27.11.2019: Chemo 4/4 – Und jetzt?

Hallo ihr Lieben!

Heute war es soweit: Ich habe die vierte der vier geplanten Chemos erhalten. Fühle ich mich nun besser? Erleichtert? Glücklich? Ü-ber-haupt nicht.

Warum nicht? Der Tag begann schon blöde, weil ich Hohlnuss gestern Abend in meiner Müdigkeit und oh-nein-Romy-ist-leicht-schlecht-Emetophobie-Panik in meinem Taxi-Online-Bestellformular die Abholzeit mit „8:45 Uhr“ statt „7:45 Uhr“ angegeben hatte. So wartete ich bis kurz vor 8 Uhr, bis ich überhaupt in der Zentrale anrief, und direkt vorher dachte ich: „Oder hast du eine falsche Zeit angegeben?“. Ein Blick in die Mails verriet meinen Fehler dann auch. Ich rief an und die Dame am Telefon cancelte den 8:45 Uhr-Termin und meinte „ich schicke Ihnen sofort einen Wagen“. Nach 14 Minuten kam dann endlich ein Taxi und ich war natürlich später im MVZ als geplant. Ich rief aber um 8:20 Uhr dort an und entschuldigte mich für meine kommende Verspätung. Es sei aber in Ordnung, man wollte nur wissen, zu wann ich es schaffen würde, da meine Therapie ja über sechs Stunden dauert. Schließlich bestellte ich mir um 15:35 Uhr mein Taxi nach Hause.

Bei der Anmeldung kamen wir kurz ins Gespräch und ich erwähnte, dass ich gar nicht wisse, ob ich zur Immuntherapie und Knochentropf ab dem neuen Jahr, also nach meinem Neurologen-Termin, werde selbst fahren dürfen. Da sagte mir die Schwester an der Anmeldung die bösen Worte: „Eigentlich nicht – aus versicherungstechnischen Gründen nicht!“ Da war mein Tag schon gelaufen. Es schmerzt ja schon unter normalen Umständen, sich mit dem Taxi fahren zu lassen. Aber es tut RICHTIG weh, wenn man seit Ende Juni nicht mehr fahren durfte. Verstehen kann ich es ja, aber die Antwort schmeckte mir gar nicht…

Der „blöde Tag“ zog sich dann so durch. Denn mir fiel kurz nach der MVZ-Ankunft auf, dass ich sowohl mein Handy- als auch Laptop-Ladegerät zu Hause vergessen habe. Ein Handy-Ladekabel fand ich in meiner Tasche, aber ohne Laptop-Strom brauchte ich mir auch keine teure 3-Euro-Tageskarte fürs Krankenhaus-Internet zu kaufen. Und so zog sich der Tag wie zähes Kaugummi. Ich hatte glücklicherweise mein Strickzeug dabei, aber da schaffte ich es, in der Ferse irgendwo einen Maschenanzahl-Fehler zu machen, sodass ich meine schönen Bootswalksocks

von DUCATHI nach kurzer Zeit wieder genervt weglegte. Heute wollte so gar nix vernünftig klappen. Ich hoffe, ich kriege den Fehler noch entwirrt, ich ertrage keine fehlerhafte Maschenanzahl. Jaaa, so ein Pingelbär bin ich!

Zumindest Power-Porti ließ sich wieder beim ersten Mal einwandfrei anzapfen. Wenigstens etwas!

Um die Mittagszeit herum kam Frau Dr. A. zu mir ins Therapiezimmer und ich konnte meine Fragen stellen. Auf mich wirkte sie aber heute so… ach, ich weiß immer nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich fragte sie bezüglich einer Reha und sie befürwortete das in meinem Fall, damit ich Kraft tanken könne, auch wenn es in meinem Fall ja kein Therapieende gäbe. Sie hasse Reha-Anträge nur (dem Inhalt nach) und bot mir an, dass wir diesen zusammen ausfüllen könnten. Ich wurde das Gefühl aber nicht los, als… ja, keine Ahnung, als wisse sie mehr? Als hätte ich doch nicht mehr so ewig lange zu leben? Wie gesagt, ich kann es nicht gut beschreiben, oder aber ich interpretierte wieder viel mehr in ihre Worte hinein. Meine Schwester beruhigte mich eben auch noch und schrieb, dass die Ärztin nichts von Palliativmedzin erwähnt habe und sonst auch keiner Reha zugestimmt hätte. Hm, vielleicht aber doch? Wäre ja nicht IHR Geld.
Keine Ahnung. Heute ist mein Glas auch halbleer, ich fühle mich so… in der Luft hängend. Plötzlich ist die Chemo zu Ende. Wieder mal. Aber die Freude ist heute irgendwie nicht vorhanden. Weil ich nicht wirklich weiß, wie es weitergeht. Während der Chemo hatte man noch diesen „Jaaa, zeig es dem Krebs“-Kampfgedanken. Aber der fällt nun weg. Bleiben „nur“ noch Knochentropf und Immuntherapie. Und ich weiß ja, dass mir das Zeit verschaffen soll. Sagt sich auch so leicht. Aber sich wirklich vor Augen zu führen, dass dies womöglich nur lebensverlängernde Maßnahmen sind, macht mir weiterhin gnadenlose Angst. Ich meine, Fakt ist, dass wir alle sterben. Aber was, wenn ich in meinem Alter noch nicht bereit bin zu gehen? Ich habe doch noch soooo viel vor! ZEITNAH!
Beispiele:

  • Softshelljacke für Mick zuschneiden und nähen (zuschneiden wollte ich letzte Woche schon und ich musste abbrechen, aber mich auf den Boden knien tut mir zu sehr weh, hätte es vor der Chemo auch schon, aber jetzt kommt diese dämliche Müdigkeit immer dazu…)
  • Brief ans Beschwerdemanagement Klinikum Salzdahlumer Straße (ich schiebe es seit der Entlassung vor mir her, sooo viel zu tippen, sortieren, im Blog recherchieren, was wann war…!)
  • Bine Brändle-Malvorlagen colorieren, ölen und an die Fenster kleben bzw. Fenster mit Acrylmarkern bemalen
  • Bootswalksocks, Schal, Mütze und Schneemann-Pullover stricken (jaa, ich habe nun tatsächlich doch noch mal Wolle bestellt, flööööt. Mich aber sehr geärgert, weil es a) fünf Tage gedauert hat, ich bin ja inzwischen Amazon Prime-same-day oder next-day-Lieferung verwöhnt, b) hat man vergessen, meinen Stadtnamen zu schreiben, nur „Br“ steht auf dem Etikett. Gut, dass DHL Postleitzahlen lesen kann…), nee, bei DEM Shop bestelle ich garantiert nicht noch einmal!)
  • Wohnung weihnachtlich dekorieren
  • acht weitere Bine-Brändle-Laternen colorieren, ölen, mit Käseschachteln und LED-Teelichtern in Dauer-Laternen verwandeln
  • Nudelholz im bemalten Bine-Brändle-Style mit speichelfestem Klarlack lackieren


So, das nur die AKUTEN Pläne der nächsten Tage bzw. alles zeitnah vor Weihnachten. Aber irgendwie hakt alles. Seit Monaten. Es reicht.

Jedenfalls befürwortete sie meinen Plan, es gebe auch Kliniken, die die Immun- oder Knochentropf-Therapie durchführen könnten oder man würde im MVZ die Termine so dängeln, dass ich kurz vor Reha-Beginn beides erhalte, dann Reha und direkt im Anschluss wieder die Therapien.
Eine große Sorge, neben meiner blöden Emetophobie (und die ein, zwei Leser von damals, die bereits seit meinem Brustkrebs diesen Blog lesen, wissen vielleicht noch, dass wir in der Ostseedeich-Klinik Grömitz damals am Anreisetag als erstes eine kleine Flasche Sterilium in die Hand gedrückt bekamen, es gäbe aktuell Magen-Darm in der Klinik – meine Angst kommt also nicht von ungefähr!) ist, und haltet mich jetzt bitte nicht für NOCH bescheuerter als ohnehin schon: Hm, wie beschreibe ich es? Also ich würde schon gerne in eine Klinik kommen, die sich mit CUP-Syndrom-Patienten auskennt, vielleicht sogar mehr als einen, nämlich mich, dort rehabilitiert. Es klingt sooo arrogant, aber ich möchte nicht immer so mitleidig wie ein angeschossenes, nur noch leicht zuckendes Häschen angeschaut werden, wenn man mich fragt „und welchen Krebs haben Sie?“ und ich wieder ewig weit ausholen muss, dass es sich CUP-Syndrom nennt, also „Cancer of Unknown Primary“, ich aber auf Bronchialkarzinom behandelt werde, eine Metastase im Hirn hatte, sowie Brustwirbel, zwei in der Leber, Sitzbeinhöcker, vergrößerte Lymphknoten im Brustbeinbereich, aber ja mein letztes CT keinerlei Anzeichen für diese Sachen mehr zeige blaaa blubb… Mich nervt mein Gesundheitszustand ja selbst täglich. Aber ich kann mit „aaah, oooh, oh weia, alles Gute für Sie“ immer nicht so viel anfangen. Ja, dafür können die Leute nichts. Aber ich hätte manchmal auch gerne einfach wieder ein simples „ich habe Krebs xy“. Aber nein, ICH nehme ja immer das Super-Deluxe-Arsch-Programm.
Heute hatte ich im Therapiezimmer u. a. eine Dame gegenüber von mir sitzen, die alle drei, vier Wochen eine Bluttransfusion braucht, weil ihr Körper zu wenig neues eigenes bildet (Blutarmut). Die Frau war sehr nett, 80 Jahre alt und erwähnte ihre diversen Geschichten mehrere Male. Und ich saß da, hörte interessiert zu, ertappte mich aber insgeheim dabei, dass ich dachte „jaa Ömchen, alles gut, das erzählst du gerade zum dritten Mal. Und eine Bluttransfusion ist garantiert nicht angenehm, aber alles wird gut für dich!“. Ich weiß, ich bin da wohl sehr, sehr unfair. Aber ich kann es aktuell noch nicht wirklich abstellen. Ich hoffe, dies zeitnah zu erlernen. Ich erwische mich aber oft beim „wie, DAS ist DEIN Problem? Meine Güte, willst du wirklich mal welche?“ Aber dann klinge ich auch so, als sei ich der Nabel der Welt und alles müsse sich nur um mich drehen. Neee, es ist mal gut nun. Ich WILL das alles nicht, ich möchte mal vom Krebs-Gedanken runterkommen. Mal wieder einigermaßen normal leben. Einfach LEBEN. Solange ich noch kann. Ich hoffe, es wird klappen. Noch lange. Aber wer definiert lange? Selbst die kleine, sicherlich nett gemeinte Äußerung der einen Schwester heute Vormittag hat mich eiskalt erwischt. „Jaa genau, setzen Sie sich KLEINE Ziele. Samstag werden Sie 37. Und dann Weihnachten. Dann Ostern. KLEINE Ziele sind wichtig!“ Ich möchte aber eigentlich gar nicht sooo kurze Zeit im Voraus denken, weiß aber, dass ich das MUSS. Und ich hasse diesen Gedanken so sehr!

Wie dem auch sei: Zudem erzählte ich ihr ganz enttäuscht, dass die Schwester an der Anmeldung meinte, ich solle aus versicherungstechnischen Gründen nicht selbst fahren. Frau Dr. A. schmunzelte, meinte, es gäbe keine Überwachungskameras auf dem Parkplatz, aber ja, eigentlich solle man das nicht. Es gäbe aber tatsächlich Probleme mit dem Versicherungsschutz, wenn es zu einem Unfall käme. Aber ich erhalte bei beiden Therapien keine ermüdenden oder bewusstseinstrübenden Wirkstoffe, bei denen sie mir aus medizinischer Sicht dringend vom eigenständigen Fahren abraten würde. Letztlich müsse ich selbst entscheiden. DIE Antwort passte mir schon eher. Aber ich bin ja nicht blöde, die ersten ein oder zwei Immuntherapien werde ich mir noch ein Taxi bestellen, eben weil ich nicht weiß, ob und welche Nebenwirkungen von der Chemo und welche vom Pembrolizumab kommen. Aber ich möchte einfach wieder ein wenig Normalität in mein dämliches Krebs-Leben bringen. Und das hat sie wohl auch verstanden. Sie meinte auch, dass ich meiner Neurologin Anfang Januar Bescheid sagen soll, dass ich das Kontroll-MRT von Ende Januar noch auf Wunsch nachreichen kann, aber das MRT Ende Oktober sei ja schon sehr gut gewesen. Ich hoffe so sehr, dass es dann zeitnah zu einer Fahrerlaubnis kommt. Aaaaaaber ich warte ab, man hat ja schon Pferde…
Zudem äußerte Frau Dr. A. noch, dass ich nun noch ein Kontroll-CT erhalte. Ich fragte nach dem Vorgehen und sie meinte, den Termin bekäme ich. Toll, was für eine Aussage, egal. Ich würde nachmittags an der Anmeldung fragen.

Als ich schließlich nachmittags endlich fertig war, fragte ich nach dem kommenden Pembrolizumab-Termin, also den der Immuntherapie. Diesen Wirkstoff hatte ich ja immer mit der Chemo zusammen erhalten. Die Schwester antwortete mir, dass meine Akte nun nach vorne geht und ich dann einen Termin an der Anmeldung machen könnte. Alles klar. Ich ging also nach vorne und man teilte mir mit, sie würden mich anrufen oder, da Frau Dr. A. für den 16.12., also den Tag vom Knochentropf-Termin, einen Besprechungstermin für mich eingetragen habe, würde sie mir das dann mitteilen. Meine Akte sei ja noch nicht da.
Zudem fiel mir noch ein, dass ich ja einen Termin fürs Kontroll-CT brauche. „Ja, nee, also entweder erfahren Sie den Termin am 16.12. bei Frau Dr. A. oder wir rufen Sie in den nächsten Tagen an. Ooooder aber Sie kriegen Post.“ Hm, gut, also warte ich, hrmpf.
Ah, einen neuen Beförderungsschein brauche ich auch noch, das Jahr ist ja demnächst rum! „Ja, dazu brauche ich aber die Unterschrift von Frau Dr. A. und die ist schon drüben in einer Besprechung.“ Argh, okay, alles klar, ich erfrage es also am 16.12. Seufz. Da hat man eh schon den Kopf voll, muss auf alle möglichen Rezeptausstellungen, Termine und Fragen denken und dann wird immer alles abgeschmettert. Ohne meinen Handykalender wäre ich aufgeschmissen.

Jörn und die Kinder kränkeln auch. Jörn ging es gestern Mittag so schlecht, dass er sich von seiner Arbeit abgemeldet, Mick aus dem Kindergarten geholt und anschließend hingelegt hat. Leichte Übelkeit, leichte Kopfschmerzen, aber extreme Müdigkeit. So äußert sich es oft, wenn er droht krank zu werden. Ich habe ihn dann schlafen lassen und heute lag er auch fast ausschließlich. Ich kam erst nachmittags heim, also hatten die Kinder einen ziemlich medienlastigen Tag mit TV und Spielen. Nicht so schön, aber darf in so einer Situation auch mal sein.
Abends sah ich noch mal nach Romy und sie äußerte schließlich leichte Übelkeit. Erwähnte aber auch gleich, dass sie hoffe, heute zur Schule zu können, weil sie Sachunterricht so mag. Dahingehend kann ich ihr (noch?!) glauben. Es war mittlerweile 21:30 Uhr (sie schlief schon immer so schlecht ein/durch), ich beruhigte sie, stellte ihr ihren Anna & Elsa-Mülleimer neben das Bett (ich fühle mich dann gleich besser, ich alter Kontrollfreak) und wünschte ihr eine gute Nacht. Ich Emetophobie-Panikhase geriet sofort in Grübelei, von was ihr schlecht gewesen sein könnte, kam aber zu keinem Ergebnis. MAGEN-DARM?????!!!!! Ich legte mich auf die Couch und dachte nur immer „bitte lass sie jetzt nicht zu dir kommen, weil sie gespuckt hat“. Ja, ich habe leider akute Probleme in dieser Situation und bin nicht fähig, dies zu beseitigen. Keine schöne Phobie 😦 (okay, welche Phobie ist schon schön für den Betroffenen? Haha). Habe ich schon erwähnt, dass ich diese Jahreszeit inzwischen so furchtbar hasse? Früher dachte ich „aaawww, Weihnachtsmarkt, Wohnung dekorieren, Schnee, Schneemann bauen, diese besinnliche Ruhe in der Stadt, wenn es geschneit hat – ja, sogar Eiskratzen oder Auto
Und Mick hustet seit einigen Tagen extrem. Aber dem geht es soweit gut, nur nachdem Jörn ihn gestern vorzeitig geholt hat, muss der arme Knopf nun zu Hause sein Dasein fristen. Aber Jörn soll sich in Ruhe auskurieren. Mick hat hier genug Spielzeug und Freitag muss er eh bei mir bleiben. Denn da hat Romy Weihnachtsbasteln in der Schule und Jörn hatte sich angemeldet, sie zu begleiten und gleichzeitig den anderen Mitschülern zu helfen. Ich hoffe, sie sind alle bis Freitag komplett fit!

Letztlich war der Tag heute irgendwie eine Katastrophe. Frau Dr. A. beantwortete meine Fragen mehr oder minder zufriedenstellend und so sieht meine Agenda für morgen Früh wie folgt aus:

  • Anruf Kardiologe (bei dem, wo ich zu Brustkrebs-Zeiten schon war), ich solle mir einen Termin wegen meinem Perikarderguss geben lassen, der könne das regelmäßig prüfen (tja ja, kaum hat man keine Chemo mehr, wird man zu seiner „eigenen“ ambulanten Praxis geschoben). Keine Ahnung, wie er diesen Zustand sehen wird, Frau Dr. A. ist der Meinung, dass ein klinisch kritischer Perikarderguss auch klinische Symptome hervorrufen würde. Ich hoffe sehr, sie hat recht!
  • Anruf MHH Hannover, aktuellen Gesundheitszustand durchgeben und erfragen, ob bestehender Besprechungstermin im Jahr 2021 ggf. vorverschoben werden kann, da sich die Fakten geändert haben, evtl. alle Befundberichte vorab mailen/faxen/per Post übersenden.
  • Anruf bei der TK, da ich (schweren Herzens, meine Kinder – aber eine Mutter-Kind-Kur wäre mir zu viel Stress und Mick würde nie von seinem Papi weggehen wollen und Romy nie in die Schulbetreuung!) einen Antrag auf Reha stellen möchte. Meine Schwester rief dort heute schon an, aber aus Datenschutzgründen konnte man ihr nicht alles beantworten. Sie meinten nur, es gäbe einen Reha-Antrag, meine Ärztin wisse schon welcher das sei, den müsste sie ausfüllen und an die TK schicken, und die würden dann entscheiden, ob das an die Deutsche Rentenversicherung geht oder an sie selbst. Aber ich merke, dass ich diesen „Schlussstrich“ dringend benötige. Drei Wochen hier raus kommen, Kraft tanken, evtl. sogar andere Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild kennenlernen, versuchen die Krankheit zu akzeptieren, Ängste besprechen, Optionen erfragen… Aber gibt es überhaupt eine Klinik mit so kaputten Leuten wie mich? Ich fühle mich wie eine Porzellanpuppe, die heftig heruntergefallen ist und geklebt wurde, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Kleber den Geist aufgibt… :-/
  • Anruf MVZ, fragen, ob Frau Dr. A. den Reha-Antrag am 16.12. mit mir zusammen ausfüllen könne oder ob ich einen separaten Termin dafür bräuchte.
  • Anruf Hausarzt: Blutbildwerte faxen/mailen, ob Schilddrüsenwerte in Ordnung sind, dann Rezept für Euthyrox xy µg sowie Überweisung für Mammo- und Sonographie für Januar ausstellen lassen (für beides fühlte man sich heute nicht mehr zuständig „das kann Ihr Hausarzt doch ausstellen, oder hatten Sie schon Euthyrox von uns? Und wenn er schon mal dabei ist, die Überweisung doch auch!) Danke für nix…!

Meine EU-Rente ist auch noch nicht bewilligt (abgeschickt Ende September!), ich erhielt vor einigen Tagen einen Anruf von der AOK, ich hätte EU-Rente beantragt, sei ja aber bei der TK versichert… Richtig, die DRV hat die falsche Krankenkasse kontaktiert, seufz.
Inzwischen habe ich eine Mail von der TK erhalten, ich sei nun nicht mehr über Jörn familienversichert, sondern – falls die Rente bewilligt würde – über die DRV. Okay, ich gebe zu, das wusste ich nicht. Das sind so Fakten, von denen ich nie gedacht hätte, sie mit 36 Jahren schon wissen zu müssen.
Zudem warte ich auf einen Retoureschein vom Nicole-Jäger-Fanshop. Dort hatte ich u. a. ein Shirt mit V-Neck-Ausschnitt bestellt, aber eins mit Rundhalsausschnitt erhalten, hatte dies reklamiert und man antwortete mir, ich könne es, wie in den AGBs angegeben auf eigene Kosten zurückschicken, da mir das Shirt ja nicht gefalle. Ich schrieb erneut hin, dass eine Falschlieferung sicher nicht auf meine Kosten zurückgesendet werden müsse – und DANN erst schrieb man mir, dass sie mir nun den Retourenaufkleber zusenden. Ich bin ja mal gespannt. Ich meine, wir reden hier von 5,00 Euro Warenwert. Aber V-Neck in Schwarz steht mir echt überhaupt nicht, die dunkle Farbe erschlägt meinen Alpinaweiß-Teint.

So, was gibt es sonst noch? Ich glaube, für heute war der Tag turbulent genug. Mein Kopf ist voller Fragen, zudem hoffe ich, morgen fit genug für die vielen Anrufe zu sein. Ich muss an sooo viel denken und mein Kopf ist eh schon so voll. Ich bin so hundemüde, vielleicht lege ich mich doch gleich hin, ist auch schon nach 23:00 Uhr. Aber ich habe so eine Unruhe in mir, gnäh. Auf jeden Fall habe ich euch wieder ganz schön mit meinen Sorgen vollgerotzt. Nun werde ich warten, ob und welche Nebenwirkungen auf mich einprasseln, ob ich wieder eine Neutropenie bekomme oder was mich noch so alles erwartet. Man gut, dass ich nicht hellsehen kann!

Ich hoffe, ich habe nichts doppelt und dreifach erwähnt. Ich habe meiner ehemaligen Chefin vorgestern geschrieben und bin nicht sicher, ob ich manches nicht auch hier schon geschrieben habe – wenn doch, sorry!

EINE schöne Nachricht habe ich aber noch für euch: Ich hatte letzte Woche einige Tage ziemlich starke Schmerzen in der rechten Brust, habe versucht cool zu bleiben, aber mein Panik-Häschen-Modus schaltete sich schließlich ein und so holte ich mir einen „Beruhigungs-Ultraschall-Termin“ (sobald ich das Bedürfnis habe: Anrufen, Termin holen!) bei Frau Dr. K., einer Ärztin, die bis vor ein paar Jahren im Brustzentrum gearbeitet hat und heute in der Praxis meiner Gynäkologin arbeitet, die am Montag erst nachmittags da war. Aber da ich Montagvormittag eh zur Blutbildkontrolle ins MVZ musste und die Gyn-Praxis ganz in der Nähe ist, konnte ich im Anschluss daran direkt hin (und im Anschluss zurück zum MVZ, nur von dort darf mich das Taxi abholen, weil mein Beförderungsschein nur für zu Hause/MVZ gültig ist).

Jedenfalls: Beide Brüste sind komplett unauffällig, es scheint eher ein Schmerz von meiner sehr stark unter Spannung stehenden und verhärteten Narbe zu sein. Puuuh, ein Glück! Eine Sorge weniger. Und im Juni 2020 bin ich dann wieder zur Vor- und Nachsorge dort (ich nehme sozusagen alle Sorgen, was die Sprechstundenhilfe zum Lachen brachte, den kannte sie noch nicht ^^ Dabei war es ein spontaner Witz meinerseits und meiner Meinung nach ein recht flacher…). Aber Ende Januar habe ich erst einmal Kontroll-MRT und Mammo- und Sonographie in der Radiologiepraxis. Hoffentlich genauso erfolgreich wie der Ultraschall.

In drei Tagen „feiere“ ich meinen 37. Geburtstag, wenn alles gut geht. Ich war selten so dankbar, ein Jahr älter werden zu dürfen. Und ihr werdet lachen, aber die grauen Haare, die ich früher aus lauter Arroganz ganz schnell ausgezupft habe, dürfen künftig für immer bleiben und ich werde jedes einzelne mit Stolz tragen. Auch werde ich meine Haare wieder wachsen lassen, weil ich mit diesem „Knick“ in meinem Kopf nicht länger konfrontiert werden möchte.

Und allein der Gedanke, dass mir eine Friseurin diese Stelle mit einem Langhaarschneider bearbeitet? Brrrr, niemals!

Und da ich in drei Tagen meinen 37. Geburtstag feiere, habe ich soeben bei Facebook noch eine Spendenaktion für die Deutsche Krebshilfe erstellt. Jeder Cent hilft – vielen, vielen Dank euch allen!

Soooo, nun aber Ruhe hier!

Bis bald,
Eure Chemo-ni 😉

 

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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