Genieße die Stille

Es ist schon über einen Monat her, dass meine Frau und die Mami von Romy und Mick friedlich eingeschlafen ist.

Die Zeit seitdem ist teilweise sehr schnell vergangen. Es gab einfach eine Menge zu tun und zu organisieren. Andererseits ist die Zeit wiederrum sehr langsam verstrichen. Moni war nämlich die ganze Zeit noch nicht bei „ihrem“ Baum.

Wir haben uns die ganze Zeit wirklich sehr auf diesen Tag gefreut. Gefreut darüber, dass wir Moni endlich zu ihrem letzten Zuhause bringen können. Dem Zuhause, welches Romy und Mick, fünf Tage vor ihrem Tod, für sie ausgesucht haben. Dieses Ereignis war der letzte große Wunsch von Moni. Und dieser Wunsch wurde ihr – und auch uns – erfüllt. Dafür hatte sie damals noch einmal alle Reserven geweckt und war an diesem Tag – mehr denn je – ganz die alte Moni.

Am Samstag, den 17.10.2020 um 14 Uhr war es dann endlich soweit. Wir haben Moni „Tschüss“ gesagt und sie zu ihrem letzten Zuhause gebracht!

Und wir haben es so gemacht, wie es Moni ganz bestimmt gefallen hätte.

Einer Monis Wünsche für ihre Beerdigung ist es gewesen, dass die Kinder ihre Urne bemalen. Eigentlich hatte sie vorgehabt es mit Romy und Mick zusammen zu machen. Daraus ist jedoch leider nichts mehr geworden und so habe ich mich mit Romy und Mick zusammengesetzt und die weiße Urne bunt bemalt.
Wir haben sie mit Dingen bemalt, die Moni wichtig waren oder eine Bedeutung für sie hatten. Ich habe z. B. eine Banane gemalt, da ihr Username in Internet Naaane bzw. Gummibanane gewesen ist. Romy hat ein „Kacheek“ aus dem Onlinespiel neopets abgemalt, welches ganz großartig geworden ist. Unsere Katze Mausi wurde von Romy gemalt, Mick hat zusammen mit mir ein Wollknäuel mit zwei Stricknadeln auf der Urne verewigt und natürlich durfte auch das AOL Logo nicht fehlen, worüber Moni und ich uns 1999 kennengelernt haben. Depeche Mode und Simply Red waren natürlich auf mit drauf. Oben auf den Deckel haben wir ein riesiges Herz, mit unseren Namen drum, gepinselt.

Die Urne war also wirklich knallbunt und voll mit schönen Erinnerungen aus Monis Leben.

Moni und Moni

Und da Moni auch ein schlichter schwarzer Bilderrahmen mit einem Foto von ihr bestimmt nicht gefallen hätte, haben wir diesen auch mit Malvorlagen von Bine Brändle verziert.

Dieses Bild mit Rahmen stand schon die ganze Zeit vor der Bestattung bei uns Zuhause auf der Kommode, auf der wir viele Erinnerungsstücke von Moni gestellt haben und welche für uns bisher der Anlaufpunkt war – aber auch immer noch ist – an welchem wir Monimami einen guten Morgen und eine gute Nacht wünschen und zu der die Kinder auch einfach mal so laufen, um ihrer Mami ganz wichtige Dinge zu erzählen.

Aber nun haben wir auch noch einen mindestens genauso schönen Ort, um Moni zu besuchen. Den Ort, den sie sich gewünscht hat.

Am Samstag war es also soweit und ich bin zusammen mit Romy und Mick zu Monis Baum gefahren. Wir hatte eigentlich vorgehabt die Ersten zu sein, aber durch unglückliche Umstände welche mit einer Baustelle und dem Fahrverhalten einer nicht näher genannten Schwägerin Person zu tun hatten, waren wir tatsächlich die Letzten, die angekommen sind. Das war aber überhaupt nicht schlecht, denn somit waren schon alle Menschen da, die Moni und mir sehr wichtig sind. Und es war schön diese Menschen alle zu sehen und dabei zu haben!

Dank der aktuellen Umstände konnten wir Vor-Ort jedoch nicht so begrüßen und agieren, wie man es sich wünschen würde, aber dadurch war dieser Tag nicht weniger schön.

Ich habe mir vor diesem Tag oft Gedanken gemacht, ob ich Moni bei ihrer Verabschiedung überhaupt gerecht werde, denn ich habe seit einigen Wochen schon nicht mehr weinen müssen. Aber diese Sorge war unbegründet.

Als ich zusammen mit Romy und Mick an der Hand langsam zum Gedenkplatz gelaufen bin, an welchem die Trauerrede stattfinden sollte, liefen mir schon die ersten Tränen.

Kurz nachdem wir Platz auf einer Bank am Gedenkplatz genommen hatten und sich alle Gäste ebenfalls dort eingefunden haben, wurde ein weiterer Wunsch von Moni erfüllt. Es lief „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode. Der Band auf dessen Konzert Moni und ich am 12.07.2017 in Hannover waren und womit ich Moni damals einen Herzenswunsch erfüllt habe – zu einer Zeit, in welcher wir einen kurzen Moment dachten, wir hätten den Krebs besiegt – ihm zumindest die Stirn geboten. Der Band, welche Moni seit vielen Jahren begleitet und die ihr immer viel bedeutet hat.

Als „Enjoy The Silence“ endete, begann der erste Teil der ganz, ganz tollen Trauerrede.

Die Bestattung war eigentlich für den 10.10.2020 geplant gewesen, aber uns wurde von mehreren Personen – unabhängig voneinander – die selbe Person für die Rede empfohlen, welche an unserem Wunschtermin aber leider verhindert war. Es handelte sich dabei um eine Trauerrednerin, welche in etwa in Monis Alter ist. Die Alternativen waren ältere Herren ab 60 aufwärts. Ich möchte diesen Rednern natürlich in keiner Weise ihre Kompetenz absprechen, aber es passte einfach nicht zu Moni. Also entschieden wir uns für den 17.10.2020, da wir – also meine Schwägerin Nina und ich – mehr Wert auf eine tolle Rede legten.

Und toll war die Rede wirklich, sogar viel mehr als das. Sie war so ergreifend und berührte mich und viele andere an so vielen Stellen, rief Bilder dieser Momente in meinem Kopf hervor und trieb mir erneut Tränen in die Augen. Aber dann und wann auch ein Lachen und Schmunzeln.

Nach dem ersten Teil der Rede wurde der Song gespielt, welcher Moni und mich immer verband – unser Lied war. Zu einer Zeit in den Charts war und oft im Radio gespielt wurde, als Moni und ich zusammengekommen sind, stundenlang in dem alten Audi 80 meiner Schwester saßen und geredet haben, im Sommer an den Heidbergsee gefahren sind und uns einfach nur stundenlang nebeneinanderliegend in die Augen geschaut haben. Und welches auch im Standesamt am Tag unserer Hochzeit gespielt wurde. „Another Chance“ von Roger Sanchez

Danach begann der zweite Teil der Rede, welcher mindestens ebenso bewegend und ergreifend war. Sie wurde mit dem dritten und letzten Lied abgeschlossen, aber auch dem – meiner Meinung nach – traurigsten. Dem Lied, in welchem Moni sich selbst gesehen hat, als sie noch lebte und gegen den Krebs kämpfte. Dem Lied, in dem Romy, Mick und ich uns sehen, seitdem Moni nicht mehr da ist. Aber auch dem Lied, welches die Verbindung zwischen Moni und ihren Kindern darstellt. Denn auch, wenn es sehr schön und traurig zugleich ist, ruft es doch dazu auf, nach vorne zu schauen und „den nächsten Schritt“ zu gehen.

Der nächste Schritt war dann auch der, den ich zur Urne gegangen bin. Um meine Frau, ein letztes Mal in den Arm zu nehmen und sie zu ihrem Baum zu tragen. Mit jedem Schritt, den ich mit Monis Urne in den Händen näher zu ihrem Baum kam, wurde ich zufriedener. Zufriedener, weil sie nun endlich angekommen ist. Die Stille dort genießen kann. Das hat sie sich nach den letzten vier Jahren des Kampfes so sehr verdient. Zur Ruhe zu kommen. Nicht mehr krank zu sein. Wieder laufen zu können, dort wo sie nun ist. Keine Schmerzen mehr zu haben. Einfach „hier“ zu sein!

Und dann waren wir „hier“ und sind an Ihrem Baum angekommen. Ich stellte Monis Urne am Baum ab und nahm Romy und Mick wieder an die Hand, die – während ich die Urne getragen habe – mit Nina hinter mir hergegangen sind.

Dann wurden noch eine abschließende Rede gehalten, mit welcher wir Monis Seele freigaben. Was ein wirklich schöner Moment für mich gewesen ist.

„Hab eine gute Reise, liebe Moni. Mögest du ein Zuhause finden, an einem warmen, hellen und freundlichen Ort. An dem du die Ewigkeit glücklich verbringen kannst. Ohne Krankheit und ohne Schmerz. Unsere besten Wünsche und unsere Liebe werden dich dorthin begleiten.“

Nach diesen Worten ließ ich die Urne, mit Hilfe von Romy und Mick, hinab in Monis Grab.

Wir gaben Moni natürlich noch etwas mit auf den Weg. Ich hatte ihr noch einen Brief geschrieben, welchen ich zusammen mit ihrem Ehering in ihr Grab legte. Romy hat ihr zwei Bilder gemalt und auch einen Brief geschrieben. Sie gab Moni auch ihre Brille zurück, ohne welche sie die Briefe von uns sonst gar nicht hätte lesen können. 🙂 Und Mick ließ einen Engel aus Kupfer ins Grab fallen, welcher unter einem lauten „Plong“ direkt auf der Urne landete. 🙂 Einen Engel, den wir zusammen mit drei Weiteren, nach Monis Tod vom Hospiz bekommen haben. Die anderen drei Engel haben wir hier bei uns. Und Moni hat nun ihren.

Alle anderen – uns wichtigen – Menschen haben sich dann auch auf ihre ganz persönlich Weise am Grab von Moni verabschiedet.

Am Ende habe ich noch die Möglichkeit ergriffen mich bei allen Anwesenden für diesen Tag zu bedanken. Dafür, dass sie diesen Tag zu einem ganz besonderen, für mich und unsere Kinder, gemacht haben.

Moni selbst hat es auch gefallen, denn die Sonne kämpfte sich zum Schluss durch das das Blätterdach und ließ ihren Baum ganz hell erstrahlen – schon wieder ein ganz besonderer Moment!

Monis Baum – mit Moos unten am Stamm, der Moni symbolisiert, einem kräftigen Stamm, welcher für mich – ihren Ehemann und ewigen Seelenverwandten – steht und zwei abzweigenden Armen welche Romy und Mick wiederspiegeln. Von einer Astgabel geht noch ein kleinerer Ast ab, in welchem Moni dann auch noch unsere Katze „Mausi“ gesehen hat. 🙂

Im Anschluss haben wir diese – für mich – sehr schöne Beisetzung mit einigen Anwesenden, bei uns Zuhause mit Kaffee und Kuchen ausklingen lassen. Ich hätte natürlich am liebsten alle Gäste dazu eingeladen, aber die aktuelle Corona-Situation und die räumlichen Gegebenheiten, ließen es leider nicht zu. :/

Die letzten Gäste verabschiedeten sich dann gegen 20 Uhr, wodurch der Tag ganz behutsam endete.

Ich hätte diesen Tag – so oder so – in Erinnerung behalten. Aber so, wie er letztendlich abgelaufen ist, werde ich ihn immer in absolut schöner Erinnerung behalten und gerne und oft daran zurückdenken.

Alle Menschen, die dabei waren, haben ihn zu so einem Tag gemacht!

Und so bleibt mir nur noch zu sagen… genieße die Stille, Mausi!

Wir werden dich ewig lieben und nie vergessen.

Denn du bist hier.

Immer.

Autor:

Monica L., alias Chemonica, geboren und wohnend seit 30.11.1982 in Braunschweig. Glücklich verliebt seit 2001 und verheiratet seit 2010 mit Jörn (lordlaui), zudem fast vor Stolz platzende Mami von Romy (*19.09.2012) und Mick (*12.07.2016).

3 Kommentare zu „Genieße die Stille

  1. Hallo Jörn,
    dein Eintrag hat mich sehr berührt und obwohl ich Moni nicht persönlich kannte, glaube ich ganz sicher, dass ihr dieser Abschied von dieser Welt gefallen hat. Ihr habt alles toll organisiert und nun einen wunderschönen Ort für euch gefunden. Das ist sehr wichtig und wird euch oft Trost schenken! Ich wünsche euch weiterhin einen tollen Zusammenhalt in der Familie und weiterhin viel Kraft für eueren weiteren Weg.
    Alles Liebe Ines

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  2. Lieber Jörn, Romy und Mick!
    Das habt Ihr so wunderschön gemacht. Genau, wie Moni es sich gewünscht hätte. Ihr seit so eine starke, tapfere Familie. Und ich denke echt oft an Euch. Hoffe, ich lese weiterhin wie es Euch so geht. Denn das Leben geht einfach so weiter… Alles Liebe. Petra

    Gefällt 1 Person

  3. Vielen lieben Dank, dass wir an Monis Abschied teilhaben dürften. Ihr seid eine tolle Familie und verdient den aller größten Respekt wie ihr das alles meistert. Ich wünsche euch nur das aller, aller Beste für die Zukunft. Liebe Grüße Martina

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