29.01.2020: Die Angst bleibt…

 

Guten Morgen!

Was für eine grausame Nacht! Obwohl ich ja nun NICHTS geholfen habe und starr vor Angst war, Jörn insgesamt neun(!) Mal aufstehen musste, um Mick und sein Umfeld zu reinigen, desinfizieren usw. Aber ich hörte ja jeden Mucks, zuckte eh bei jeder Bewegung von Romy, die ja auf der anderen Couch im Wohnzimmer schlief, zusammen und schlief so gut wie gar nicht, döste immer nur leicht weg. Mick tat bzw. tut mir sooo leid, und ich schäme mich so enorm, dass ich so unfähig bin und mich von meiner Phobie so unterkriegen lasse. Ich hasse mich dafür wirklich selbst!

Wenn jemand eine Grippe, Schnupfen, Fieber… hat, ach, halb so wild, kein Ding, ich helfe. Aber sobald „oben“ was passiert – ich bin total hilf- und machtlos!

Morgens um halb Sieben ging dann mein Wecker, ich weckte Romy vorsichtig und machte ihr Frühstück für die Schule. Romy durfte sich – ausnahmsweise ohne Waschen – anziehen, aß ein Schokobrötchen und durfte sich danach auch im Wohnzimmer die Zähne putzen. Dazu brachte ich ihr eine neue Zahnbürste und sie durfte ihre Zahnpasta – auch ausnahmsweise – in den Mülleimer spucken.

Ich handhabte ein ähnliches Programm. Eigentlich gehe ich morgens, gerade auch vor einer Therapie, duschen, aber ich fasse aktuell echt so wenig wie möglich an.

Schließlich hörte ich um Viertel nach Sieben Mick, wie er Jörn etwas sagte. Dann ging Jörn an mir vorbei – Mick hat nun Durchfall 😔

Um Viertel vor Acht fuhr ich Romy in die Schule, erklärte ihr (möglichst beiläufig), dass sie ihrer Lehrerin jederzeit Bescheid geben kann, falls sie sich nicht so gut fühle, ich es aber nicht glaube – was sie auch bestätigte (oh Gott, ich HOFFE es so!). Danach fuhr ich zu Jörns Hausarzt, um den Entlassungsbrief nach seinem Klinikaufenthalt abzuholen, damit Jörn ihn morgen der Neurologin zeigen kann. Ich habe ja morgen mein Kontroll-EEG – ich hoffe, dass ich (noch?) verschont bleibe von jeglichem MD. Und Jörn bitte auch! Der Termin ist gerade für ihn sehr wichtig, weil er sich erhofft, morgen die Erlaubnis zu erhalten, wieder selbst Auto fahren zu dürfen.

Tja, nur wohin mit Mick in der Zeit? Meine Mutter möchte auf ihn aufpassen. Aber ich habe – haha, ja, – Angst, dass sie sich ansteckt. So oft, wie Mick spucken musste, gehe ich nicht von einem leichten Infekt aus 😔

Nach dem Hausarzt fuhr ich noch zu Rossmann und tätigte einen Hygiene-Einkauf: Hygiene-Spüler und -Reiniger, Küchenrolle, Klopapier, Desinfektionsspray, Windeln (vom Töpfchen will Mick ja aktuell mal wieder gar nichts wissen und da bin ich wegen seinem Durchfall jetzt auch recht dankbar…). Und ein kleines Spielzeugauto habe ich ihm gekauft, ich hoffe, dass er sich darüber nachher freut.

Danach fuhr ich ins MVZ, sitze hier nun bei der Immuntherapie, habe auch schon meinen Termin fürs Kontroll-CT und die Befundbesprechung erhalten: 14.02. und 17.02.2020.

Wenn ich bald hier fertig bin (die Therapie dauert ca. 1,5 Stunden: 30 Minuten Sterofundin, 30 Minuten Pembrolizumab, 30 Minuten Sterofundin, plus Port an- und abstöpseln, wobei der Anstich heute nicht auf Anhieb klappen wollte) fahre ich dann noch in den Aldi und kaufe Einweghandschuhe. Mundschutz haben wir eh noch daheim aus meiner ersten Brustkrebs-Chemo-Phase. Ja, ich habe sogar mit dem Ding im Gesicht gepennt. Eine Phobie ist ja leider keine logische, rationale, greifbare Angst.

Ich werde zu Hause putzen wie eine Blöde, werde alles abwischen, Wäsche waschen, Handschuhe tragen, wieder nur ein halbes Auge schließen, auf jeden Piep hören und mit ziemlicher Sicherheit auch nichts essen. Meine Kehle ist wie zugeschnürt, die Sorgen sind viel zu groß.

Bitte drückt uns die Daumen, dass es nur Mick so extrem erwischt hat!

Bis bald!

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

Ein Kommentar zu „29.01.2020: Die Angst bleibt…

  1. Liebe Moni, ich hoffe, dass sich die Situation bei euch beruhigt hat, dass du dein Kontroll-EEG-Termin wahrnehmen konntest und dein Mann wieder Auto fahren darf.

    Auf dass Mick wieder fit wie ein Turnschuh ist und der Rest der Familie vom Virus verschont blieb und bleibt!

    Alles Liebe

    Katja

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s