an den Port packe und schnell ziehe, kommt vor lauter Unterdruck so gut wie gar nix. Und er machte das aber so angenehm langsam, dass Power Port super Blut gab. Tja, nix zu machen, hier sind alle zu ruppig oder mein Diva-Knopp unter der Haut nur extrem zickig. Die Krankenschwester erklärte mir aber auch, dass sie Blutabnahmen eh nie über den Port machen. Denn 1. kostet eine Portnadel 15,- und viele Ports sind nur teilweise rückläufig. 2. ist jeder „Anzapfer“ am Port immer ein gewisses Infektionsrisiko, 3. plus Kochsalzlösung ist man mal eben einen Zwanziger los, ohne vorher zu wissen, ob der Port überhaupt Blut abgeben wird.
Wie dem auch sei: Die Krankenschwester war sehr fähig und ich habe sie für ihre Blutabnahme-Kunst gelobt. Denn sie hat es geschafft, mir mit einem einzigen Versuch Blut aus dem Handrücken abzunehmen. Dies ist meine am ehesten brauchbare Stelle(!). Letztlich war die Blutabnahme heute für die Prüfung der Elektrolyte notwendig (da mein Kalzium ja beim letzten Mal erhöht war). Wäre nun was Gravierendes mit meinem Blut, würde man mich anrufen, so sagte man mir. Ich bin gerade sehr selig, dass das Telefon noch nicht geklingelt hat…

Wo waren wir stehengeblieben? Richtig. Bei der Schwester, die Power-Diva-Port anzapfte. Denn wir waren uns die ganze Zeit über gar nicht sicher, ob die Nadel richtig saß. Normalerweise schmecke ich diese Fertig-Kochsalzspülungen auch. Heute überhaupt nichts, null, nada. Aber seit dem Nachmittag ist mein nahezu kompletter Geschmackssinn weg, vielleicht ist DAS das Problem.
Jedenfalls korrigierte sie die Nadelposition am Port sicherlich fünf Mal, spülte auch mindestens so oft, aber ein doofes Gefühl war es schon, nicht genau zu wissen, ob die Nadel nun im Port sitzt oder nicht.

Dann fragte sie mich, ob ich mein Zometa dabei habe. Äh, bitte was hab ich?
Tja, man hatte mir nie das Rezept dafür gegeben, grummel. So nahmen sie nun eine Infusionslösung aus ihrem Fundus, ich erhielt ein 4er Rezept Zometa und gebe nächstes Mal eine Flasche wieder zurück.
Dann kam sie endlich mit meinem „Knochentropf“, der Bisphosphonat-Therapie, schloss alles an, startete die Infusionspumpe und ich griff nach meinem Strickzeug und nadelte die Socke meiner ehemaligen Chefin weiter.

Die Zeit verging dann auch recht schnell, ich wurde wieder abgestöpselt, ging nochmal schnell auf Toilette, erhielt meinen nächsten „Knochentropf-Termin“ und holte dann bei der Anmeldung noch meine unterschriebenen Rezepte ab.

Anschließend wackelte ich zum REWE ins Weisse Ross, denn dort gibt es ab heute Wiener Würstchen im Angebot. Erzählte ich mal, dass Mick Würstchen liebt? Der würde mich sofort für ein paar Wienerle eintauschen! Danach kaufte ich noch ein paar Kleinigkeiten beim dm und schlich dann zurück zur Klinik, damit mich das Taxi von dort wieder abholen kann. Etwas Angst hatte ich schon vor dem Einkauf, so mit Immunsystem und so. Aber ich hoffe einfach, dass ich gesund bleibe. Na ja, GESUND – HAHAHAHAHA!

Kurz vor der Klinik angekommen rief ich dann das Taxi an. Und dann stellte ich mich vors MVZ und wartete. Wartete. Wartete… Nach 20 Minuten rief ich erneut an. Ja, der Fahrer suche mich, wo ich in der Strahlenklinik sei. Hä? Leute, Strahlenklinik war schon lange vom Tisch… Nee, sei noch im Computer vermerkt (zum wiederholten Male, Leeeeute was ist da los?), der Fahrer komme jeden Moment.
Tja, und dann kamen zwei Taxen hintereinander, beide für mich. Nicht mein Problem. Mir tat inzwischen alles weh, ich war müde und wollte heim.

So, und nun sitze ich hier, bin hundemüde, „muss“ aber noch durchhalten. Denn sonst kann ich heute Nacht wieder nicht schlafen. Aber genervt bin ich nun. Leider. Ich will das eigentlich gar nicht. Aber ab einer gewissen Anstrengung am Tag ist dann die Power bei mir raus und dann werde ich leider unleidlich.

Apropos: Nun mag ich auch nicht mehr schreiben, meine Finger sind heute so unangenehm taub, dass das Schreiben schon fast wehtut. Und durch eine andere Patientin vorhin erfuhr ich, dass die Klinik sowas überhaupt nicht stellt. WENN man sich die Hände kühlen will, dann bringt man sein Zeug mit. Mein Onkologe hatte sowas immer in seiner Praxis, pffff. Ich muss mich mal schlaumachen, es sind ja „nur“ noch drei Chemos, aber ich möchte keine dauerhaften Nervenschäden in den Händen. Stricken tut echt weh.

So, ich sage bis bald – Eure Meta-Moni

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Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „Montag, 23.09.2019: Erster „Knochentropf“

  1. Tschaka! Wieder eine schwierige Behandlung geschafft, liebe Moni! Du machst das super!
    Hoffentlich haben die Wiener gemundet.

    Ich wünsche dir ruhigere Nächte, in denen du mehr auftanken kannst. Dass die Gedanken kreisen, knann ich gut verstehen.

    Alles Liebe

    Katja

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