16.04.2020: Und wenn man denkt, alles wird gut…

Heute früh um halb sechs klingelte mein Handy. Ich setzte mich auf, merkte wieder einen stechenden Schmerz im rechten Nacken und dachte „nee, du musst heute was tun!“
Ich goss mir stilles Wasser in mein Glas und fing an zu trinken. Einen Liter Wasser zwei Stunden vor dem CT. Bäh, aber muss sein. Um kurz nach Acht rief ich die Strahlenklinik an, weil ich fragen wollte, ob ich den Termin absagen und lieber gleich in die Neurologie Salzdahlumer Str. solle. Aber leider erreichte ich niemanden, sondern nur das MVZ, schilderte meine Sorgen und die nette Dame meinte nur, dass sie mir auch nicht so recht raten könne, was ich tun soll. Ich sagte ihr, dass ich vorbeikomme und ging anschließend duschen.

Um 08:20 Uhr war ich im MVZ Celler Straße und ließ mir – leider erst im zweiten Anlauf – eine Portnadel in meinen zickigen Porti anzapfen, denn in der Strahlen- bzw. Röntgenabteilung haben sie nur 25mm Nadeln, ich brauche aber 27 mm und meine Vene(n – eigentlich nur eine einzige brauchbare am linken Handrücken) verträgt keine Zugänge, die platzt gerne sofort. Herr Dr. Sp., die Vertretung meiner Onkologin, die diese Woche im Urlaub ist, hörte, als ich von meinen Kopfschmerzen berichtete und schnappte sein schnurloses Telefon. Wenig später kam er ins Therapiezimmer, wo meine Portnadel gerade gelegt wurde, und meinte, dass wir CT Kopf auch gleich mitmachen würden, er hätte das soeben angemeldet. Obwohl er mir vor wenigen Tagen noch riet, ich solle in die Neurologie Salzdahlumer Str., und solle jammern und jaulen.

Um kurz vor neun Uhr ging ich rüber ins andere Gebäude, ich war leider schon wieder zu spät dran. Dort musste ich dann einen Augenblick warten, dann noch einen Becher mit Wasser trinken (börgh) und dann ging es auch schon los. Erst wurde der Kopf gemacht (nativ, das heißt ohne Kontrastmittel), und anschließend Thorax, Abdomen, Becken (also Oberkörper, Lunge, Leber usw. und Becken) mit Kontrastmittel. Ich musste, wie immer, die Luft anhalten, als das KM gespritzt wurde, wurde es wieder im ganzen Körper warm, aber auch das kannte ich schon. Ich empfand das Luft anhalten aber auch echt unangenehm im Kopf…

Anschließend ging ich zurück ins MVZ und Herr Dr. Sp. wetzte oft an mir vorbei und tröstete mich mit einem „leider habe ich noch keinen Befund“. Ich saß dann über eine Stunde da, wackelte zwischendurch auf Toilette, das Wasser wollte wieder raus. Und dann war der Moment gekommen: Herr Dr. Sp. bat mich in sein Sprechzimmer, bzw. in das meiner Onkologin, ich sagte auf dem Weg zu ihm „will ich das überhaupt“ und er lachte leise auf.

Dann erklärte er mir, dass mein Verdacht leider richtig gewesen sei: dav
Man beachte Punkt 3: Vier(!) neue Raumforderungen. Nacken hinten links, hinten rechts, links seitlich, rechts oben. In vier Monaten (letztes MRT war am 09.12.2019) sind also vier weitere Metastasen gewachsen. Scheint also so, als würde Pembrolizumab nicht wirklich helfen.
Wie es nun weitergeht?
Ich habe KEINE Ahnung, erfahre wohl morgen mehr. Mir liefen die Tränen in meinen Mundschutz, Herr Dr. Sp. sah mich an und sagte aufrichtig, dass es ihm leid tue. Ich schrieb Jörn sofort, dass ich vier Raumforderungen habe und er saß mit den Kindern wohl im Auto und weinte, Romy fing auch an und Mick wollte mich aus der Klinik sofort abholen. Klar, mit 3,5 Jahren versteht man noch gar nix von alledem. Das verstehen Erwachsene ja kaum.

Es ging dann alles ganz schnell, rüber zur Strahlenklinik, neue Maske angefertigt bekommen (obwohl meine alte Bestrahlung vom 05.09. bis 11.09.2019 lief, aber da war es nur eine stereotaktische, also punktgenaue Bestrahlung – diese Wundhöhle ist auch weiterhin befundfrei). Und so habe ich eine passgenaue Maske direkt in der Klinik.
Anschließend ins Probe-CT und morgen gehts dann schon los.

Die Strahlenärztin, zu der ich vorher musste, gab mir noch ein Rezept über Dexamethason (Cortison), von denen ich 3×4 mg täglich nehmen soll, das würde den Hirndruck (=Kopfschmerzen) lindern. Zudem soll ich Pantozol, also Magenschutz, nehmen. Jörn fuhr dann später für mich in die Apotheke, aber die gaben ihm keinerlei Medikamente, weil „keine Packungsgrößen“ draufgeschrieben seien. Ein Anruf später in der Strahlenklinik ergab völliges Unglauben bei der Strahlenärztin. Apotheken wüssten IMMER, dass man da die kleinste Packungsgröße nehme, weil wir die Dosis so schnell wie möglich reduzieren wollen. Meine Lieblings-Apothekerin/Freundin eben auch angeschrieben und gefragt: Jepp, das sei so üblich. Auf jeden Fall habe ich nun 3×4 mg Dexamethason intus und endlich keine Schmerzen mehr. So kann es gerne bleiben. Ein SO tolles Gefühl! Plötzlich stecke ich wieder voller Elan, will morgen das Wohnzimmer aufräumen, meinen Couchtisch… Scheiß Metas hin oder her, noch lebe ich und erfahre morgen, wie es weitergeht. Wie ich die Strahlenärztin verstanden habe, wird man meine Therapie bzw. das Pembrolizumab umstellen und es mit einer weiteren Chemo kombinieren. Aber erst nach der Bestrahlung.

Und wisst ihr, was mir wieder verwehrt wird? Richtig. Autofahren. Das schmerzt! (Apropos, ich rufe gleich morgen meine Neurologin an, drei Monate Autofahrt nach Bestrahlung ist tabu).

Liebe Leute, ich wünsche euch einen schönen Abend!
Eure Meta-Moni

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

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