Und schon ist der vierte Advent!

Hallo allerseits!

Hier ist sie wieder – Rentnerin Monica… (erwähnte ich bereits, dass ich ein großes Problem mit diesem Begriff/Umstand habe? Ja? Alles klar…).

Mick ist, bis auf seinen gemeinen Husten, wieder recht fit, dafür kränkelt Jörn immer noch, schnieft, hustet und sieht auch echt matschig aus. Bei mir will der virale Infekt scheinbar weder vor noch zurück: Heute habe ich Halsschmerzen, fühle mich schlapp und „krebsig“ (mir geht der letzte CT-Befund leider tags wie nachts nicht aus dem Kopf und belegt meine Stimmung mit einer fast unerträglichen Schwere, die ich hier aber echt für mich behalten muss). Zudem bin ich gestern Abend sehr früh eingeschlafen, das hat man davon, wenn man den ganzen Tag auf ist und „viel“ macht (na ja, für meine Verhältnisse, ich habe z. B. die Betten der Kinder und meine Couch überzogen, Jörn wollte sein Bettzeug noch behalten) und keinerlei Mittagsschläfchen hatte. Und so lag ich abends hier, fror fürchterlich und schlief schließlich ein. Zwischendrin wurde ich immer wach und nahm mir fest vor, nun wach zu bleiben, ich wollte schließlich „Der Quiz-Champion“ im ZDF sehen, für Arlo & Spot war ich gestern zu weinerlich… Und ja, ich kann bei Arlo & Spot IMMER heulen! Was, ihr kennt den Film nicht? Na dann aber mal ganz schnell gucken!
Jedenfalls klappte das „Wachbleib-Vorhaben“ nicht und ich schlief immer wieder mal ein. Zwischendrin schlich ich im Halbschlaf nochmals aufs Klo und zappte anschließend durchs Programm, bis ich bei Sixx und „Paranormal Witness“ hängenblieb. Aber das ist fürs erneute Wiedereinschlafen nicht zwingend förderlich, wenn man hier eh schon – warum auch immer – nervös auf der Couch liegt und sich dauernd fragt, ob gleich eines der Kinder zu mir ins Wohnzimmer kommt, weil: schlecht geträumt, wird krank oder hat Magen-Darm (dank meiner Phobie auf ewig mein Hass-Winter-Thema Nummer 1!). Meine Phobie wurde wieder zusätzlich geweckt, als sich Donnerstag Abend erst ein Erzieher von Micks Kindergarten per WhatsApp-Elterngruppe wegen Ohrenschmerzen krankmeldete und sich dann noch sechs oder sieben andere Eltern meldeten, die alle nach und nach ihre Kinder ebenfalls krank abmeldeten. Theoretisch nicht weiter tragisch, wenn nicht EINE EINZIGE Mutter geschrieben hätte, dass ihre Tochter auch zu Hause bleibe, da sie sich übergeben hätte… KREISCH! Und sofort habe ich das Bedürfnis, meine Kinder für immer hier einzusperren und allem Bösen da draußen fernzuhalten… 😦

Zu meiner schon vorhandenen keine-genaue-Ahnung-warum-überhaupt-Nervosität ging ab und an auch noch der Bewegungsmelder im Flur an und ich bekam einen halben Herzinfarkt – aber es kam niemand. Da fängt man dann an zu grübeln, ob diese gruseligen TV-Sendungen etwas mit dem Licht zu tun haben könnten… Fieeeeep!
Irgendwann nickte ich ein – und wurde wieder wach, nickte wieder ein – schrak wieder hoch… Bis es mir wirklich zu blöd war und ich den Fernseher ausschaltete. Merke dir, liebe Moni: Keine Gruselstories im TV, wenn du wieder einpennen willst!

Noch eine kleine Geschichte für euch, die mich letzte Woche sehr beschäftigt hat:
Meine Ärztin besprach ja letzte Woche mit uns meinen neuesten CT-Befund (siehe hier). Sie erklärte u. a., dass sie die Klinik in Heidelberg kontaktieren wolle, die hätten ein sog. Masterprogramm, gerade für junge Patienten, fragte mich, welche Klinik für mich infrage käme (ob Heidelberg, Dresden oder Charité in Berlin) und ich stimmte für (logischerweise?!) die Charité. Ja, okay, aber sie betonte mehrmals, wie gut die Klinik in Heidelberg sei und dass eine Gewebeprobe-Entnahme dort am sinnvollsten wäre. Rein theoretisch ginge das auch direkt in Braunschweig, aber das Verfahren sei kompliziert, weil das direkt eingefroren werden müsste usw. Hm, okay, alles klar. Ja nun, müsste ich eben nach Heidelberg. Wo ich noch heute grübele, wie genau ich dort hinkommen soll, aber mal sehen.

Wie dem auch sei, am 18.12.2019 hatte ich um 12:00 Uhr meine erste „eigenständige“ Immuntherapie, also den Wirkstoff Pembrolizumab, und fragte die Schwester beiläufig, ob sie mir sagen könne, ob meine Blutwerte denn soweit in Ordnung seien, dass ich vielleicht nach der Therapie noch ins „Weiße Ross“ zum Bummeln gehen könne. Ich wollte so gerne einfach mal wieder etwas anderes sehen als meine vier Wände und die Couch. Außerdem hatte ich Mick einen Paw-Patrol-Schlafanzug versprochen. Sie versprach, sich meine Werte anzuschauen, meinte aber gleich, dass sie sooo schlecht nicht sein könnten, da ich sonst vorab angerufen und die Immuntherapie abgesagt worden wäre. Ich stimmte zufrieden zu, nahm mir wieder mein Strickzeug und schaute weiter „This is us“ auf dem Laptop (jaa, ich nehme sogar für ne 2-Stunden-Therapie beides mit!).
Einige Minuten später stand meine Ärztin vor mir, lachte und meinte, dass ich natürlich shoppen gehen kann. Und erwähnte anschließend, dass sie der Charité Berlin am Vortag ein Fax geschickt, aber noch keine Rückmeldung erhalten habe. Und ich solle mich doch bitte auch bemühen und die Klinik kontaktieren. Und wenn ich vor ihr Erfolg habe, sollte ich Bescheid geben. Ich sah sie irritiert an und stammelte „äh… ja, mach ich“.
Im Nachhinein erst realisierte ich, welche Aufgabe sie mir mal eben aufs Auge gedrückt hat. Und ich merke, dass ich dadurch – so bescheuert das auch nun klingen mag – mein Vertrauen in sie irgendwie komplett verloren habe. Wieso soll ICH die Klinik kontaktieren? Und wen genau überhaupt? Wohin hat sie ein Fax geschickt? Was genau soll ich denn erfragen? Fragen über Fragen und niemand da, der sie mir beantworten könnte. Und diese Aufgabe hat mich psychisch total belastet. Wieso soll ICH als erkrankte Patientin, die eventuell eine Progression, also ein Fortschreiten des Krebses, in sich trägt, selbst tätig werden? Ist das meine Aufgabe? Irgendwie doch nicht. Aber sie hat mir mal eben beiläufig IHRE Aufgabe überlassen.
Und es hat mich am nächsten Tag viele Tränen und meinen Mann und meine Schwester viele Nerven gekostet, ehe ich die – vermutlich – richtige Seite im Internet fand und eine Mail schickte. By the way: Es ist unglaublich schwierig, überhaupt die passende Seite zu finden, wenn man sich selbst jegliches Krebs-CUP-Syndrom-Googeln verboten hat! Denn allein „CUP-Syndrom“ googeln reicht aus, um mich selbst in eine absolute Todesangst zu versetzen!
Jedenfalls erhielt ich noch am gleichen Tag des 19.12.2019 eine Antwort vom Charité Comprehensive Cancer Center, sie hätten kein Fax erhalten und wo meine Ärztin dieses denn hingeschickt habe, was ich leider nicht beantworten kann. Zudem bat man darum, dass meine Ärztin für eine Terminvergabe meine Befunde per Fax übersenden soll. Ich rief also im MVZ an, schilderte den Fall kurz und gab alle Informationen sowie die Faxnummer durch. Tja, und nun warte ich. Wie immer.

Ich kann euch nicht sagen, wieso ich „sofort“ Erfolg hatte, wieso meine Ärztin ein simples Fax schickt oder warum wir nun drei Immuntherapien abwarten, bis ich ein neues Kontroll-CT erhalte. Ja, wenn es ein Infektgeschehen ist, braucht dieser auch bis zur Ausheilung. Aber was, wenn es doch ein Fortschreiten ist? Dann verliere ich immer mehr Zeit.

Ich weiß, dass ich nicht so denken soll, und trotzdem tue ich es: Wird dies mein letztes Weihnachtsfest? Mein letztes Silvester? Ich würde alleine Romy gerne noch sooo viel sagen, aber das kann ich natürlich nicht tun, sie würde wahnsinnig werden vor Angst! Ein gesunder Mensch stellt sich diese Frage nie. Weil es keinen offensichtlichen Anlass zur Sorge gibt. Aber sobald einen diese Krankheit trifft, ja leider sogar erneut trifft, knallt es einem die Realität so vor den Latz, dass es einen fast panisch macht, so eine große Angst habe ich, meine beiden Mäuse ohne Mami aufwachsen lassen zu müssen.

Ich habe keine Ahnung, was genau ich falsch gemacht habe, oder ob ich in einem vorherigen Leben ein grausamer Mensch war. Irgendetwas muss vorgefallen sein, dass es das Schicksal so knallhart meint. Von einer „Prüfung“ kann bei meiner Diagnose doch kaum die Rede sein. Wie hoch soll meine Lebenserwartung denn mit einem CUP-Syndrom denn sein? Habe ich noch einen Monat? Ein halbes Jahr? Ein Jahr? Mehr? Viel mehr? Oder doch noch weniger, als ich aktuell glaube?
Nein, an dieser Stelle bitte keine Prognosen, gut gemeinte Ratschläge oder „hatte mein Angehöriger auch, er ist gestorben“-Aussagen. Das hilft mir alles nicht. Und in manchen Dingen bin ich SO naiv, dass ich lieber nicht weiter daran denke, was mit mir passieren wird. Sonst drehe ich tatsächlich durch.

Liebe Leser, ich wünsche euch einen wunderschönen vierten Advent und sage:
Bis bald!

 

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

2 Kommentare zu „Und schon ist der vierte Advent!

  1. Liebe Monica,

    von Herzen wünsche ich dir und deinen Lieben Frohe Weihnachten.

    Ja, es könnte dein letztes Weihnachtsfest sein.

    Oder meins. Oder das meiner Kinder, meines Mannes….

    Keiner von und weiß was morgen geschieht.

    Gesunde Menschen vergessen das in ihrer Alltagsroutine oft.

    Dabei kann dich alles so schnell ändern…
    Darum lasst uns alle dieses Weihnachtsfest bewusst erleben und jeden Moment im Gedächtnis bewahren. Für die Ewigkeit.

    Alles Gute und Liebe
    J.

    Gefällt 1 Person

  2. Auch ich wünsche dir und deinen Lieben ein schönes Weihnachtsfest.

    Meine Vorschreiberin hat es wunderbar auf den Punkt gebraucht: Wir alle wissen nicht, was die Zukunft bringt. Umso wichtiger ist es, das „Hier“ und „Jetzt“ so gut es geht zu genießen.

    Alles Liebe

    Katja

    Gefällt 1 Person

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