16.01.2020: Moni allein in Berlin…

Hallo ihr Hasen!

Wenn man dachte, dass gestern schon ein abenteuerlicher Tag war, der wird heute Abend, na ja, vermutlich eher morgen, staunen. Oder ich noch eher als ihr.

Aber fangen wir von vorne an, also gestern:
Um acht Uhr rief das MVZ an, ob meine Ärztin Frau Dr. A. schon mit mir telefoniert habe. Nein, leider nicht, niemand rief mich am 14.01.20 zurück. Okay, ich möge bitte heute um 11:40 Uhr vorbeikommen. Hrmpf, alles klar.
Also rief ich danach in meiner Zahnarztpraxis an und sagte meinen Termin um 11:30 Uhr ab. Eigentlich wollte ich einen neuen Termin, aber die liebe Sprechstundenhilfe meinte gleich, ich könne mich jederzeit melden, sie schiebe mich dann irgendwie dazwischen. Hrmpf, auch DAS wollte ich eigentlich nicht, war mir dann aber auch egal. Mein linker Backenzahn oben muckt weiterhin dann und wann, aber noch ist es auszuhalten.

Kurz darauf rief mich die Charité in Berlin an. Man habe meine Mail (vom Vortag) erhalten, befürworte dennoch meine Terminwahrnahme am 16.01.2020 um 13:00 Uhr. Okay, alles klar. Der nette Arzt am Telefon sprach sehr schnell, aber war auch sehr nett. Die Charité habe ja ein Metastasenzentrum und ob ich nun CUP-Syndrom oder metastasierten Brustkrebs habe, sei insofern nicht relevant. Wobei er die Diagnose „Brustkrebs“ als erheblich positive Nachricht sehe. Hm, okay, das hatte ich schon öfter gehört. Er bat zum Schluss des Gesprächs noch möglichst um eine schnelle schriftliche Befundübermittlung und möglichst um Gewebeproben von 1×1 cm. Öäh, alles klar…

Nach diesem Telefonat folgten noch weitere kurze Gespräche mit der MHH, u. a. musste ich noch schnell einen Zweizeiler aufsetzen und mailen, um die MHH von ihrer Schweigepflicht zu entbinden, damit sie der Charité und dem MVZ in Braunschweig den Befund übermitteln dürfen, was sie auch kurz danach per Fax taten.

Ich erhielt dann noch einen Anruf vom MVZ. Frau Dr. A. leite gerade alles in die Wege, dass ich nachher, also nach meinem Gespräch mit ihr, in die Patho gehen und meinen Hirntumor mit in die Charité mitnehmen kann.

B… b… bitte was? WAS soll ich? Oha. Alles klar… Ich schrieb das meiner Schwester per Chat und wir witzelten noch, ob ich für meinen Tumor nun einen extra Sitzplatz bei der Deutschen Bahn buchen müsse… WIR fanden das sehr lustig.

Als ich später im MVZ im Wartezimmer saß, Frau Dr. A. vor Ort(! danke Datenschutz, danke Diskretion…) mit mir sprach und ich diese kleine humorige Anekdote erwähnte, lachte sie kurz irritiert auf und meinte, ich könne einen mit sowas ganz schön durcheinander bringen. Ääääh, okay, alles klar. Diese Frau ist einfach humorbefreit. Oder ich bin bescheuert. Mag auch sein. Ich KANN über manche Situationen auch manchmal einfach nur noch lachen. Ich meine, habt ihr schon mal euren Tumor in ne Tasche gestopft und mit nach Berlin genommen? Also für MICH ist das heute Premiere!

Wie dem auch sei:
Wer empfindlich sein sollte, schaut nun bitte weg. Der Rest kann unbedarft schauen. Ich hatte mir das alles wesentlich schlimmer vorgestellt.

2020-01-15 17.18.56
Das sind meine Gewebeproben. Nämlich aus 2016, Brustkrebs, und 2019, Hirnmetastase. In Paraffin gegossen. Links ist die Probe von 2016, später stellten sie nun auf diese kleinen Kassetten um, aber auch mit Paraffin.

Ich lernte in der Pathologie, in die ich direkt nach dem MVZ ging, da sie ganz am Ende der Klinik Celler Straße ist, Frau B. kennen, eine unglaulich nette und sympathische Sekretärin. Sie organisierte mir meine Proben und kündigte an, dass dies etwa eine halbe Stunde dauern würde.
Nach ca. 20 Minuten klopfte es. Ich durfte nämlich während der Wartezeit in der „Bibliothek“ Platz nehmen, also in einem Raum mit viel Fachliteratur. Ich nutzte die Zeit und notierte mir viele Fragen für die Charité, und dann kam Herr Dr. D. herein, der Institutsleiter der Pathologie. Ein sehr netter, sympathischer und kompetenter Arzt. Wir unterhielten uns kurz und so erfuhr ich, dass sich die MHH nach meiner Anfrage im Dezember 2019 schon eine Gewebeprobe hatte zuschicken lassen. SO kamen sie also an das Ergebnis.

Warum die MHH das erst JETZT herausgefunden hat und wie so ein „Diagnosefehler“(?) überhaupt zustande kommen kann, werde ich heute um 13:00 Uhr erfragen.

Kurze Zeit darauf kam Frau B. mit meinen Proben wieder. Sie tütete alles in einen Umschlag ein (es sind auch Schreiben der Pathologie dabei) und sie betonten beide noch, wie gut das sei, dass ich diese persönlich überbringe. Denn die Post würde ja auch Pakete verlieren und in dem Fall wäre dann eine Untersuchung nie mehr möglich.

Lacht ruhig, aber ich werde diese Proben heute ganz nah an meinem Körper tragen! Portemonnaie? Sollen sie klauen, mir auch wurscht. Aber diese Proben entscheiden über meine weitere, hoffentlich noch länger andauernde Zukunft.

Anschließend fuhr ich noch einkaufen, Jörn schrieb mir, dass sich Frau Dr. G. von der MHH nochmals in einer Stunde melden will, also musste ich mich beeilen. Zu Hause stopfte ich mir eine widerliche Tiefkühlpizza rein, aktuell habe ich nur diese „Angst-Übelkeit“. Kennt ihr die? Ich hoffe ja nicht. Aber ich habe dauernd Hunger, kriege aber nichts runter. Irgendwie hat mich diese „Neu-Diagnose“ wieder komplett umgehauen, obwohl sie ja eigentlich nichts an den Tatsachen ändert.

Soooo, nun werde ich mal duschen. In einer Stunde holt mich (hoffentlich) H. ab, Kims Freund, denn in der Nähe vom Bahnhof parken ist irgendwie nicht drin, bzw. nur mit Parkscheibe (max. zwei Stunden) oder mit ENORMEN Parkgebühren.
Ich habe große Angst. Meine letzte Fahrt mit gerade mal einem Regionalzug war von Braunschweig nach Salzgitter während meiner Ausbildung. Ach, und ich glaube, ich fuhr ein einziges Mal mit dem Zug von Wolfsburg nach Braunschweig, als ich für meine Chefin dort bei VW im Archiv arbeiten musste.

Heute um 11:00 Uhr geht mein Zug von Braunschweig nach Berlin. Ein ICE. Ich weiß nur durch meine Schwester, wo ich einsteigen muss (Wagenstandsanzeige oder Wagenstandsreihung oder so), auch sollen irgendwelche LCD-Anzeigen an den Sitzen sein, damit man gleich sehen könne, ob der Platz reserviert ist. Ich hab SOWAS von keine Ahnung. Aber Angst. Viel, viel Angst. Vor dem Zug. Vor dem Arztgespräch. Ja, auch dass ich mich irgendwo mit Magen-Darm anstecke oder Erbrochenes sehe an einem der Bahnhöfe. Stressresistent? Vergesst es!

Ich melde mich demnächst – vielleicht aus dem Zug, vielleicht heute Abend, aber vermutlich auf jeden Fall morgen!

Bis bald!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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