23.10.2019: Mal wieder ein paar Grüße aus dem Krankenhaus…

Hallo ihr Lieben!

Da dümpelt man nach der letzten Chemo am 09.10.2019 so vor sich hin, liegt viel, schläft viel und guckt TV für Vier, hat am 21.10.2019 seinen nächsten „Knochentropf“ (Bisphosponat-Therapie mit Zoledronsäure) und pünktlich abends um 20:00 Uhr begann, so wie auch beim letzten Mal, der Schüttelfrost und die Körpertemperatur stieg. Glücklicherweise hatte ich diesmal keinerlei Knochenschmerzen bzw. so geringfügig, dass sie keine Erwähnung wert sind. Die Temperatur stieg bis Mitternacht auf 39,0° C und ich nahm schließlich eine Ibu. Die Nacht war durchwachsen, schwitzig und anstrengend, um 6:00 Uhr war eine weitere Ibu notwendig, da die Temperatur wieder bis auf  38,8° C geklettert war.
Ich war schon ganz glücklich, als das Fieber erst nicht anstieg – aber zu früh gefreut, das Thermometer zeigte wieder 39,0° C und so nahm ich gegen 15:00 Uhr eine weitere Ibu. Mein schlechtes Gewissen meldete sich langsam, da ich bei Fieber ja nun eigentlich handeln und im MVZ anrufen muss. Beim ersten „Knochentropf“ war das Fieber nach kurzer Zeit verschwunden, aber dieses Mal schien etwas anders zu sein? Schweren Herzens rief ich um 15:45 Uhr im MVZ an, obwohl ich mir schon denken konnte, was ich hören würde.
Und richtig, nach einem Anschiss der Schwester, dass ich so spät anrufen würde (16 Uhr ist Feierabend im MVZ) und meine behandelnde Ärztin schon weg sei, bekam ich zu hören, dass ich auf der MHO I  anrufen soll. Dies tat ich schweren Herzens und hatte kurz darauf einen sehr netten Arzt am Telefon, der mir dringend empfahl vorbeizukommen, da sie ohne Blutbild nicht beurteilen können, woher das Fieber komme.

Also nahm ich mal wieder all meinen Mut zusammen, ging mich waschen, umziehen und ließ von Jörn Strickzeug und Laptop in meinen Koffer packen. Diesen ließ Jörn vorerst im Kofferraum, denn sonst hätten die gleich gedacht „aah, sie hat ihr Gepäck schon mit, dann kann sie hier bleiben“. Die Kinder gingen in der Zeit hoch zu „Omi“ (meiner Mutter) und Jörn fuhr mich in die Celler Straße.

Ich bat Jörn, noch kurz mit hoch zu kommen – man gut, da die Schwester gleich sagte, ich sei stationär aufgenommen, seufz. Also holte er meinen „3-Wochen-Koffer“ (weil er wirklich in keinen KH-Schrank passt) und ich bezog das Zwei-Bett-Zimmer. Dort lag eine nette „ältere“ Dame, 73 Jahre alt. Sie wurde aber heute Vormittag entlassen und seitdem genieße ich jede ruhige Minute, denn das kann sich ja schnell ändern, bis das Bett wieder belegt wird.

Ich hatte mal erwähnt, dass mein Power-Port ne kleine Diva ist, oder? Gestern Abend zeigte er sich mal wieder von seiner besten Seite – nicht. Neun oder zehn Anläufe brauchte es, bis wir ihn angezapft hatten. Vier Anläufe brauchte die Ärztin, holte dann Schwester A. zuhilfe, die „sehr kompetent und Port-erfahren“ sei – sie versuchte ihr Glück zweimal, die aber beide sehr schmerzhaft waren (SO schmerzhaft, dass ich meine Sorge laut äußerte, was das für ein Schmerz gewesen sei, da ich bereits bei Port-Anlage meinen zweiten Pneumothorax erhalten hatte). Der Witz ist: Die Station hat Portnadeln in 15, 20, 25 und 38 mm. 25 mm war zu kurz – man glaubte mir vorher mal wieder nicht. Tja, also habe ich nun den 38 mm Oschi, war ja klar. Die Nadel ist zwar einen Zentimeter zu lang, aber die Schwester hat es hinterher gut verbunden, ich hoffe das hält so noch eine Weile. Jedenfalls bekam es die ach so erfahrene Schwester leider auch nicht hin und so rief die Ärztin ihren Kollegen an. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, kannte ich ihn – ein sehr netter Arzt von der Intensivstation, den ich durch meinen zweiten Pneumothorax her schon kannte.

Auch er stach meinen Port zweimal an, ehe er den Oberarzt holte und sich noch entschuldigte, dass es einfach nicht klappen wollte. Der OA hingegen stach ein einziges Mal zu – und die (überdimensional lange) Nadel saß und mein zickiger Port gab sogar Blut – juchuuuh! DAS wäre nämlich tatsächlich meine größte Angst gewesen: Dass Power-Port kein Blut gibt. Ab und an ist er ja leider nicht rückläufig, aber er hat mich gestern nicht im Stich gelassen, dafür bin ich ihm sehr dankbar! Jedenfalls hatten wir gegen 20:00 Uhr endlich genug Blut von mir und gegen 22:00 Uhr erhielt ich dann die Info, dass meine weißen Blutkörperchen extrem niedrig sein, also ich eine sog. Neutropenie habe. Ich fragte die Ärztin, ob das durch den „Knochentropf“ kommen könne – nein, nein, das sei unwahrscheinlich. Von einer lieben Facebook-Freundin erfuhr ich, dass dies aber durchaus als seltene, aber eben als Nebenwirkung der Zoledronsäure vermerkt ist. Ich fragte ja unmittelbar vor dem Knochentropf die Schwester noch, ob wir vorher ein Blutbild machen: „Nein, nein, das ist nicht vorgesehen.“ Tja, hätten wir eines gemacht, hätten wir die wenigen weißen Blutkörperchen schon sehen können und man hätte die Therapie verschoben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mit meiner Ärztin morgen reden und sie bitten möchte, dass wir dies künftig so machen. Ich habe nämlich keine Lust, nun jeden Monat hier zu landen, weil es „ups“ dann doch vom Knochentropf kommt.

So, heute Früh hatte ich dann mein Kontroll-CT vom Abdomen, Thorax und Becken. Ursprünglich war dies ja ambulant geplant, aber mein Körper ist ja scheinbar auch eine Diva und braucht immer etwas Extrawurst, aber der Termin konnte erfreulicherweise einfach auf „stationär“ umgebucht werden. Ich trank also brav ab 07:00 Uhr meinen Liter Wasser und um 08:30 Uhr ging ich runter und meldete mich in der Röntgenabteilung an. Kaum angemeldet – zack, schon wurde ich aufgerufen und es ging los. Ich sprach kurz mit dem Arzt, kannte ja aber bereits die Risiken und möglichen Nebenwirkungen, bekam meinen Port gespült und dann konnte ich auch schon durch zum CT. Dort wurde ich an die automatische Kontrastmittel-Pumpe angeschlossen (bzw. mein Port) und schon ging es los. Und unter uns gesagt: 39 Sekunden die Luft anhalten fällt mir total schwer. Seid ihr auch so kurzatmig? Haha. Testet es mal aus, ich finde das echt nicht einfach.

Ich verdrängte meine Angst vor dem Untersuchungsergebnis und ging wieder hoch auf Station. Meine Bettnachbarin wurde schließlich entlassen und schon bald darauf klopfte eine sehr nette Psychoonkologin an die Tür, der ich eine Stunde lang die Ohren volljammerte. Na ja, ihr Job – und meiner ist wohl das Ningeln.

Zwischenzeitlich klopfte es an die Tür – und Herr Prof. Dr. K. und Dr. Sch. kamen herein: Visite. Ich fragte, ob die Neutropenie nicht vom Knochentropf sein könne – hm, das sei sehr unwahrscheinlich, es könne aber sein, dass mein Wert eh schon sehr niedrig war und durch den Knochentropf hätte ich dann „den Rest“ bekommen, aber wahrscheinlicher sei zeitlich eher der Abfall der weißen Blutkörperchen, wie er nach einer Chemo üblich sei. Dann fragte ich noch, wie lange sie schätzen, dass ich hier bleiben muss, da ich am Montag, den 28.10.2019 nachmittags im HEH ein Kontroll-MRT vom Kopf habe. Aber der Prof. schien ganz zuversichtlich, den Termin sollte ich bestehen lassen, den Eindruck, den ich mache und so wie ich aussehe, sähe er keinen Grund, dass ich Montag noch hier sei. Alles klar, danke!
Dann sagte er noch, dass noch keine Bilder vom CT vorlägen, sie verabschiedeten sich und ich wollte gerade mit der Psychoonkologin weiter reden, da klopfte es erneut an die Tür – und Prof. Dr. K. steckte seinen Kopf nochmals zur Tür herein. Die Bilder vom CT seien doch schon da und die Lymphknoten am Brustbein seien nun unter einem Zentimeter, also deutlich kleiner geworden, und diese Info wollte er mir nur schnell mitteilen, dann sei die Zeit des Wartens bis morgen (zur Befundbesprechung bei meiner Ärztin) nicht so lang. Ich atmete laut hörbar erleichtert auf und bedankte mich für diese Information. Ich hätte ihn am liebsten gefragt „Und? Die anderen Metastasen?“, aber wollte nicht hysterisch wirken und beließ es dabei. Alles weitere werde ich ja morgen erfahren, aber zumindest die Lymphknoten im Brustbeinbereich scheinen die Chemo nicht so zu mögen.

So, ihr kleinen Mäuse, ich bin nun echt müde, der Vormittag war voll mit Nachrichten, Untersuchungen und Gesprächen und ich werde mich jetzt in dieses (echt unbequeme, weil nicht heimische) Bett legen und etwas TV gucken und hoffen, dass meine Kopfschmerzen langsam mal verschwinden. Ich versuche euch weiter auf dem Laufenden zu halten, aber durch meine tauben Finger ist es wahnsinnig anstrengend zu tippen, weil es sich dauernd so anfühlt, als würden mir beide Arme einschlafen.

Bis bald!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

2 Kommentare zu „23.10.2019: Mal wieder ein paar Grüße aus dem Krankenhaus…

  1. Meine Liebe, du bist so tapfer, da schäme ich mich fast mit meinen Zipperlein! Übrigens kann die Ex Raucherlunge mit aufkommender Panik 40 Sekunden die Luft anhalten!!! 🤪 ich drück dich dolle und mach weiter auch mit jammern und niggeln! Du darfst das! Lg. Babsy

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  2. Liebe Moni,
    ich komme gerade vom Yoga und da hatten wir zum Schluss eine Heilmeditation. Wir konnten überlegen, ob wir für uns selbst oder für andere meditieren und Energie schicken. Ich habe mir erlaubt, während der Zeit ganz dolle an dich zu denken und hab positive Energie zu dir auf den Weg geschickt. Ich hoffe, sie kommt an:)
    Schön, dass du eine Psychoonkologin als Ansprechpartnerin hast. Du darfst bei ihr jammern und „herumningeln“, aber auch hier bei uns. Du bist so tapfer, aber Traurigsein muss auch drinsein. Insofern: Nimm dir alles raus:) Ich lese immer gerne bei dir mit.

    Alles Lieb

    Katja

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