10.06.2020: Zufrieden.

Guten Abend ihr Lieben!

Diese Überschrift trifft es heute einfach passend – ich bin heute einfach mal zufrieden. Grund?

Ich hatte heute Vormittag erst mein übliches EKG, was ich immer vor der zweiten Chemo (quasi Tag 22) erhalte, da diese auf mein Herz Auswirkungen haben kann. Aber dieses war wieder einwandfrei. Ich ging also wieder rüber zum MVZ, meldete mich an und saß keine zwei Minuten im Wartezimmer, bis mich meine Onkologin aufrief.

Und was sie mir dann sagte, hat mich wirklich positiv überrascht, aber seht selbst:

Hmmmm, ich hoffe ihr könnt alles gut erkennen. Kurz zusammengefasst: Ein Lymphknoten ist kleiner geworden, der andere konstant bei einem Zentimeter. Belüftungsstörung der Lunge ist weg. Ansonsten keine neuen Herde, Veränderungen oder neuen Metastasen.

Soooo, und damit bin ich heute einfach mal zufrieden.

Das Gespräch mit meiner Onkologin hat mir heute auch irgendwie viel Zuversicht gegeben. Mehr als all die Wochen zuvor. Denn leider muss ich gestehen, dass mich die Wochen seit dem erneuten „4-Metas-Rückschlag“ mächtig zurückgeworfen haben. Sogar SO mächtig, dass ich alltäglich auf meiner Couch liege, mich nur noch zu MVZ-Tagen anziehe, und wenn mein Mann mich abends fragt, ob ich Memory mit ihm und den Kindern mitspiele, weinend auf der Couch liege und den Dreien zuhöre und denke „ach, dann können sie schon mal üben wie es ist, ohne Mami zu sein.“ Ja, die dunklen Gedanken nehmen mich ein. Ein Umstand, den ich HASSE und nicht weiterhin tolerieren möchte. Ja, ich schäme mich regelrecht für diese Gedanken! Aber ich kriege und kriege sie nicht aus meinem kaputten Hirn, grr! Daher habe ich meine Onkologin heute sehr schweren Herzens um ein Antidepressivum gebeten. Aber wenn sich (wortwörtlich) jede Minute des Lebens um den Gedanken Krebs geht und alles nur noch dunkel und traurig erscheint, weil ich dauernd hinterfrage, wann es mich zum wirklich letzten Mal ausknockt, dann sollte man handeln. Damit meine ich nicht, dass ich Selbstmordgedanken habe – nein, wahrlich nicht! aber die Lebensfreude ist komplett weg.

Viele von euch wissen, wie unglaublich gerne ich eigentlich stricke (seit Romys Geburt 2012 ja nahezu täglich). Ob Socken, Pullover, Tücher – egal, Hauptsache was zu nadeln. Seit meiner neuen Chemo schaffte ich es körperlich anfangs gar nicht, aber nun denke ich dauernd „ach, wozu denn noch?“ Genau DAS möchte ich nicht mehr. Wenn es dazu Antidepressiva braucht, dann muss ich diese bittere Pille – hahaaaaa – wohl schlucken. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen! Tjaha, die olle Laui ist noch immer ein Schisshasi. Das wird sich wohl auch nicht mehr ändern.

Auf jeden Fall möchte ich jedem Einzelnen von euch danken, dass ihr vielleicht mit euren gedanklichen Umarmungen und lieben Wünschen bei mir wart – Schluckauf hatte ich glücklicherweise nicht 😀

Also, lange Rede und kurzer Sinn:

  • Meine Onkologin hält Rücksprache mit meiner Neurologin, zu der ich Ende Juli muss, da manche AD die Nebenwirkungen von Krampfanfällen haben, und „ich wolle ja irgendwann wieder Auto fahren“ – oooooh ja! Angedacht ist Citalopram.
  • Nächste Chemo ist übermorgen, also am 12.06., die nächste Chemo dann am 19.06. (die Chemos finden immer mit einer bzw. zwei Wochen Abstand statt), danach wieder CT (Verlaufskontrolle). Mir persönlich sind engmaschigere Kontrollen ja sogar fast lieber.
  • Sie notierte auch extra im PC, dass ich eine Chemo jederzeit auf Wunsch aussetzen kann, da meine Tumorherde so geringfügig seien, dass man nicht Sorge haben müsse, dass ich morgen z. B. an einem akuten Leberversagen versterbe.

Generell bin ich sehr aufgemuntert durch dieses Gespräch. Klar werde ich keine 80+, aber zumindest heute hat sie mir das Gefühl vermittelt, dass mein Ableben noch eine Weile dauern könnte. Was eine Weile ist? Schauen wir mal, dann sehen wir schon. Wirklich FREUEN können Jörn und ich uns nicht (mehr), dafür hat man aber eben schon zu oft einen Tritt bekommen.

Jedenfalls hatte ich heute anschließend meinen Knochentropf. Die Portnadel, die das MVZ gestern vor dem CT gelegt hatte, haben wir absichtlich drin gelassen. Merkwürdigerweise piepste gestern direkt beim CT das Gerät, das mein Kontrastmittel automatisch spritzt, dass es wohl einen Widerstand gäbe. Somit blieb dieses bekannte „heiße Gefühl“ aus, was ich sonst immer bei der Einspritzung habe (so, als würde man sich gleich aus Versehen in die Hose machen).

Und heute, als ich auf dem Therapiestuhl Platz genommen hatte, kam die MTA an und wollte meinen Port spülen – ging gar nichts, weder vor noch zurück. Sie holte ihre Kollegin und zack – funktionierte es. Zwar schwerer, aber die Nadel war noch durchlässig.

Normalerweise läuft der Knochentropf (Zometa) eine Stunde. Aber nach gut 50 Minuten wies mich eine nette Mitpatientin darauf hin, dass mein Tropf ja gar nicht mehr laufe und klingelte für mich sofort, denn das sei ja gar nicht gut für den Port. Ich hatte das gar nicht bemerkt, war ich doch am Switch spielen (ich alte Animal-Crossing-Süchtige!). Die MTA kam herein und staunte, denn die „Tropfkammer mit Belüftung“ (ja, ich musste das nun extra googeln!) war komplett leer, aber im Zometa-Beutel am Ständer noch Flüssigkeit. Und das komme eigentlich nie vor, vor allem nicht, wenn die Infusionspumpe angeschlossen ist (wie in meinem Fall). Die MTA holte eine neue Flasche Kochsalzlösung, wollte den Rest Zometa-Flüssigkeit noch in eine neue Infusion füllen – aber der Beutel hat keinerlei Ventil und so platschte der Rest auf den Boden. Ein Blick auf die Laufzeit der Pumpe verriet, dass mir noch 11 Minuten Zometa fehlten. Ich meinte spaßhalber, dass ich wiederkomme, falls meine Metastasen nun wachsen würden ^^

Mir fiel während der Infusion ein, dass ich für übermorgen zur Chemo terminiert bin, aber noch gar keine Blutabnahme hatte. Dies sagte ich der MTA noch, die schon ganz verzweifelt war wegen meinem störrischen Port und dem Zometa-Tropf-Vorfall, und kam dann noch zur Blutentnahme. Ich meinte tröstend zu ihr, dass sie am liebsten gerade Freitagnachmittag hätte – und sie bejahte dies ^^ Jedenfalls lief mein Blut (einzige Blutabnahmestelle bei mir ist ja der linke Handrücken) wie zähes Erdöl, aber sie meinte, wenn es nicht ausreichen sollte, könne ich Freitag vor der Chemo rüber in die Hämatologische Ambulanz zum Fingerpieks. Also alles gut. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass meine Blutwerte soweit auch in Ordnung sind.

So ihr Hasen, ich wünsche euch noch einen schönen Abend und sage munter: Bis bald!

Eure (Che-)Monica

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

2 Kommentare zu „10.06.2020: Zufrieden.

  1. Liebe Moni,
    ach, wie schön. Das sind doch wirklch tolle Neuigkeiten. Ich freu mich mit dir und atme mit dir mal kräftig durch.
    Ich finde, bei dem, was du mitmachen musst, darfst du auch traurig sein. Gut finde ich, dass du für dich sorgst und schaust, sodass du die Welt um dich herum wieder ein wenig bunter machen kannst. Könnte dich vielleicht eine Psychoonkologin noch von belastenden Gedanken entlasten bzw. dir Hilfe bieten? Jeder ist da ja anders „gestrickt“.

    Fühl dich gedrückt, meine Liebe,

    alles Liebe

    Katja

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  2. Das sind erstmal schöne Nachrichten! Ich hoffe, so geht es auch weiter!
    Ich habe auch mal Citalopram nehmen müssen. Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen, wenn man mit einer sehr geringen Dosierung anfängt und nur langsam steigert. Beim Absetzen genauso. Ich musste mich nicht übergeben (aber ein wenig schlecht war mir schon, aber aushaltbar). Du schaffst das!
    Viele Grüße, Kati

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